Maleks Umkehr

 

 von Hans - Georg Wigge

 

 

            Zum Inhalt:
 
  Dies ist die fiktive Geschichte von Malek, eines erfolgreichen Verkaufs-Managers der heutigen Zeit:
  Erfolgsorientiert, ein bisschen fromm, aber auf Grund seines egoistischen Wesens von der Familie verlassen,
mit Arbeitszeiten, die ein Privatleben kaum noch zulassen. Ihm erscheinen im Wechsel Personen und zu allen möglichen Zeiten „Mahner“, die ihn immer wieder auf die Aussagen der Bibel hinweisen und ihm ins Gewissen reden.
  Als immer mehr in seinem Leben durcheinander gerät, wird er nachdenklich und innerlich immer mehr vom Glauben
  an Jesus Christus überzeugt. Ein gläubiger Arbeitskollege ist ihm dabei behilflich, den Weg zueinem lebendigen 
  Glaubensleben zu finden, infolgedessen auch Leben und Familie wieder in Ordnung kommen. Eine Geschichte,
  durchaus geeignet, einen modernen Menschen nachdenklich zu machen und nach den wahren Werten des Lebens
  zu Fragen.

 

 

 

 

 

Maleks Umkehr

 

 

 

Malek schaute mit verschlafenen Augen auf seinen Wecker. Der hatte zwar nicht geklingelt, doch Malek erwachte immer um 6 Uhr. Eigentlich war der Wecker überflüssig und diente nur als Netz, welches Malek auffing, sollte er wirklich einmal verschlafen, denn auf Maleks innere Uhr, die sich seinem Arbeits- und Schlafrhythmus angepasst hatte, war unbedingt Verlass. Leise schlüpfte er aus dem Bett und verließ das Schlafzimmer auf Zehenspitzen, um seine Frau nicht zu wecken.

 

Es war Heiligabend. Malek hatte frei und wollte seine Familie mit einem ausgiebigen Frühstück verwöhnen, ehe das traditionelle Heiligabendritual mit Baumschmücken bei Weihnachtsmusik unter Hilfe seiner  beiden größeren Kinder in Angriff genommen wurde. Maleks dritter Ableger war mit sechs Monaten noch zu jung für derlei Tun und würde auch für den Weihnachtsmessenbesuch am Nachmittag bei Maleks Mutter zwischengeparkt werden.
Doch bevor er sich auf den Weg zum Bäcker machte, der um 7 Uhr öffnete, brühte er sich noch eine Tasse Kaffee auf und ließ seine Gedanken ein wenig auf Wanderschaft gehen. Wieder einmal war es ihm gelungen, das Jahr als einer der drei besten Verkäufer seines Unternehmens abzuschließen. Das brachte ihm zusätzlich eine ansehnliche Weihnachtsgratifikation. Stolz blickte er auf die Weihnachtsdekoration, die auf der Anrichte ihrer Aufgabe harrte. Kristallkugeln von Svarovsky, nicht irgendein Schund aus dem Billigmarkt. Die sündhaft teure Krippe vom derzeit angesagtesten Künstler der Region angefertigt. Tja, dachte Malek, Fleiß lohnt sich. Ein schuldenfreies Haus, eine wunderbare Familie, der er jeden Wunsch erfüllen konnte, die Luxuslimousine vor der  Tür, die Spielkonsole und das neueste Handymodell von Samsung für seinen Sohn als Geschenk, diverse Kleinigkeiten und ein Apple-IPad für die Tochter, ein Bobbycar von Mercedes für den Jüngsten in weiser Voraussicht auf dessen wachsende Mobilität und nicht zuletzt ein Diamantring für seine Frau, der die Weihnachtsgratifikation gegen null reduzierte. Nicht jeder konnte sich das leisten, sinnierte Malek stolz vor sich hin. Draußen taumelten einige Schneeflocken aus dem grauen Himmel und verstärkten die Emotionen, die Malek jedes Mal an Weihnachten auf das Neue übermannten. Jede einzelne Schneeflocke hatte eine andere Struktur, dachte Malek. Jede hatte somit ihren eigenen eiskalten Fingerabdruck.
Die Natur begeisterte Malek immer wieder mit ihrer Genialität, warf aber auch bei ihm, als einem intelligenten Menschen, die Frage auf, wer hinter all dem steckte, denn ein Schuh flog ja auch nicht plötzlich von Atomen zusammengestellt in die Welt hinein, sondern jemand hatte ihn kreiert. Doch derartig philosophischen Gedanken wollte Malek an diesem Morgen keinen Raum geben. Ihm stand heute nach Leichtigkeit, gepaart mit kindlicher  Weihnachtsromantik, der Sinn.  
Jetzt freute er sich auf das volle Heiligabendprogramm. Schnell warf er noch einen Blick auf den Börsenbericht in der Zeitung und bejubelte innerlich die Wertsteigerung der Aktienfonds, an denen er beteiligt war.
Die Worte der Vertreter der beiden großen Kirchen zum bevorstehenden Weihnachtsfest auf Seite 2 erinnerten ihn kurz an seine Kindheit, da seine Mutter, im Gegensatz zum Vater, sehr gläubig war.  Doch die Realitäten des Lebens hatten diesen Kleinkinderglauben schnell verschüttet und er sagte sich, trotz der großen Leere, die auch ihn manchmal überfiel, dass der Glauben an diese Märchen der Bibel wohl etwas für Menschen war, die ihr Leben sonst nicht gebacken bekamen. Gebacken war sein Stichwort. Jetzt aber nichts wie los zum  Bäcker, ehe seine Lieben erwachten...

 

Der Tag verging danach wie im Flug. Malek drängte seine Frau und die Kinder zur Eile. Spätestens um 15.00 Uhr mussten sie vier Plätze in der Kirche für sich ergattert haben, denn um 16.00 Uhr begann das Weihnachtskonzert des hiesigen Spielmannszuges, welches gefühlvoll den heiligen Abend einläutete. Nur im ersten Jahr hatten sie fast drei Stunden gestanden, da die Kirche brechend voll  gewesen war und es fast ein Hauen und Stechen und viele böse Blicke beim Kampf um die begrenzten Plätze gegeben hatte. Malek, als vorausschauender Mensch, wollte durch frühes Erscheinen dem zu erwartenden Chaos dieses Mal aus dem Weg gehen. Weihnachtskonzert und Weihnachtsmesse gehörten einfach traditionell zum Heiligabend dazu. Deswegen drängte er seine Familie zur Eile. Mit viel Glück erhaschte Maleks Familie noch vier Plätze nebeneinander, auch andere hatten aus den Jahren zuvor gelernt und waren früh gekommen. Nach dem Konzert  gab sich Malek seinen Weihnachtsgefühlen hin, ohne groß auf die Worte des Priesters zu achten.  Mitten in eine stille Phase der Messe dröhnte laut das Knarren der Eingangstür durch die Kirche. Die Köpfe der Menschen drehten sich instinktiv in die Richtung des Geräusches. Langsam schwang die Tür auf.
Herein trat ein in Lumpen gehüllter Mann. Seine Kleidung starrte vor Schmutz und war zerrissen. Das wollte hier und gerade heute niemand sehen, erkannte Malek an den ablehnenden Blicken der vielen froh gestimmten Christen in Feiertagslaune. Zielstrebig steuerte er auf die Bank zu, in der Maleks Familie am Rand saß.
Malek stockte der Atem. Der Typ würde sich doch wohl nicht ausgerechnet neben ihn quetschen. Doch genauso kam es.
Da kaum noch Platz war, drängte der verwahrloste Mensch sich besonders nah an Malek heran, dem der neue Sitznachbar und dessen offensichtliche Armut sichtlich peinlich war, was er aber geschickt überspielte, denn alle Blicke waren auf dieses Schauspiel gerichtet. Malek war die Weihnachtsstimmung total verdorben. In diese Atmosphäre hinein sprach der Pfarrer: Gebt einander ein Zeichen des Friedens und der Versöhnung.
Die Gottesdienstbesucher reichten sich die Hände. Sein verdreckter Nachbar hielt ihm ebenfalls die Hand hin. Malek ekelte

sich. Doch er wollte vor den anderen Messebesuchern nicht  Vorurteil beladen erscheinen. Also ergriff er widerwillig die Hand und erfühlte beim Händedruck etwas Schorfiges an den Handgelenken des unerwünschten Penners, der der Typ nun einmal unverkennbar war. Malek schaute auf die Hand des Nachbarn. Deutlich war eine große Narbe auf dem Handgelenk der Hand zu erkennen, die dieser gerade zurückzog. Malek blickte auf das andere Handgelenk. Auch dort, eine große Narbe. Dann schaute Malek zur Seite in das Gesicht des Platznachbarn. Der schaute ihn lächelnd an und sagte mit liebevoller Stimme: Frieden sei mit dir! Da erfüllte Maleks Herz einen winzigen Augenblick eine tiefe, nie zuvor gekannte Zufriedenheit...

 

Malek schreckte hoch. Das frühe Aufstehen hatte seinen Tribut von ihm gefordert. Kurz war er eingenickt.
Er schaute neben sich. Dort war niemand. Die eingefrorenen Feiertagsgesichter der anderen Gottesdienstbesucher und ihre gleichgültigen Mienen bestätigten ihm, dass alles nur eine Halluzination  gewesen war. Gott sei Dank, dachte Malek in Gedanken an seinen Minialbtraum. Den vielen, die nur einmal im Jahr in den Gottesdienst gingen, hätte ein solcher Zwischenfall wohl die wunderschöne Weihnachtsatmosphäre verdorben.
Malek lehnte sich freudig zurück und widmete sich gedanklich wieder schöneren Dingen. Nur ein Traum, fuhr es ihm noch einmal durch den Kopf. Erleichtert atmete er auf und lächelte still. Der Weihnachtsabend lief so, wie Malek sich das erhofft hatte. Üppiges Essen, tolle Geschenke, zufriedene Gesichter. Malek hatte ein Abenteuerwochenende "Off-Road" mit Gleichgesinnten  geschenkt bekommen. Etwas für echte Männer,  wie Malek einer war. Je später der Heiligabend wurde, umso mehr sprach Malek dem leckeren Rotwein zu, bis die 36 Kerzen des Weihnachtsbaumes ihm 72 Mal leuchteten. Schnell wollte Malek noch einen Blick auf das morgige Abendprogramm werfen. Er wunderte sich, dass ausgerechnet an Weihnachten auf fast allen privaten Sendern überwiegend Horror- und Gewaltfilme liefen. Was geht es mich an, dachte Malek, die Einschaltquoten bestimmten die Programme, also bekamen die Menschen, was sie wollten. Er schleuderte die Zeitung auf den Tisch zurück. Dabei fiel ein weiterer Bettelbrief, wie sie vor Weihnachten in zweistelliger Höhe eintrudelten, heraus. Malek hob ihn auf. Compassion, las er auf dem Umschlag. Ungeöffnet warf er ihn später in die blaue Tonne, wie alle anderen zuvor, denn er wollte nicht in irgendeinem fernen Land einem wild gewordenen Diktator und seinem Familieclan die Orgien finanzieren. Des Weiteren musste er unauffällig einen Teil seines Gehaltes für seine derzeitige Favoritin des Herzens oder doch, wie Malek gedanklich ehrlicherweise zugab, eher des Körpers, an die Seite legen. Man musste halt sehen, dass man erst einmal für sich selbst die Schäfchen ins Trockene bekam. Malek löschte nach einem letzten Blick in das bedrückend leere Wohnzimmer das Licht. Die Große war von Freundinnen zur Christmastechnoparty abgeholt worden, der Mittlere saß, wie den Großteil der Woche, bei Ballerspielen vor dem Computer und seine Frau hatte, nach einstündigem gegenseitigen Anschweigen, wortlos das Zimmer verlassen, da nützte auch der teuerste Diamantring nichts. Ein grauer Schleier legte sich auf Maleks Weihnachtsgefühle, als er zu Bett ging. In der Nacht hatte er einen Alptraum: Er befand sich am Rande einer Stadt in einer heruntergekommenen Gegend. Es war Nacht und ziemlich dunkel. Nachdem sich seine Augen ein wenig an die Dunkelheit gewöhnt hatten, erkannte er einige notdürftig zusammengeschusterte Unterkünfte aus Wellblech, Pappe und anderen Materialien vom Müll. Es roch nach Schweiß, Urin und zusätzlich hing ein süßlicher Duft von Chemikalien in der Luft. Ein kleiner Junge erschien auf der Bildfläche. Die Haare verfilzt, das Gesicht eine einzige Dreckschicht, ein knochendürrer Körper in einem viel zu großen Männermantel, dessen zerschlissener Saum über den Boden schleifte. Sieben Jahre mochte er vielleicht sein. Bald darauf erschienen noch mehr dieser traurigen Gestalten vor den Wellblechunterkünften.
Lallend, mit glasigen Augen, unterhielten sie sich in der Sprache der Straße. Aus ihren weiten Jacken holten sie Dosen oder Tüten hervor, hielten die Öffnungen an den Mund und atmeten tief ein. Das Schnüffeln von Leim, Klebstoff und Benzin ersetzte ihnen die Wärme und Liebe, die eigentlich alle Kinder dieser Welt erfahren sollten. Doch dieser Ersatz war trügerisch und zerstörte die kleinen Körper unwiederbringlich. Überall erkannte Malek nun in den Winkeln Kinder unter Pappkartons, eng aneinandergekuschelt auf dem Boden, mit Zeitungen und Lumpen zugedeckt. Sie wärmten sich ihre kleinen Körper gegenseitig oder Seite an Seite mit struppigen Straßenkötern. Auf einem Stuhl saß der offensichtliche Anführer der Straßenkinder. Dieser band sich gerade den Oberarm ab und hantierte mit einer Spritze. Malek stockte der Atem. Das war eindeutig sein Sohn. Nicht, tu das nicht, wollte er schreien. Doch so sehr er sich bemühte, er bekam keinen Ton heraus. Panisch versuchte er auf seinen Sohn zuzulaufen, doch seine Beine waren wie Blei und bewegten sich nicht von der Stelle. Malek sah, wie das todbringende Gift der Spritze in der Vene seines Sohnes verschwand. Tränen liefen ihm über die Wangen. Er fühlte sich, als hätte ihm jemand ein Messer mitten ins Herz gerammt, so schmerzte es ihn. Dann verschwand das Bild und Malek sah im Traum noch einmal, wie er achtlos den Bettelbrief in die blaue Tonne warf. Schweißgebadet erwachte er  und war froh, dass auch dieses Mal alles nur ein Traum gewesen war.
Nach den Feiertagen fiel Malek schnell zurück in den alten Trott. Er war auf der Autobahn unterwegs, um sich mit einem wichtigen Kunden zu treffen. Malek lag weit vor der Zeit und wollte die Gelegenheit nutzen, ein kurzes Schäferstündchen mit seiner Geliebten einzulegen. Plötzlich fühlte er sich beobachtet und schaute zum Beifahrersitz. Der Schreck fuhr ihm so in die Glieder, dass er um ein Haar eine Vollbremsung bei Tempo 160 eingeleitet hätte. Neben ihm saß doch tatsächlich der Typ aus der Kirche. Malek traute seinen Augen nicht. Spielten ihm seine Nerven einen Streich? Doch dann begann der Fremde zu reden und das hörte sich durchaus realistisch an:
"Na, mein Bruder, erinnerst du dich an mich"? Doch Malek interessierte nur eins: "Wie kommst du in mein Auto"?
"Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die zu fassen des Menschen Geist zu klein ist", antwortete der Mensch.
Malek war die ganze Sache sehr unheimlich. Es kam hinzu, dass sich das Gesicht des Mitfahrers bei jedem Blick, den Malek auf ihn warf,  veränderte.
Beim ersten Mal hatte er ausgesehen, wie der Typ aus der Weihnachtsmesse, beim zweiten Mal hatte er eher feministische Züge gehabt. Als Malek ein drittes Mal hinüberschaute, sah er in das Gesicht eines Schwarzen.
Der Typ änderte sein Aussehen wie ein Chamäleon. Jetzt glaubte Malek ernsthaft,  verrückt geworden zu sein.
"Ein Mann, der Feuer unter dem Mantel trägt, wird irgendwann verbrennen," sagte der Fremde und war genauso plötzlich verschwunden, wie er erschien. Malek zweifelte erneut an seinem Verstand. Er war ein Mann, der Feuer unter dem Mantel trug, wie der Fremde sich poetisch ausgedrückt hatte. Doch was ging ihn das an?  Malek grübelte und grübelte und verpasste darüber prompt die Ausfahrt, welche ihn zu seiner Geliebten, einer Kundin, die er mit seinem Jungencharme für sich gewonnen hatte, geführt hätte.  Äußerst verärgert bog er auf den nächsten Parkplatz ab und holte sein Handy heraus. Was ihm dann widerfuhr, passte zu diesem eigenartigen Tag. Seine heimliche Geliebte stellte ihm ein Ultimatum. Entweder trenne er sich von seiner Frau und bekenne sich zu ihr oder es sei vorbei mit der Liaison. Wie in schlechten Liebesfilmen, dachte Malek kurz. Als er erklärte, dass das auf keinen  Fall in Frage kam, hörte er plötzlich nur noch ein Freizeichen in der Leitung. Okay, dachte Malek, es gab noch andere Frauen, die einen Mann wie ihn gern empfingen. Wo er war, war vorne.
Neues Spiel, neues Glück.
"Ich sage dir: Jeder, der eine Frau auch nur so anschaut, als ob er sie sexuell in Besitz nehmen will, der hat in seinem Innersten schon Ehebruch begangen. Wenn zum Beispiel dein rechtes Auge der Grund dafür wird, dass du zu Fall kommst, dann reiß es heraus und wirf es weg. Es ist besser für dich, dass ein Glied deines Körpers verrottet, als dass du als ganzer Mensch mit unversehrtem Leib in die Gottesferne kommst." Malek traute seinen Augen und Ohren nicht, als er einen kurzen Blick auf den plötzlich wieder neben ihm sitzenden asiatisch aussehenden Beifahrer warf, der dann wieder verschwand. Langsam wurde Malek angst und bange. Heute noch würde er sich einen Termin beim Psychiater holen. Aber konnte sein Gehirn ihm einen solchen Streich spielen? Nein, dachte Malek. Die Worte, die er gehört hatte, waren ihm völlig unbekannt. Wie sollten sie in seinem Gehirn gespeichert sein, wenn er sie noch nie gehört hatte?
In der heutigen Zeit mit den unendlich vielen Reizen, die auf einen Mann eindrangen, war das ja wohl nicht zu schaffen, was der Typ angemahnt hatte, dachte Malek beim Blick auf eine leicht bekleidete Frau, die auf einer riesigen Werbefläche am Rande der Autobahn Werbung für fettarmen Käse machte. Und was hieß Gottesferne. Gab es überhaupt einen Gott?
Malek war am Ziel und sein Geschäftstermin brachte ihn wieder auf andere Gedanken.
Auf der Rückfahrt zu seinem Büro, in dem er ein weiteres neues Erfolgserlebnis schriftlich wasserfest für seine Firma manifestieren wollte, dachte er nicht mehr an seine eigenartigen Begegnungen mit dem Fremden. Bei seiner Fahrt  über eine unbelebte Landstraße zwischen zwei wie ausgestorben wirkenden Dörfern sah Malek einen PKW im Graben liegen. Es wird wohl ein Unfall sein, der schon ein wenig länger her ist  und das ramponierte Auto harrt sicher seiner Abholung durch den Abschleppdienst, redete Malek sich ein. Mit dieser eigennützigen Begründung wollte Malek sich aus der Verantwortung ziehen und ohne zu bremsen schnellstmöglich an der Unfallstelle vorbeifahren. Weder Warndreieck noch sonst irgendetwas deutete aber auf  Maleks Version der Situation hin. Kaum war Malek an der Stelle vorbei, fing der Motor seines Autos das Stottern an und verstummte letztendlich ganz. Malek fluchte, betätigte das Warnblinklicht, stieg aus und macht sich auf den Weg zum Unfall-PKW. Ein junger Mann, offensichtlich bewusstlos, war hinter dem Lenkrad eingeklemmt. Gott sei Dank entdeckte Malek nirgendwo Rauch. Malek holte sein Handy heraus und benachrichtigte den Rettungsdienst, der innerhalb weniger Minuten vor Ort war und ergriff die Maßnahmen, die weiteres Unheil verhindern halfen. Polizei und Notdienst lobten Malek für die vorbildliche Sicherung der Unfallstelle und die schnelle Benachrichtigung des Rettungsdienstes, da der junge Mann doch recht schwere Verletzungen davongetragen hatte. Nach Aufnahme der Personalien durfte Malek weiterfahren. Eigenartigerweise sprang Maleks Auto sofort wieder an und schnurrte störungsfrei davon. Sein schlechtes Gewissen hatte Malek rasch vergessen, denn eigentlich wäre er ohne den aussetzenden Motor nicht zum Lebensretter geworden. Ein Mann in einem grauen Anzug saß plötzlich auf dem Beifahrersitz. Wieder einer dieser Typen, dessen Gesichtszüge nicht zu greifen waren, bemerkte Malek, den nun doch große Furcht ob seiner Halluzinationen überfiel. "Malek, höre die Worte des Königs der Welt“, begann der Mann zu sprechen. "Es war ein Mann, der von Jerusalem die Bergwüste hinunterlief nach Jericho. Da fielen Wegelagerer über ihn her. Sie nahmen ihm alles ab, sogar seine Kleidung, schlugen ihn zusammen und ließen ihn halb tot zurück. Zufälligerweise lief auch ein Tempelpriester auf diesem Weg hinab. Als er den Mann erblickte, ging er auf der gegenüberliegenden Seite des Weges an ihm vorüber. Genauso kam auch ein Levit, ein Tempeldiener, an diesem Ort vorbei, sah ihn und ging auf der anderen Straßenseite an ihm vorbei. Da kam ein Ausländer vorbei, ein Samaritaner, der gerade auf der Reise war. Als er ihn erblickte, wurde er von Erbarmen erfasst. Er lief zu ihm hin und versorgte seine Wunden. Er goss Öl und Wein darauf, um sie zu reinigen, setzte den Mann auf seinen eigenen Esel, brachte ihn zu einem Rasthaus und kümmerte sich dort weiter um ihn. Am nächsten Tag zog er zwei Denare aus der Tasche, gab sie dem Herbergsvater und sagte: Kümmere dich um ihn! Und wenn du mehr Geld für ihn ausgeben solltest, dann werde ich es dir zurückerstatten, wenn ich wieder hier vorbeikomme! Wer von diesen drei Männern, Malek, ist deiner Meinung nach für den, der ausgeraubt wurde, zum Mitmenschen geworden? Handle in Zukunft genauso wie der, der ihm praktisch geholfen hat." Malek war wieder alleine, bevor er sich rechtfertigen konnte, denn machten es nicht viele so und sahen weg, wenn es galt Verantwortung zu übernehmen? Jeder war sich wohl selbst der Nächste. Doch die Worte seines plötzlich erscheinenden Mitfahrers bohrten noch in ihm, als er sein Büro betrat und Malek konnte seine angebliche Heldentat nicht recht genießen.
Gegen 16.00 Uhr hatte Malek alles in trockenen Tüchern, holte sich einen Kaffee aus dem Automaten und beschloss einen Blick in das bis dato unbeachtete Boulevardblattblatt zu werfen, welches der Bürobote auf Maleks Wunsch und Bezahlung  täglich auf seinem Schreibtisch deponierte. Ehemalige Nachrichtensprecherin mutiert zu Missionarin, prangte es in Riesenlettern auf Seite eins. Davon hatte Malek schon gehört. Das war doch diese Tussi, die selbst dreimal verheiratet, auf einmal den christlichen Glauben für sich entdeckt hatte. Totale Heuchelei, dachte Malek, dann blieb ihm vor Entsetzen der Mund sperrangelweit offen stehen. Gegenüber seines Schreibtisches saß ein Aborigine und sprach:" Der, der ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein. Fälle kein abschätziges Urteil über andere, damit auch du nicht vorschnell abgeurteilt wirst. Denn mit dem Maßstab, den du an andere anlegst, wirst auch du gemessen werden. Und die Erwartungen, die du anderen gegenüber hast, werden auch an dich gestellt. Warum starrst du auf den kleinen blinden Fleck im Auge deines Mitmenschen und nimmst nicht gleichzeitig das dicke Brett wahr, das dir den Blick auf die Wirklichkeit und auf dich selbst vollkommen verstellt? Oder wie kannst du zu deiner Schwester sagen: Komm her, ich wische dir deinen blinden Fleck weg, wenn du gleichzeitig ein dickes Brett mit dir herumschleppst, welches dir den Blick verstellt? Damit täuschst du dich selbst und versuchst die anderen zu täuschen. Deshalb: Schau erst einmal der ungeschminkten Wahrheit über dich selbst ins Auge. Dann wirst du auch deinem Mitmenschen helfen können, seinen blinden Fleck zu überwinden.  "Stopp," schrie Malek und hoffte, niemand hatte ihn gehört, "wer bist du?" "Ich bin der ich bin", antwortete der kleine dunkelhäutige Mann. "Ich war, bevor alles Irdische entstand und ich werde sein, wenn alles Irdische vergangen ist, ich bin ewig". Weg war er. Malek blickte sich verzweifelt um. Kurz dachte er über die Worte des Fremden nach. Eines hatte er erreicht. Malek hatte keinerlei Lust mehr, die vor ihm liegende Zeitung, die, wie jeder insgeheim wusste, von Sensationsgier, Übertreibung, schlüpfrigen Geschichten und blutrünstigen Bildern jenseits von Anstand, Ehre und  Moral lebte, noch zu lesen.  So, Schluss jetzt, dachte er und holte sein Notizbuch heraus. Für die Behandlung beim Psychiater würde er sich die Botschaften, die sein anscheinend überarbeitetes Gehirn von sich gab, stichpunktartig notieren. Malek versuchte sich an die Worte der eigenartigen Besucher zu erinnern. Im Stillen lobte er sein ausgezeichnetes Gedächtnis. Die Worte fielen ihm, zumindest sinngemäß, wieder ein. Für heute würde er Feierabend machen, beschloss er. Du meine Güte, dachte er, als er in den Fahrstuhl stieg, bleibt mir denn nichts erspart? Offermann aus der Rechtsabteilung drängte sich nämlich noch schnell mit in den Aufzug. Dieser komische Kauz, der in der Kantine vor dem Essen kurz den Kopf neigte und sich dann bekreuzigte. Peinlich, fand Malek. "Gott zum Gruße, Herr Malek, lange nicht gesehen, wie gehts, wie stehts?“, drängte Offermann ihm auch noch jovial ein Gespräch auf. Malek überlegte, ob er ihm von seinen Halluzinationen erzählen sollte, denn Offermann, als bekennender Christ, musste doch eigentlich Experte in Sachen  Halluzinationen sein, da er ja Geschichten glaubte, die nach Maleks Überzeugung Märchen waren. Doch dann besann sich Malek eines Besseren und sagte: "So lala, aber das ist eine lange Geschichte, die mir sowieso niemand glaubt."
"In Sachen Glauben bin ich Spezialist“, erwiderte Offermann, "meine Tür steht Ihnen immer offen, sie wissen doch: Man fällt nie tiefer als in Gottes Hand.."  Ein ungewohnt stiller, nachdenklicher Ehemann und Vater saß des Abends mit einem Scotch in der Hand in seinem  Clubsessel. Seine Frau hatte ihm von ihrem Tag und den Sorgen mit den Kindern berichtet, aber Malek hatte nur mit halbem Ohr hingehört. Nach dem dritten Scotch schwebten seine eigenen Sorgen langsam davon. Frau und Kinder waren im Bett. Malek stand auf und holte sich einen weiteren Seelentröster. Voller Selbstmitleid kreisten seine Gedanken um ihn selbst und seine wundersamen Begegnungen der letzten Zeit. Er könnte doch eigentlich glücklich sein, dachte er. Da saß plötzlich ein alter grauhaariger Mann im Sessel gegenüber. Malek, der sich langsam an die Blitzbesuche gewöhnte, schaute auf: "Und, wieder irgendwelche klugen Ratschläge?" fragte er in gespannter Erwartung, was sein Gegenüber antworten würde. "Malek, mit wem haderst du? Du hast doch alles, was man sich materiell  wünschen kann. Doch die Sorgen anderer sind dir egal, aber höre: Wahres Glück haben alle, denen das Leid anderer nicht gleichgültig ist. Denn auch sie werden in ihren Schwierigkeiten Anteilnahme erfahren. Wahres Glück haben alle, die am Ende sind. Denn sie werden erleben: Gott lässt sie nicht allein". "Bla, bla", lallte Malek mit whiskeyschwerer Zunge. "Ich spende für Greenpeace und kaufe nur Bier, mit dem ich Quadratmeter für Quadratmeter den Regenwald rette, sonst noch was?" "Mit wem redest du?" Maleks Frau stand in der Tür. Gern hätte er ihr das Herz ausgeschüttet, doch die tägliche Routine und der Schrott, der  sich in Maleks Seelenkellerräumen bergeweise angesammelt hatte, ließen ihn stumm bleiben. "Mit mir selbst", nuschelte er kurz und abweisend. Malek schmiss den Flachbildfernseher an, um auf andere Gedanken zu kommen. Auf dem Bildschirm erschien ein Nachrichtensprecher, den Malek noch nie gesehen hatte: "Malek, höre, eines Tages sah Jesus die vielen Wohlhabenden, die ihre Gaben in die Spendenkiste warfen. Dann sah er eine bitterarme Witwe, die dort zwei ganz kleine Kupfermünzen einwarf. Er sagte: Ich sage euch die Wahrheit: Diese arme Witwe hat mehr gegeben als alle anderen zusammen. Denn sie alle haben etwas von dem als Spende gegeben, was sie entbehren konnten. Aber sie hat das, was sie unbedingt braucht, dort eingeworfen, ihren gesamten Lebensunterhalt. Höre die Worte Jesu aus dem Buch der Bücher, Malek." Der Sprecher war fort. Malek fühlte sich krank, völlig neben der Spur. Hoffentlich konnte der Psychiater ihm helfen. Was nun? Er musste unbedingt auf andere Gedanken kommen. War heute nicht Championsleague? Natürlich, das wäre ihm bei seinen Grübeleien beinahe durch die Lappen gegangen. Immerhin ein kleiner Lichtblick, denn er musste unbedingt auf andere Gedanken kommen…
Malek lehnte sich erwartungsvoll zurück. Keine Macht den Drogen, las er auf den Trikots der deutschen Mannschaft. Richtig so, dachte Malek in Gedanken an seine Kinder und nahm noch einen ordentlichen Schluck aus dem Whiskeyglas. Es war Zeit für den Anstoß. Das Spiel wird ihnen präsentiert vom ZDF und Bitburger Bier, tönte es aus den Lautsprechern. Merkte hier eigentlich keiner diesen Widerspruch zum Spruch auf den Trikots? Aber was geht mich das an. So funktioniert halt die Welt. Günter Müller, Fußballgott, wurde ein riesiges Plakat eingeblendet, welches ein Zuschauer im Stadion hochhielt. Malek zappte sofort weiter, da sowieso noch einmal ein Werbeblock kam. Nur schon die Erwähnung Gottes machte ihn dünnhäutig in letzter Zeit. Was ging hier eigentlich vor? Wer verfolgte ihn? Wer ließ ihm keine Ruhe? Bewusst schaute er sich das Programm an. Zwei junge Menschen breiteten ihr perverses Intimleben vor johlendem Publikum aus, ein älterer  spätpubertierender ehemaliger Popstar demoralisierte im Fäkaljargon einen jungen Menschen vor einem Millionenpublikum, ein abgehalftertes Starlet verspeiste in einem Camp widerwillig einen Wurm. Wie hohl war das denn alles. Blut, Ekel, Hass, Horror, Mord, Porno. Dann blieb er auf MTV hängen. Ein Konzert der Gruppe Slipknot wurde übertragen. Das Böse war förmlich greifbar. Die Gruppenmitglieder trugen satanistische Masken. Die jungen Menschen jubelten den gesungenen Hasstiraden enthusiastisch zu. Malek lief ein Schauer ob der greifbaren Realität des Dunklen über den Rücken… Er schaltete aus. Keinen Bock mehr auf Championsleague. Verwundert über sich selbst, der sonst auch wie ein Lemming allem hinterherlief, was die Masse ihm als erstrebenswert vorlebte, begab sich Malek ins Bett. Was ist nur schief gelaufen, dachte er mit einem Blick auf seine schlafende Frau, als er sich hinlegte. Vielleicht war es das dunkle Geheimnis, welches Malek mit seiner Frau teilte...
Der nächste Tag lief, bis zu seinem späten Arbeitsschluss um 18.00 Uhr, endlich einmal wieder in normalen Bahnen. Zwar schickte ihm Offermann mittags per Mail einen Bildschirmschoner mit einem biblischen Spruch, doch den ignorierte Malek  Jetzt hatte er, neben den anderen rätselhaften Gestalten, auch noch Offermann am Hals, dachte Malek  zerknirscht. Nach Feierabend lief der Tag dann doch noch aus dem Ruder. Malek hatte einen Einkaufszettel von seiner Frau mitbekommen und den Einkaufswagen an einem fixen Ort des Supermarktes abgestellt, da er als analytisch denkender Mensch das Einsammeln der Waren und den Transport zum Einkaufswagen als ökonomischer beurteilte, als sich mit dem Einkaufswagen durch den rappelvollen Markt zu quälen. Da zeigte sich wieder einmal der Vorteil überbordender Intelligenz, dachte Malek hochmütig, als er bereits nach kurzer Zeit auf dem Weg zur Kasse war. Schritt für Schritt ging es voran. Hinter Malek hatte sich auch schon wieder eine lange Schlange gebildet. Endlich kam er am Band an und wollte die Waren darauf legen. Entgeistert starrte Malek in den Wagen. Das war nicht sein Wagen! Jemand hatte wohl die gleich glorreiche Idee gehabt wie Malek und den Einkaufswagen auch noch in direkter Nähe seines Wagens abgestellt. Malek kochte innerlich, gleichzeitig war es ihm auch peinlich. Er scherte aus und begab sich zurück in den Supermarkt. Dort stellte er den fremden Einkaufswagen an der nächstbesten Ecke einfach ab. Aus den Augenwinkeln beobachtete er, dass kurze Zeit später eine verständnislos schauende junge Frau kopfschüttelnd Besitz von dem Ausreißer nahm.
Maleks Wagen stand brav an seinem alten Platz und harrte der Abholung. Ein weiteres Mal stellte sich Malek an das Ende der Warteschlange, in der die ersten das Murren anfingen und das Öffnen einer weiteren Kasse forderten.
Das geschah gerade in dem Moment als Malek bis auf Platz vier an das Band herangerückt war. Mit einem Blick erkannte er, dass drei ältere Menschen vor ihm waren und scherte blitzschnell aus, um durch seine bessere körperliche Fitness Platz eins in der neuen Wartehierarchie zu ergattern. Eilig begann er die Waren auf das Band zu legen. "Die ersten werden die letzten sein und die letzten die Ersten, denn jeder, der sich selbst nach vorne drängt, wird in seine Schranken verwiesen werden. Doch der, der bescheiden auftritt, wird öffentlich geehrt werden", hörte Malek plötzlich neben sich und schaute in das Gesicht einer Indianerin, die ihn fordernd anlächelte. Schon war sie wieder verschwunden. Malek blickte sich um und traf auf die ob seiner Dreistigkeit vorwurfsvoll blickenden Augen einer alten Frau hinter ihm. Er war so perplex, dass er die Waren wieder vom Band nahm, Entschuldigung murmelte und sich unter verwunderten Blicken der Wartenden beider Reihen als Letzter in die neue Warteschlange einreihte. Nach diesen aus Maleks Sicht zutiefst peinlichen Vorfällen, erwartete ihn zu Hause schon seine ungeduldige Frau, die sich beim wöchentlichen Stammtisch mit ihren Freundinnen treffen wollte, mit unfreundlichen Worten:" Wo bleibst du denn wieder?" "Das ist eine lange Geschichte," wollte er antworten, doch seine Frau war schon aus der Tür. Malek musste den Laden also alleine schmeißen, was ihm aber nicht schwer fallen würde, denn die beiden Großen übernachteten bei Freunden und der Kleine lag bereits gestillt und gewickelt im Bettchen. Nach dem Abendessen machte er es sich mit seinem obligatorischen Feierabendscotch im Sessel bequem, um das Neueste vom Tage in der Tagesschau zu erfahren. Plötzlich drangen aus dem Kinderzimmer des Jüngsten Geräusche, die Malek heute Abend  gar nicht gebrauchen konnte. Genervt machte sich Malek auf den Weg. Zwei Stunden später hatte er ergebnislos alle Register gezogen, um seinen Jüngsten wieder zum Einschlafen zu bringen, außer ihm die Brust zu geben. Malek stutzte. Satt und trocken war er doch, aber vielleicht brauchte er diese innige körperliche Verbindung zu einer Bezugsperson, um Frieden zu finden? Genau, das war des Rätsels Lösung. Zwar verkam das Ganze zu einer Mogelpackung, doch wer nicht wagt, der nicht gewinnt und Malek und Aufgeben oder sich etwa die Blöße geben, seine Frau um Hilfe zu bitten, das passte nicht zusammen. Malek hob sein T-Shirt an und legte sich seinen Sprössling behutsam an die rechte Brust. Nach der Akzeptanz einiger ungewohnter Haare um die Brustwarze, schnurrte der kleine Mann wohlig schmatzend vor sich hin und war innerhalb von zehn Minuten eingeschlafen. Das hätte ihm auch eher einfallen können, dachte Malek, als er müde in sein Bett sank. Am Morgen erwachte Malek mit starken Schmerzen in der rechten Brustwarze.
"Wo bitte“, fragte ihn sein Hausarzt, der ihn, aus honorigen Gründen, schnell noch vor der Arbeit dazwischen geschoben hatte, "holt sich ein Mann eine derart ausgewachsene Brustentzündung?" Malek schwankte mit hochrotem Kopf zwischen Ehrlichkeit und einleuchtender Lüge. Er entschied sich für die Wahrheit und bemerkte, dass sein Hausarzt das dröhnende Gelächter, welches ihm im Halse steckte, nur mühsam herunterschlucken konnte. Als  Malek sich, versehen mit entzündungshemmender Salbe, auf den Weg zur Arbeit machte, lobte er den Begründer des Arztgeheimnisses, denn sich vorzustellen, wie Dr. Frings in der Runde seines Personals bei einer Tasse Kaffee seine Deppenidee zum Vortrag brachte, heiterte Maleks Stimmung nicht gerade auf. Zudem hatte die immer weiter um sich greifende Gender-Ideologie gerade die Geburt eines erbitterten Gegners erlebt. Überhaupt lief Maleks Leben im Moment völlig aus dem Ruder. 
Als Malek an diesem Abend nach Hause kam, lag auf seinem Schreibtisch ein Brief mit einer Todesanzeige, die ihn schockierte. Sein alter Spezi aus Schultagen und bester Freund seiner Jugendzeit, Chris Jordan, war im Alter von 40 Jahren, nach kurzer schwerer Krankheit verstorben, wie es in dem Brief hieß. Chris Jordan war nicht sein richtiger Name, der lautete Christian Jablonski. Doch nach dem Schauspielstudium hatte seine Agentur ihm geraten einen gängigeren Künstlernamen anzunehmen. Mit Erfolg, wie Malek wusste. Der blendend gut aussehende Jablonski war der Star einer Dokusoap, in der er, wie sollte es anders sein, einen von allen Schwestern, Patientinnen  und Besucherinnen angehimmelten Chefarzt spielte. Tod nach kurzer schwerer Krankheit und das als Chefarzt, makaber, dachte Malek für einen Augenblick. Malek schaute auf das Datum der Beerdigung. Die war bereits morgen. Der Brief musste also schon ein wenig länger auf dem Schreibtisch gelegen haben. Da Malek seit längerem nicht mehr die Zeitung mit den vier großen Buchstaben las, war ihm wohl auch die Berichterstattung in den Medien um den nebulösen Tod seines Freundes entgangen. Am anderen Morgen sandte Malek eine SMS an seine Sekretärin mit der Bitte, alle Termine auf Grund eines Trauerfalles abzusagen und ihm einen Tag Urlaub einzutragen. Dann zog Malek seinen schwarzen Anzug an und machte sich auf den Weg zum Friedhof der Stadt, in der Jablonski beerdigt wurde. Seine Frau fragte nicht einmal, weshalb er in schwarzem Anzug zur Arbeit ging. Ihre Ehe wurde Tag für Tag mehr zur Farce und letztendlich waren es nur noch die gemeinsamen drei Kinder, die sie aneinanderketteten. Man wusste ja, was so eine Scheidung in Kinderseelen, gerade in jenem Alter, anrichten konnte. Eine unglaubliche Menschenmenge hatte sich zum Abschied von Chris Jordan eingefunden. Im Minutentakt fuhren große Limousinen vor, aus denen prominente Leute jeglicher Couleur, hinter großen Sonnenbrillen versteckt, ausstiegen. Jordans derzeitige weibliche Favoritin stand mit einer weißen Rose in der Hand am offenen Grab. Der Sarg mit Jordan war bereits eingetroffen und alle harrten der Abschiedsrede, die ein bekannter Pastor hielt, der ein guter Freund von Jordan gewesen war und selbst einmal eine erfolgreiche Talkshow im TV moderiert hatte. Er fand genau die richtigen Worte, um die Augen der Anwesenden in ein Tränenmeer zu verwandeln. Die Schlagzeilen der Yellowpress hatten zwar Woche für Woche eine andere Sprache gesprochen, doch der Redner schaffte es, Jordan in die Nähe von Mutter Teresa zu rücken. Als dann der Sarg feierlich zu Grabe gelassen wurde und "Time to say Goodbye" aus riesigen Lautsprechern erklang, brachen alle Dämme. Auch Malek konnte sich seiner Tränen nicht erwehren und schneuzte sich in ein Papiertaschentuch. Beim Blick zum Parkplatz registrierte er, dass dort Luxuslimousine neben Luxuslimousine geparkt war. Das war dann doch ein ganz anderes Level als jenes, auf dem Malek sich befand. Malek beschloss, noch härter zu arbeiten, um noch erfolgreicher zu werden. Ein größeres Auto, ein größeres Haus, wie schnell konnte das Leben zu Ende sein, vielleicht konnte er dadurch sogar seine Ehe retten. Die Beerdigung, der er gerade beigewohnt hatte, war eine reine Inszenierung gewesen, wie das ganze Leben von Jablonski, welches von schönem Schein, Alkohol, Drogen und Abstürzen begleitet gewesen war, wie Malek aus sicherer Quelle wusste. Wo war Jablonski jetzt? Nichts wird zu nichts, hatte Einstein gesagt, oder wer auch immer, wo war dann Jablonskis Seele abgeblieben? Nach der Beerdigung begab sich Malek um die Ecke in ein Cafe, um seinen Gedanken nachzuhängen. Er nippte an seinem Cappuccino und dachte darüber nach, wie er auf der Erfolgsleiter höher steigen könnte. Doch was war, wenn er der Nächste wäre, der den Löffel abgeben musste, denn einer der bei dieser Beerdigung Anwesenden war der Nächste, definitiv. Ihm gegenüber saß wie von Zauberhand ein kleiner Chinese. Er legte seine Hand auf  Maleks auf dem Tisch liegende Hand. "Malek, siehst du, fast nur in solchen Momenten erkennen die Menschen, wie vergänglich das Leben ist. Sie erkennen ihre Endlichkeit. Kein Thema wird im täglichen Leben unter den Menschen mehr und mehr zum Tabu als der Tod. Abgeschoben und verdrängt fristet der Gedanke an ihn nur ein Randdasein und ist doch so fundamental prägend für das Leben, wie sonst nichts. Der Tod ist des Menschen ständiger Begleiter. Er ist immer existenziell bedrohend und greift, wenn er eingreift, unwiderruflich ein. Er beendet jede Unterhaltung unter Menschen von jetzt auf gleich. Es gibt keine weitere Chance mehr, zu lieben, zu streicheln, zu verzeihen, zu fühlen, zu schmecken, zu riechen. Der Tod passt einfach nicht in die heutige Fit- und Fun-Gesellschaft mit ihrem Jugendwahn. Die Leute können ihn nicht umtauschen, weil er ihnen nicht gefällt. Er geht jeden Schritt mit uns und siegt immer. Und weil  niemand sich mehr für den Tod interessiert, verlernen die Menschen den Umgang mit ihm. Schlägt er zu, so bleiben die Hinterbliebenen fassungslos, mutlos, hilflos, hoffnungslos zurück. Dabei ist der Mensch zur Ewigkeit hin geschaffen. Der Gott und Mensch Jesus hat den Menschen, die an ihn glauben, die Ewigkeit im Himmelreich versprochen. Für die, die an ihn glauben, beginnt bereits mit dem Erdenleben die Ewigkeit. Der Tod wird für sie nicht zu einem lähmenden, bedrohenden Schatten über ihrem Leben, sondern stellt nur den Übergang von einer Wohnung in eine bessere dar.                              

Wahre Nächstenliebe verschenken die, die die Sterbenden nicht alleine lassen, sondern sie in ihren letzten Stunden begleiten. Die den Sterbenden ihre Würde bewahren und sie nicht in einem Abstellraum oder umgeben von seelenlosen Maschinen allein lassen. Wenn ein Mensch uns verlässt, so durchbricht er unser begrenztes Wissen von Zeit und Raum. Doch der Christusgläubige hat sein Ziel erreicht. Er ist durch seinen Tod eins mit Gott geworden. Die Zahl deiner restlichen Herzschläge wird mit jeder Sekunde weniger, Malek. Erst im Alter erkennen viele, dass es für ihre Existenz nichts Größeres gibt als Gott und den Nächsten zu lieben. Hänge dein Herz nicht an vermodernde Schätze, Malek, sondern an den Schatz der Ewigkeit. Dieser ewige Schatz ist von Gott in jedem Menschen grundgelegt, sie finden ihn nur nicht mehr hinter den alltäglichen, eher unwichtigen Bergen des Materialismus. Höre die Worte von Jesus: Es lebte einmal ein wohlhabender Mann. Es geschah, dass seine Ernte besonders ertragreich war. Da überlegte er sich: Was soll ich jetzt tun? Denn meine Lagermöglichkeiten reichen längst nicht mehr dazu aus, meinen Ernteertrag aufzunehmen. Dann sagte er: Ich will folgendes tun: Ich reiße meine Scheunen nieder und baue größere und bessere. Dann kann ich dort mein ganzes Getreide und alle meine anderen Vorräte aufbewahren. Danach kann ich zu mir selbst sagen: Du Mensch, du hast jetzt mit all deinen gelagerten Gütern für viele Jahre vorgesorgt. Jetzt kannst du dich entspannen, so richtig feiern mit Essen und Trinken, und es dir gut gehen lassen. Doch Gott sagte zu ihm: Du dummer Mensch. Noch in dieser Nacht wird dein Leben von dir zurückgefordert werden. Und wem wird dann all das gehören, was du sorgfältig angesammelt hast? So wird es jedem ergehen, der Reichtümer für sich selbst ansammelt, aber keinen Reichtum entwickelt in der Beziehung zu Gott. Greif zu, Malek und bau dein Leben endlich auf Fels statt auf Sand, die Gewissheit im Letzten wird dir dann Gelassenheit im Vorletzten geben!"  Malek machte erst gar keine Anstalten, den Typen in ein Gespräch zu verwickeln, denn er wusste ja bereits, was nun geschah. Der kleine Chinese verschwand wie all die anderen Typen, die ihm mit erhobenem Zeigefinger die Moralkeule um die Ohren schlugen. Eine wohlige Wärme hatte die auf seiner Hand liegende Hand des Fremden in ihm erzeugt. Malek, der das Gesicht des Mannes während dessen Erzählung nicht aus den Augen gelassen hatte, erinnerte sich daran, dass die Gesichtszüge sich immer wieder veränderten, so dass eine Personenbeschreibung unmöglich gewesen wäre. Diese Gestalten waren einfach nicht zu fassen. Trotzdem verstand er die Welt nicht mehr. Mit wem konnte er darüber reden, ohne als verrückt abgestempelt zu werden? War er etwa mitten in der Midlife-Crisis und brach sich sein Gewissen Bahn, welches auf das Archiv seines mit viel Schrott zugemüllten Unterbewusstseins Zugriff nahm? Auf jeden Fall empfand Malek die Worte des Engels oder was auch immer, als die volle Breitseite. 

Am folgenden Tag wurde Malek in die Chefetage zitiert. Dort teilte die Personalchefin  ihm nach minutenlangen Lobeshymnen auf seine Leistung im Unternehmen mit, dass es da aber noch einen jüngeren äußerst erfolgreichen Verkäufer gäbe, der vom Vorstand eher für die Position des freiwerdenden Abteilungsleiterpostens als geeignet betrachtet würde. Das versetzte Malek einen weiteren Tiefschlag, denn diese nächste Stufe auf der Karriereleiter war fest eingeplant gewesen. Zudem handelte es sich bei dem ihm vor die Nase gesetzten Überflieger um ein hinterhältiges, falsches, aalglattes Bürschchen, welches zusätzlich auch noch der Neffe eines Aufsichtsratsvorsitzenden des Unternehmens war. Malek war tief enttäuscht und zornig. Wütend saß er in seinem Bürostuhl und haderte mit dem Schicksal. Die Indianerin erschien. Malek brüllte los: "Hau bloß ab, schlaue Sprüche sind das letzte, was ich jetzt noch gebrauchen kann!" Die Indianerin lächelte ihn liebevoll an. Die Tür öffnete sich. Maleks Sekretärin schaute um die Ecke. "Herr Malek, alles klar? Geht es Ihnen gut?" Malek war beschämt. "Jaja, sagen Sie mir nur, ich bin doch alleine hier im Büro oder sehen sie sonst noch jemand?" Seine Sekretärin steckte den Kopf ganz durch die Tür, schaute sich erstaunt um und antwortete. "Also außer Ihnen ist hier niemand." Malek sackte in sich zusammen. "Geht es Ihnen gut?" fragte seine Sekretärin erneut.
"Ja, schon okay“, antwortete Malek, "bin wohl etwas überarbeitet."
"Warum kommt ihr nur zu mir und nicht zu allen Menschen?" fragte er die rothäutige Frau, die ihm immer noch lächelnd gegenüber saß, nachdem hinter seiner Mitarbeiterin die Tür zufiel. Immerhin war jetzt klar, dass nur er die Spukgestalten sah. Die Frau blinzelte ihm zu und begann zu reden: "Malek, wir kreuzen die Wege der Menschen ein Leben lang, da Gott jedem Menschen jeden Tag neu beginnen lässt. Nur die Wege jedes Menschen sind anders, genauso wie die Wege Gottes, ihn für das Paradies zu gewinnen, von Mensch zu Mensch unterschiedlich und vielfältig sind. Höre, was Jesus sagt: Wehre dich nicht, wenn dir jemand übel mitspielt. Sondern wenn dir einer einen Schlag auf die rechte Wange gibt, halte ihm auch noch die linke hin. Und wenn dich einer berauben will und dir gewaltsam dein Hemd abnimmt, dann gib ihm auch noch deinen Mantel. Und wenn dich jemand zwingt, etwas für ihn einen Kilometer zu tragen, dann geh zwei mit ihm.
Wenn einer etwas von dir haben will, dann gib es ihm, und wende dich nicht ab von dem, der etwas von dir leihen will. Begegne deinen Feinden in echter Liebe und bete für die, die dich verfolgen. Wenn du das tust, dann erweist du dich als Kind deines Vaters, der im Himmel ist. Denn so handelt Gott, der Schöpfer auch. Er lässt seine Sonne aufgehen über allen Menschen, den Bösen und den Guten. Allen sendet er seinen Regen, den Gerechten und den Ungerechten. Wenn du aber nur denen mit Liebe begegnest, die dich lieben, was ist denn daran Besonderes? Tun das nicht auch Menschen, deren ganzes Streben sich auf Betrug und Geldvermehrung richtet? Und wenn du nur die besonders freundlich behandelst, die zu deiner Familie gehören, inwiefern unterscheidest du dich dann von den anderen? Das machen doch alle, auch die nicht zu Gottes Volk gehören! Du sollst dich aber ganz anders verhalten. In allem, was du tust, sollst du deinen Vater im Himmel widerspiegeln. Er ist vollkommen gerecht und wendet sich allen Menschen zu." Plopp und weg war sie. Malek war weich gekocht, auch wenn es ihn immer noch furchtbar ärgerte, dass ihm ausgerechnet diese Pute, die Personalchefin, mit unterschwelliger Arroganz seine Nichtberücksichtigung bei der Beförderung mitgeteilt hatte. Jeder im Unternehmen wusste, dass sie in jungen Jahren die persönliche Mätresse des Unternehmensleiters gewesen war, was ihr beruflich einen steilen Aufstieg sicherte. Heute ließ sie die hochnäsige, über allen Dingen stehende Personalmanagerin heraushängen. Die hatte es gerade nötig. "Malek, Malek, du bist ein zäher Brocken“, hörte er von einer ihm wieder einmal plötzlich gegenüber sitzenden attraktiven brünetten Frau, "eines Tages brachten die Pharisäer und Theologen eine Frau zu Jesus, die sie gerade beim Ehebruch ertappt hatten. Sie stellten sie in die Mitte und sagten zu Jesus: Lehrer, diese Frau ist soeben beim Ehebruch erwischt worden. Mose hat uns im Gesetzbuch das Gebot gegeben, solche Frauen durch die Steinigung zu töten. Und, was sagst du dazu? Das sagten sie, um Jesus in eine Falle zu locken. Denn sie wollten einen Grund finden, um ihn anklagen zu können. Jesus aber bückte sich nieder und schrieb etwas mit dem Finger auf die Erde. Doch sie stürmten weiter mit Fragen auf ihn ein. Da sagte Jesus zu ihnen: Der von euch, der noch nie etwas Falsches getan hat, etwas, was gegen Gottes Gesetz ist, der soll als Erster einen Stein auf sie werfen! Dann bückte er sich wieder und schrieb etwas auf den Boden. Als sie das gehört hatten, gingen sie einer nach dem anderen fort. Dabei  entfernten sich die Ältesten zuerst. So blieb die Frau schließlich allein in der Mitte übrig. Da richtete Jesus sich wieder auf und sagte zu ihr: Frau, wo sind sie alle? Hat keiner das Urteil an dir vollstreckt? Sie antwortete: Keiner Herr! Da sagte Jesus zu ihr: So verurteile ich dich auch nicht. Geh  nach Hause und lebe von nun nicht mehr gegen Gottes Willen. Malek, glaube mir, du kannst nichts tun, um mehr von Gott geliebt zu werden und nichts um weniger von Gott geliebt zu werden. Jeder bekommt immer wieder seine Chance bis zu seinem Tod". Malek war wieder allein und als analytisch denkender Mensch beeindruckt von der Weisheit in dem gerade Gehörten. Er hatte erkannt, dass er wohl eher ein Leben auf  Seiten der Pharisäer führte. 
Nachdenklich stand er auf, begab sich in das Büro seines Widersachers um ihm zum Aufstieg zu gratulieren...Erste Wirkungen der Gehirnwäsche, dachte er auf dem Weg dorthin. Als Malek heimkam erwartete seine Frau ihn bereits im Wohnzimmer und begrüßte ihn mit der nächsten Hiobsbotschaft: "Eine Dame hat angerufen. Ich soll dir mitteilen, dass du die Dinge, die du bei ihr deponiert hast, beim Hausmeister abholen kannst. Sie möchte dir nicht mehr begegnen. Ich werde vorerst für den Rest der Sommerferien zu meiner Mutter zurückkehren.
Die Kinder sind bereits bei ihr, sie ahnen noch nichts, aber da ja noch Ferien sind und im großen Haus meiner Mutter  genug Platz für uns vier ist, haben sie es als ganz normalen Besuch bei ihr registriert. Wenn wir uns einig sind wie es weiter geht, sollten wir gemeinsam mit ihnen reden. Dir rate ich, dein Leben zu überdenken, denn für uns findest du ja schon lange nicht mehr als Mann und Vater statt. Ich bin tief gekränkt, dass du einer anderen Frau das gegeben hast, was du mir vorenthältst. Ich werde darüber nachdenken und dich zu gegebener Zeit über meine Schritte unterrichten." Nach diesen Worten erhob sie sich, warf Malek einen traurigen Blick zu und verließ das Haus. Maleks Leben geriet langsam aber sicher völlig aus den Fugen. Wer Sorgen hat, hat auch Schnaps im Haus, dachte Malek. Er würde sich heute Abend richtig die Kante geben. Sein letzter verbliebener Gegenüber, der Fernseher, lief. Eine Talkshow, in der die ehemalige Nachrichtensprecherin, die schon von der Boulevardpresse auseinander genommen worden war, von einem Talkmaster, der jede Unvoreingenommenheit beiseite ließ, völlig demontiert wurde. Es ging um ein Technofestival im Stile von Woodstock. Ein Vertreter einer der beiden großen christlichen Kirchen war ebenfalls in der Talkrunde anwesend und pries den Aspekt, dass dort junge fröhliche Menschen zu einer unbeschwerten, friedvollen Feier zusammengekommen seien, um miteinander Spaß zu haben. Die Hauptakteurin in dieser öffentlichen medialen Hinrichtung befragte ihn daraufhin, in welcher Welt er eigentlich lebe. Er, der die Botschaft Gottes zu den Menschen bringen solle. Die Loveparty, wie sie hieß, war eine einzige Orgie. Massen von Alkohol flossen, Drogen aller Art wurden konsumiert und an jeder Ecke, wild durcheinander kopulierende  Paare jeglicher Zusammenstellung. Bei der letzten Loveparty war nachweislich mitten in der Menge ein Pornofilm gedreht worden. Wie blind müsse er als hoher Vertreter der Christen sein, um jenes Sodom und Gomorrha nicht erkannt oder völlig ausgeblendet zu haben. Malek dachte bei sich, dass er in dem Alter auch gerne an so einer Party  teilgenommen hätte. Ihm war letztendlich nur noch ein Vergnügen übrig geblieben, der Alkohol. Nachdem der Talkmaster die nicht stromlinienförmige Dame unter tosendem Applaus des Studios verwiesen hatte, schaltet Malek den Fernseher aus. Mit einem Riesenkater stieg er am nächsten Morgen in den Fahrstuhl. Offermann stand schon darin.
"Na, Herr Malek, war wohl eine harte Nacht, so wie Sie aussehen?" fragte er. Malek starrte ihn aus blutunterlaufenen Augen an. "Wüsste nicht, was Sie das angeht“," antwortete Malek abweisend. "Ich weiß, was Ihnen helfen würde“," erwiderte Offermann daraufhin. "Ich brauche keine Hilfe“, tönte es von Malek.
Der Fahrstuhl hielt, Offermann stieg aus, drehte sich kurz um und sagte:" Malek, egal was schief läuft, Jesus liebt dich und hat immer eine Lösung für dich."
Die Tür schloss sich, Malek war allein. Jesus liebt dich? Hatte Jesus soviel Mist am Hals wie er und wie sollte ihm jemand helfen, über den vor fast zweitausend Jahren ein Märchenbuch geschrieben worden war? "Wahres Glück haben alle, die am Ende sind. Denn sie werden erleben, Gott lässt sie nicht allein."
Malek schaute auf die kleine türkisch aussehende Frau, die wie von Zauberhand mit im Fahrstuhl stand und diese Worte von sich gegeben hatte. Dabei war ihr Gesicht in Sekunden von dem eines Neugeborenen in das einer Greisin und zurück über alle Lebensaltersstufen hin und hergewechselt. Malek war verblüfft und beeindruckt, aber auch schon wieder allein, bevor er etwas antworten konnte. In seinem Büro angekommen, schrieb er alles, was er von den Geistwesen bisher an Ratschlägen bekommen hatte, fein säuberlich in seinen Taschenkalender, denn heute hatte er den Termin beim Psychologen. "Klare Sache, alles was Sie mir vorlesen sind Zitate aus der Bibel“, sagte der Fachmann zu Malek, als dieser ihm ausführlich über seine sonderbaren Erscheinungen berichtete. "Die christliche Mutter, eine christliche Erziehung, in der Mitte des Lebens entpackt der Speicher des Unterbewusstseins seinen Seelenmüll, um es mit einfachen Worten, für den Laien verständlich, zu beschreiben. Ich verschreibe Ihnen Neuroleptika und Sie werden sehen, wie schnell der Spuk vorbei ist." Der Seelenklempner drückte Maleks Hand und öffnete ihm die Tür.
"Alle Gute, Herr Malek, machen Sie noch einen neuen Termin mit meiner Sekretärin, wir sehen uns."
Trotz des frühen Vormittags verspürte Malek keine Lust mehr, heute noch seinen Arbeitsplatz aufzusuchen.
Er setzte sich auf eine Parkbank. Mit dem verschriebenen Medikament in der Tasche und der Aussicht wieder ganz normal zu werden, zeichnete sich nach Wochen einmal wieder ein kleiner Lichtstreifen am Horizont ab. Malek holte den Taschenkalender heraus und las sich in Ruhe seine Aufzeichnungen durch. Wenn das Worte aus der Bibel waren, passten sie eigentlich noch sehr gut in die heutige Zeit, von wegen antiquiert, überlegte er. Doch die Aussagen der Bibel standen im krassen Widerspruch zum heutigen Zeitgeist, deshalb wollte das vielleicht niemand hören. Bei Licht betrachtet jedoch, fand Malek, schien Jesus revolutionärer als jeder Che Guevara der Neuzeit zu sein. Er tat nicht, was alle taten, sondern schwamm gegen den Strom. Wer traute sich das heute schon?  Ein wenig bei der Steuer schummeln, ein wenig lügen, ein wenig seinen Vorteil  suchen, das machte  doch jeder. Warum nahmen diese Wesen ausgerechnet ihn aufs Korn. Beim nächsten Mal würde er fragen, es sei denn, die Medikamente befreiten ihn von seinen Verfolgern, was Malek hoffte, aber nicht recht glaubte. Vor drei Wochen war Malek mit seinem Sohn zu einem Auswärtsspiel von dessen Fußballmannschaft mitgefahren. Einige der seltenen Stunden, in denen Malek etwas mit einem Mitglied seiner Familie unternahm. Hätte er geahnt, wie groß sein Ärger hinterher war, wäre er erst gar nicht mitgefahren. Kurz vor Ende der Partie führt das Team seines Sohnes mit 1:0 und sah wie der sichere Sieger aus. In der letzten Minute überrannte ein gegnerischer Stürmer jedoch die Abwehr und gab einen knallharten Schuss ab. Dieser knallte innen im Tor gegen das Gestänge, über welches das Netz gespannt war. Fast alle hatten dieses tolle Tor gesehen, außer dem Schiedsrichter. Dieser war der Ansicht, der Ball sei von der Torlatte auf das Spielfeld zurückgeprallt. Die gegnerischen Spieler, der Trainer und die heimischen Zuschauer protestierten vehement, doch der Schiedsrichter blieb bei seiner Entscheidung. Da gab der Trainer seines Sohnes dem Schiedsrichter ein Zeichen und erklärte ihm, dass der Ball einwandfrei im Tor gewesen sei. Von soviel Ehrlichkeit ließ der Schiri sich überzeugen und gab das Tor. Das Spiel endete 1:1. Die Entrüstung der mitgefahrenen Eltern war riesig. Sie schimpften lauthals auf den Trainer ihrer Kinder, da dieser nach ihrer Meinung, der sich auch Malek anschloss, sein Team "verraten" habe. Was wurde dadurch den Kindern suggeriert, überlegte Malek. Zum Ersten, der Ehrliche ist der Dumme und zum Zweiten, lieber lügen als Nachteile in Kauf nehmen. Auch Malek hatte sich furchtbar aufgeregt, doch wenn er das jetzt rückblickend betrachtete, hätte der Trainer seines Sohnes als leuchtendes Beispiel für "Fair Play" in einer Zeit des Egoismus auszeichnet werden müssen. Ein ungewohnt nachdenklicher Malek stand auf und spazierte ziellos durch die Stadt. Irgendwann kam er beim Bahnhof an. Die Bahnhöfe dieser Welt schienen eine magische Anziehungskraft auf Menschen auszuüben, welche gestrauchelt oder im Begriff zu straucheln waren, dachte Malek, als er es sich mit einem großen Bier an der Theke der Bahnhofskneipe bequem machte. Malek erblickte durch das Fenster eine Gruppe Obdachloser, welche die Weinflasche kreisen ließen. Um diese Zeit schon Alkohol zu trinken, da musste man schon ganz schön unten sein, ging Malek durch den Kopf. Dann starrte er auf sein vor ihm stehendes Bierglas und wurde sich seiner inkonsequenten Gedanken bewusst. Angeekelt über sich selbst schob er das Glas zur Seite. Ein ICE raste durch Gleis zwei. Ein Sprung und er hätte alles  ausgestanden. Malek erschrak über seine Gedanken. Wohl doch die Midlife-Crisis, mutmaßte er, zahlte, verließ die Bahnhofskneipe und setzte sich wieder  im Stadtpark auf eine Bank. Ein Mann mittleren Alters tapste schwerfällig auf die Bank zu. Beim Näherkommen erkannte Malek, dass es sich um einen Menschen mit Down-Syndrom handelte. "Bist Du ein lieber Mann"? eröffnete dieser sofort das Gespräch. "Nicht immer," antwortete Malek. "Aber jetzt gerade?" ließ sich der Fragesteller nicht beirren. "Jetzt gerade, ja!"
Malek ließ sich auf das Spiel ein. "Kannst Du mir helfen, ich habe mich verlaufen!" fragte der gehandycapte Mensch Malek.
Da Malek einfach nur seine Ruhe haben wollte, strafte er seine eigenen Worte Lügen und erwiderte: " Hier stehen zwanzig Bänke, auf denen mindestens zehn Leute sitzen. Frag jemand anderen, ich habe keine Zeit."
Kaum hatte er die harschen Worte ausgesprochen ahnte Malek bereits, dass in der nächsten Sekunde einer seiner moralischen Lehrmeister in Erscheinung treten würde. So war es. Ein Indio stand plötzlich neben der Bank und schüttelte den Kopf. "Malek, Malek“, begann er, "achte darauf, dass Du nicht verächtlich auf eines dieser kleinen Menschenwesen herabschaust. Denn ich sage deutlich: Ihre Engel dort oben im Himmel sind in ständiger Verbindung mit dem Vater, der über allem thront. Es wird ein Gericht über die Menschen kommen und diejenigen, die dem Hungernden zu essen gaben, den Durstenden zu trinken, die heimatlose Ausländer aufnahmen, die dem Entblößten Kleidung und Schutz gaben, den Kranken besuchten und den Eingesperrten neue Hoffnung brachten werden reich entlohnt.
Du sollst den Herrn, deinem Gott, deine ganze Liebe schenken. Das betrifft dein ganzes Herz, deine ganze Seele und deine gesamte Verstandeskraft. Das ist das wichtigste Gebot. Das zweite aber ist genauso wichtig. Du sollst deinen Mitmenschen lieben, wie Du dich selbst liebst." Malek war mit dem Behinderten wieder allein. Wie sehr liebte er sich selbst? Eher zu sehr, dachte Malek mit dem Blick auf seine bisherige egoistische Lebensführung. Malek wusste, wo sich die Werkstatt befand, da er beruflich schon einmal dort gewesen war. Er stand auf, um seinem neuen Bekannten zu helfen, der auf die Abfuhr von Malek gar nicht reagiert hatte. Im Gegenteil, er ergriff sogar, ohne nachtragend zu sein, Maleks Hand. So machte sich ein eigenartiges Gespann Hand in Hand auf den Weg zu den Werkstätten, in denen Frank, so hieß Maleks Begleiter, wie er herausgefunden hatte, schon vermisst wurde. Als Malek die Werkstatt verließ, nachdem ihn Frank herzlich und dankbar umarmte, fragte sich Malek, ob eine derartige Einrichtung wirtschaftlich arbeiten konnte.
Im Bereich des Ausgangs fiel sein Blick auf ein eingerahmtes Bild, auf dem die gesamte Belegschaft der Werkstatt zu sehen war. Unter dem Bild befand sich ein Text. Malek las: Die Geschichte von: So bin ich.
Als So bin ich geboren wurde,  war er, wie Gott ihn meinte. So bin ich war ein Wunder, individuell wie alle Menschen.
So bin ich verstand manches nicht so schnell wie seine Schwestern und Brüder, manchmal verstand er etwas auch gar nicht. Vieles aber verstand er besser - mit dem Herzen. So bin ich stellte sich den Aufgaben, die ihn nicht überforderten. Er erledigte sie nur etwas langsamer, aber genauso sorgsam wie jeder andere Sorgfältige. Ab und zu war er etwas unbeholfen, doch er gab immer sein Bestes. Viele starrten So bin ich an, weil er fremd aussah, manche bemitleideten ihn, manche machten ihn lächerlich, manche mieden ihn. So bin ich verunsicherte die Menschen. Er erschütterte ihre Wertvorstellungen. Oft übersah man ihn einfach. So bin ich war anders als verschiedene Normale. So bin ich war normaler als verschiedene Andere. Aber auch sonst besaß So bin ich alles für ein Leben unter seinen Brüdern und Schwestern, außer: Karrieredenken, Machtanspruch, Leistungsorientierung, Jagd nach Ruhm und Geld. Manche fanden es unmöglich, dass So bin ich "in der heutigen Zeit mit ihren diagnostischen Möglichkeiten" überhaupt das Licht der Welt erblickt hatte. Einige schafften es sogar per Gerichtsbeschluss, So bin ich als Schadensfall mit Schmerzensgeldforderungen zu definieren, weil der das Wachsen begleitende Arzt den Schaden nicht schon im Mutterleib erkannte und das Selektieren nicht vorschlug. So bin ich entsprach nicht der langweiligen Norm. Er war anders begabt. So bin ich schenkte jedem ein ehrliches Lächeln  und eine herzliche Umarmung. Manchmal fand So bin ich Verständnis bei So wurde ich. Vielleicht lag das Ausgrenzen von So bin ich daran, dass die großen So sind sie, den kleinen So werden sie immer weniger das wahre Menschsein lehren. Eines Tages wird eine kalte Welt den Namen von So bin ich vergessen haben. Nur in Gottes Buch des Lebens, da steht er: Unauslöschlich, fettgedruckt!
Nette Geschichte, dachte Malek, aber niemand wollte wohl ernsthaft eine hart arbeitende, gut verdienende Spitzenkraft wie ihn mit den Menschen in dieser Einrichtung auf eine Stufe stellen. Er drehte die großen Räder und seine Arbeit hatte erheblich größeren volkswirtschaftlichen Nutzen als diese Hilfsarbeiten. Malek war stolz, dass er mit seinen eigenen großen Problemen noch zu soviel Nächstenliebe fähig war und Frank wieder unbeschadet abgeliefert hatte. Doch selbst, wenn an der Sache mit Jesus etwas war, so lagen doch 42 Jahre hinter ihm, in denen ihn Jesus nicht interessierte. In den restlichen Jahren, die ihm noch blieben, konnte er die verlorene Zeit sowieso nicht mehr aufholen, das hätte er am liebsten auch seinen immer wieder auftauchenden Mahnern gesagt.  "Malek, höre zu: Die neue Wirklichkeit, die Gott in die Welt hineinbringt, ist wie mit dem Mann, dem ein großes Weingut gehörte. Er ging am Morgen aus dem Haus, um Hilfskräfte für seinen Weinberg anzuheuern. Er verabredete achtzig Euro als Tageslohn und schickte sie dann zur Ernte. Um neun Uhr ging er noch einmal los und fand andere Arbeitslose. Denen sagte er: Geht auch ihr in den Weinberg. Ich werde euch geben, was angemessen ist. Als die gegangen waren, suchte er noch einmal Hilfskräfte um zwölf Uhr und um drei Uhr nachmittags. Selbst um fünf Uhr nachmittags heuerte er noch ein letztes Mal Hilfskräfte an. Als es Abend wurde, wies der Besitzer den Vorarbeiter an: Ruf die Leute zusammen und zahle allen ihren Lohn aus. Fange bei den zuletzt gekommenen an und gehe zurück bis zu den Ersten. Da kamen die, die seit fünf Uhr im Einsatz waren und erhielten jeder achtzig Euro. Als dann die an die Reihe kamen, die als Erste mit der Arbeit begonnen hatten, dachten sie, dass sie mehr erhalten würden. Auch sie bekamen jeder nur achtzig Euro. Da beschwerten sie sich beim Besitzer und sagten: Du hast die, die als Letzte gekommen sind und nur eine Stunde gearbeitet haben, genauso behandelt wie uns. Aber wir haben den ganzen Tag hart gearbeitet und in der Hitze geschuftet. Aber er gab zur Antwort: Freunde, ich tue euch kein Unrecht. Haben wir nicht achtzig Euro vereinbart? Nehmt das, was euch gehört und geht nach Hause. Ich will den Letzten dasselbe geben wie euch. Ist es nicht mein Recht, mit dem, was mir gehört, zu tun, was ich will. Oder seit ihr nur sauer und neidisch, weil ich großzügig bin? Genauso werden die Letzten die Ersten sein und die Ersten die Letzten." Die alte grauhaarige Frau schaute ihn kurz zärtlich an und war verschwunden. Malek, der finanziell unabhängig war, machte sich auf den Weg zum Geldautomaten und hob 500 Euro ab. Er hatte plötzlich das dringende Bedürfnis irgendjemandem etwas Gutes zu tun. Einem Obdachlosen, der auf einer Decke saß, vor sich ein Schild mit der Bitte um eine Spende gegen den Hunger, legte er 50 Euro in den Hut. Ein junges Mädchen, dem er im Vorbeigehen 50 Euro in die Hand drücken wollte, fauchte ihn an: "Ey Opa, für was hältst du mich, nimm dein Geld und verschwinde, bevor ich die Polizei hole!" Weg war sie. Auch dem Obdachlosen, dem Malek später noch einmal begegnete, hatte das Geld nicht wirklich geholfen. Sturzbetrunken lag er mitten in der Einkaufsstraße. Ein vorbeieilender Passant, der den Rettungsdienst benachrichtigte, wurde somit zum Lebensretter, da der Clochard sich dermaßen betrunken hatte, dass er eine Alkoholvergiftung erlitt. Selbst das vermeintlich Gute mutierte in Maleks Leben derzeit ins Gegenteil. Gott, wenn du es bist, was möchtest du von mir, dachte Malek erneut, als er zu Hause in seinem Sessel saß. Er fühlte sich sehr einsam ohne Frau und Kinder, denen er ein Versorger, aber selten ein Mann und  Vater gewesen war, wie er erkannte. Plötzlich sprang der Fernseher von alleine an. Ein fröhliches kleines Mädchen lief mit einem Drachen im Schlepptau über eine bunte Wiese. Dieses Kind trug eindeutig die Gesichtszüge von Maleks Frau. In der nächsten Szene sah man das bezaubernde Geschöpf angestrengt, mit der Zunge zwischen den Lippen, bei den Hausaufgaben, dann  wechselte das Bild auf den Fußballplatz und das Mädchen stürmte mit dem Ball am Fuß über den Rasen. Nach der letzten Szene unter dem Tannenbaum leuchtete der Satz "Du sollst nicht töten" auf dem Bildschirm auf, bevor er wieder schwarz wurde. Gequält stöhnte Malek auf. Sie waren damals jung gewesen, er und seine Frau. Die ungezügelte Lust hatte sie im Griff gehabt. Dann war seine damalige Freundin und heutige Frau schwanger geworden und das Kind hätte beiden die großartigen Zukunftsaussichten verbaut.  Malek hatte seine Frau überredet, das Kind abzutreiben. Der Beratungsschein, der als Freibrief zur Abtreibung diente, war problemlos zu bekommen. Das war der erste Riss in ihrer Beziehung gewesen, denn das ungeborene Kind stand seitdem als drohende schwarze Wolke für ihre Beziehung über ihnen. "Aber es war doch nur ein Zellklumpen“,  gab Malek stöhnend von sich.
Er haderte und fragte Gott erneut: Warum ich? Eine Antwort erwartete  er eigentlich nicht, denn er hatte die Medikamente gegen seine Wahnvorstellungen eingeworfen. Völlig erstaunt starrte er deshalb auf sein Gegenüber, einen glatzköpfigen Chinesen. "Malek“, begann dieser zu reden, "Das was du eben gesehen hast, wäre aus dem Zellklumpen geworden. Doch die Menschen sprechen sich selbst von der Schuld frei, einen werdenden Menschen getötet zu haben. Um zehn Bäume vor dem Fällen zu retten, gehen hunderttausend auf die Straße. Um gegen das Ermorden ungeborener Kinder zu demonstrieren machen sich vielleicht tausend Aufrechte auf den Weg, die von allen Seiten angefeindet werden. Was der Mensch nicht sieht oder sehen will, das blendet er aus. Die Bäume sind mächtig und für alle sichtbar. Der Mord an den Ungeborenen findet hinter Klinikmauern und in Arztpraxen statt und niemand hört die stummen Schreie der Embryos. Nur durch Jesus werdet ihr über dieser Schuld Ruhe finden. Warum du? Diese Frage ist falsch. Gott begleitet jeden Menschen, nicht nur dich, in der Hoffnung, dass er die Rettung durch Jesus Christus begreift und ergreift. So unglaublich es erscheint, er kennt jeden der sechseinhalb Milliarden Menschen dieser Erde. Wenn einer hundert Schafe besitzt und eins davon geht verloren, lässt er nicht die neunundneunzig dort oben im Bergland allein und läuft los das eine zu suchen, das er verloren hat?  Und wenn er es dann findet, das ist doch wohl die Wahrheit, freut er sich mehr als über die neunundneunzig, die nicht verloren waren. So ist es bei Gott, deinem Vater. Er, der über alles herrscht, will nicht, dass auch nur ein einziges seiner kleinen Kinder verloren geht." Malek war wieder allein. Okay, Auszeit. Gleich morgen würde er den restlichen Urlaub beantragen und eine Woche an die See fahren, um sich über sein weiteres Leben Gedanken zu machen. Ihm war nun klar, dass er nicht psychisch krank war.Die Medikamente spülte er die Toilette hinunter. Maleks Geist wurde plötzlich weit. In hundertfünfzig Jahren lebte höchstwahrscheinlich nicht ein einziger der derzeit auf der Erde weilenden Menschen mehr. War das alles, was das Leben zu bieten hatte? 
Am nächsten morgen fand er einen Umschlag von Offermann auf seinem Schreibtisch. Darin befand sich eine CD. 6000 Punkte für den Himmel. Anschauen, nachdenken, umkehren, liebe Grüße, hatte Offermann dazugeschrieben.
Malek hatte am Vorabend über das Internet eine Woche Sylt gebucht und heute kurzfristig seinen Urlaub eingereicht.
Dem Chef erzählte er, dass er ausgebrannt sei und dringend eine Pause brauche. Dieser hatte widerwillig zugestimmt, denn Malek hatte einige große Fische an der Leine, die Schmidt nun fangen musste, den der Chef nicht annähernd so brillant beurteilte. Aber ein ausgebrannter Malek nutzt wenig. Mit dem Vorsatz, im Urlaub richtig die Puppen tanzen zu lassen, um auf andere Gedanken zu kommen, verließ Malek pfeifend das Haus. Die konnten ihn alle mal, diese plötzlich erscheinenden Spaßbremsen. Den Koffer hatte Malek bereits am Vorabend gepackt. Er wuchtete ihn auf den Rücksitz und macht sich auf den Weg zum Bahnhof. Dort parkte er den Wagen im Parkhaus. Malek nutzte den Service, sein Fahrzeug bis zur Rückkehr am Sonntag hier parken zu können. Vor der Abfahrt zu Hause hatte er noch bei seiner Schwiegermutter angerufen, um mit seiner Frau zu sprechen, doch die machte einen Tagesausflug mit den Kindern. Er hatte für den Notfall seine Urlaubsadresse angegeben. Des Weiteren besaß seine Frau ja auch seine Handynummer. Jetzt wollte sich Malek schnell noch sein Ticket aus dem Automaten ziehen. In zwanzig Minuten fuhr sein Zug. Malek rutsche mit seinen dicken Fingern auf die falsche Taste und musste alle Angaben noch einmal tätigen. Diesmal klappte es. Es piepte, knarrzte, brummte, dann erschien in großen Lettern: Außer Betrieb! Noch zehn Minuten bis zur Abfahrt. Malek rannte zum Bahnschalter und fluchte, eine Riesenschlange! Als er endlich an die Reihe kam, war Maleks Zug weg. Malek ließ sich eine neue Verbindung nebst dazugehörigem Reiseplan geben. Dann setzte er sich in die Wartehalle, da er eine Stunde Zeit hatte. Nicht lange, da gesellten sich zwei junge Männer zu ihm. Aus dem Handy dröhnte laute Musik, ein Rap, wie Malek registrierte.
Brabbel, brabbel, nuschel, nuschel, böse Welt und fuck, brabbel, wehr dich und fuck, böse Eltern und fuck, böse Lehrer und fuck, brabbel brabbel und Sex und Alkohol und auf die Fresse und Fuck. Malek war total genervt. Die mit den Genen von Lamas ausgestatteten Ghettokidsduplikate spuckten alle zwanzig Sekunden im Wechsel auf den Boden. Malek kam fast die Galle hoch. Auch die Farbe ihrer Unterhosen stellten sie bereitwillig der Öffentlichkeit vor, da sie die Jeans fast in den Kniekehlen hängen hatten. Was war es, das so viele junge Menschen so nach Aufmerksamkeit und Anerkennung schreien ließ, dass sie bereit waren, jeder unsinnigen Strömung zu folgen? Eine Welt voller Lemminge, die von den Medien gelebt werden, wie traurig dachte Malek und entfernte sich Richtung Kaffeeautomat. Er kramte das letzte Kleingeld aus dem Portemonnaie, drückte die entsprechende Taste und wartete. Es rasselte, dann prasselte der Kaffee in das Auffangbecken, da kein Becher mitgekommen war. Der Strahl war so stark, dass der Kaffee nach außen spritzte, direkt auf die helle Freizeithose von Malek, dem klar war, dass es nichts mit Kaffeegenuss werden würde. Genau in der Höhe, in der Inkontinenz seine sichtbaren Zeichen hinterließ, wenn man denn daran litt, breitet sich ein hässlicher brauner Fleck aus. So konnte er unmöglich herumlaufen. Er schaute auf die Uhr. Noch fünfundzwanzig Minuten Zeit. Malek machte sich auf, eine Toilette zu suchen. Dort würde er sich umziehen, denn er hatte ja noch genügend Kleidung im Koffer. Als Malek endlich die Toilette fand, blieben noch fünfzehn Minuten Zeit bis der Zug Richtung Hannover startete. Malek schloss ab und begann sich zügig  umzuziehen. Er wählte eine Jeanshose und verstaute die beschmutzte Hose in einer Plastiktragetasche. Malek schloss den Koffer und wollte die Toilette verlassen, denn langsam wurde es Zeit. Er ergriff den Hebel und wollte aufschließen. Der rührte sich nicht. Malek drückte und drehte, nichts geschah. Hallo, rief er, doch ohne Echo. Verzweifelt schaute er auf die Uhr. In sechs Minuten fuhr der Zug. Malek sprang hoch, ergriff die Türkante mit beiden Händen und zog sich unter Stöhnen nach oben, dann warf er sein linkes Bein über die Kante, gefolgt vom rechten und ließ sich dann vor der Toilettentür zu Boden plumpsen. Geschafft, Malek und Probleme lösen waren Zwillinge, dachte er stolz. Dieser Stolz verging ihm rasch. Malek war draußen, der Koffer war drinnen. Schnell versuchte er den umgekehrten Weg des Ausstiegs, doch zu langsam. Als er mit hochrotem Kopf die Treppe hoch raste und den Bahnsteig erreichte, sah er gerade noch die Schlusslichter des Zuges um die Ecke verschwinden. Maleks Hals war völlig trocken. Er kramte sein Kleingeld heraus und wollte sich ein kühles Getränk aus dem Automaten ziehen. Dieser schluckte das Geld, lieferte aber keine Gegenleistung. Fassungslos starrte Malek auf das seelenlose Gerät. Dann brach sich der ganze Frust dieses Tages Bahn. Malek trat und hämmerte vor den Automaten und beschimpfte diesen mit unflätigen Worten, die hier auf Grund des Jugendschutzes nicht wiedergegeben werden sollen. Ein Gleis weiter beobachteten diese Aktion zwei Bundespolizisten, die Malek erst einmal mit auf die Wache nahmen. Dort musste er seine Taschen leeren.
Der Terminzettel mit dem nächsten Termin beim Psychiater lag anklagend  auf  dem Schreibtisch. Doch Malek durfte ausgiebig den Grund für sein Ausrasten erklären. Als man ihn endlich mitsamt Koffer und einigen Ermahnungen wieder in die Freiheit entließ, war es zu spät, die Urlaubsreise noch anzutreten. Malek wollte gar nicht darüber nachdenken, wer dafür gesorgt hatte, dass er nicht eine Woche in Saus und Braus urlaubte, denn irgendwie ahnte er die Antwort. Er gab die Karte am Schalter zurück und machte sich auf den Heimweg. Dort angekommen stornierte er telefonisch bei einer mürrisch reagierenden Dame den Urlaubsaufenthalt. Was war nur mit seinem Leben geschehen. Nichts klappte mehr, alles schien ihn in eine ihm nicht geheure Richtung ziehen zu wollen. Auf der Fahrt zurück zu seiner Wohnung gesellte sich zu Malek wieder einer seiner unheimlichen Begleiter.  "Malek, ärgere dich nicht," begann er das Gespräch, "du bist bestens versorgt, hungerst nicht, leidest keinen Durst, hast ein Dach über dem Kopf und ein geregeltes Einkommen, besitzt zwei Autos, fährst mindestens einmal im Jahr in Urlaub, bist verkabelt, vernetzt, hast das Ohr am Puls der Zeit. Alles ist selbstverständlich. Schau einmal über den Tellerrand hinaus. Trotz allem kommst du nie zur Ruhe. Immer auf der Suche nach dem nächsten Kick, der eine neue Leere hinterlässt. Woher kommt dieses Gefühl der Leere, welches nach jedem Höhepunkt bleibt? Warum sind die Menschen außen braungebrannt, dynamisch und fit, innen aber leer, bleich und rastlos? Höre Malek, unter allen Geräuschen der Welt liegt eine Melodie von unglaublicher Schönheit, die nur der hört, der einmal alles ausschaltet und die Antenne auf Gott ausrichtet. Jedes Gebet zu Gott ist eine Option auf Zufriedenheit und wird die Wirkung zeigen, die Gott ihm beimisst. Vergiss deine Seele nicht. Einer jeden ist die Sehnsucht nach wahrem Frieden, Gerechtigkeit und Liebe inne. Ärgere dich nicht über die belanglosen Dinge, die dir heute geschehen sind. Welch ein Wunder und welch eine Freude ist dieses Leben für den, der mit offenen Augen durch die Welt geht. Freue dich an Gottes großer Schöpfung. Zehn Minuten den Vögeln beim Sonnenaufgang zuzuhören erzählt dir mehr vom Leben und von Gott als alle Talkshows oder abstumpfenden Unterhaltungssendungen der schönen neuen Medienwelt. Der große Lottogewinn, der berufliche Erfolg, der erste Platz schenkt dir nicht eine Minute mehr an Lebenszeit. Doch du kannst unauslöschliche Spuren der Liebe hinterlassen, wie sie Jesus uns gepredigt hat. Spuren der Rücksicht, der Zärtlichkeit, der Vergebung, der Nähe, der Hilfe, bringen letztendlich mehr Zufriedenheit in dein Leben, als toten Dingen nachzujagen. Dann lernst du das Leben zu begreifen und zu akzeptieren. Du brauchst nicht mehr für deinen Status zu kämpfen, weil es dir egal ist was die Menschen darüber denken. Auch der Tod verliert seinen Schrecken und behindert dein Leben nicht durch seine Angst einflößende Gegenwart. Wie viel Freude könntest du in die Welt bringen, Malek." Malek hatte still den Ausführungen seines Mitfahrers gelauscht und ließ sie nun auf sich wirken. Erschöpft kam er zu Hause an. 
Auf dem Tisch lag Offermanns Film. Malek legte ihn in den DVD-Player. Ein Mann saß in einem Büro im Himmel vor einem himmlischen Sachbearbeiter und verlangte Einlass ins Paradies. Das ging aber nur mit 6000 Punkten auf der himmlischen Skala. Der Einlass Begehrende versuchte seine Fehltritte damit zu rechtfertigen, dass doch jeder ein wenig bei der Steuer schummelte, mit dem Nachbarn stritt, fremdging. Aber ansonsten sei er ein guter Mensch. Der Sachbearbeiter erklärte ihm, dass sein Gutsein ihm gerade mal 32 Punkte einbrachte. Dann könne doch niemand ins Paradies kommen, erwiderte der Mann wütend. Doch, erhielt er zur Antwort, derjenige der die Freikarte von Jesus erhielt, die mit 6000 Punkten dotiert sei. Es sei nichts weiter von Nöten, als Jesus im Glauben anzunehmen und ihn in sein Leben zu bitten. Dann passierte das, was Malek zur Genüge kannte. Der himmlische Sachbearbeiter löste sich in Rauch auf. Die Atmosphäre wurde höllisch und der verzweifelte Mensch drohte in der Dunkelheit zu verschwinden. Da wechselte die Perspektive und der Mann lag in seinem Bett, geweckt von seiner Frau, die einen Alptraum diagnostizierte. Der Mann war heilfroh, im wahrsten Sinne des Wortes. Nachdenklich begab sich Malek ins Bett und schlief erschöpft von diesem Horrortag ein. Im Traum hatte Malek einen Wunsch frei. Er wünschte sich in die Zukunft schauen zu können. Würde er seine Familie wieder zusammenbringen können? Würde seine berufliche Karriere stetig voranschreiten? Würden seine Finanzen für einen sorgenfreien Lebensabend reichen? Auf dem Tisch lag in Maleks Traum eine Zeitung. Malek schlug sie auf. Die täglichen Meldungen der Zukunft unterschieden sich vom Inhalt kaum von denen der Gegenwart. Malek blätterte interessiert weiter bis zum Börsenbericht. Seine Augen begannen zu glänzen. Alle seine Aktien befanden sich auf einem unglaublichen Höhenflug. Beruhigt blätterte er weiter. Das Alter konnte kommen. Er kam zur letzten Seite. Die Todesanzeigen. Sein Herz setzte eine Schrecksekunde aus, er blickte auf seine eigene Todesanzeige. Arbeit war sein ganzes Leben, stand über der Anzeige als Überschrift. Das sollte sein ganzes Leben, in fünf Worte gefasst, gewesen sein? Schweißgebadet erwachte er aus diesem Traum. Arbeit war sein ganzes Leben, hallte es in ihm nach. Als Malek fünfzehn war, hatte er in einem der seltenen tiefer gehenden Gespräche mit seinem Vater nach dessen Glauben und seiner Meinung über Jesus Christus gefragt. Sein Vater hatte geantwortet, dass er nur glaube, was er sehe und Liebe gebe es nicht auf der Welt. Wie weit Jesus mit seinem Geschwafel über Liebe gekommen sei, sähe man daran, dass er ans Kreuz geschlagen worden war. Ende der Durchsage.
Doch in Malek regten sich langsam Zweifel. Vielleicht war die Liebe doch das Größte im Leben zu Verschenkende.
Eine Beduinenfrau in wallendem Gewand stand am Fußende seines Bettes: "Wenn ich in den verschiedensten Menschensprachen spreche oder Engelssprachen, aber dabei die echte göttliche Liebe nicht besitze, dann bin ich zu einem Stück Erz geworden, das Töne abgibt, oder zu einem Instrument, das nur noch klirrt. Und wenn ich eine prophetische Befähigung habe, die verborgenen Geheimnisse und alle tiefe Erkenntnis weiß und einen Glauben habe, der alles umfasst, sodass ich sogar Berge versetzen kann, aber keine  echte Liebe habe, dann bin ich ein Nichts. Und wenn ich mein gesamtes Eigentum zur Armenspeisung verwende und meinen Körper dem Feuertod übergebe, aber keine Liebe habe, dann wird mir das nichts nützen. Die Liebe hat einen langen Atem, reich an Freundlichkeit ist die Liebe, sie wird nicht vom Neid zerfressen. Diese Liebe ist nicht großtuerisch und plustert sich nicht auf. Sie ist nicht unhöflich und sucht nicht ihren eigenen Vorteil. Sie wird nicht bitter und rechnet auch das Böse nicht an. Sie hat keine Freude an der Ungerechtigkeit, sondern freut sich mit über die Wahrheit. Alles erträgt sie, in allen Umständen vertraut sie, alles hofft sie, alles hält sie aus."
Malek war so beeindruckt von diesen Worten, dass er das Verschwinden der Beduinenfrau kaum noch mitbekam.
Das musste er sich schnell notieren. Beim Eintragen in seinen Taschenkalender wurden ihm die Worte noch deutlicher bewusst. Liebe hält alles aus. Er schrieb den Text in einer SMS an seine Frau mit der Bitte um ein Treffen. Malek beschloss, sich eine Bibel zuzulegen. Auf seinem Abreißkalender hatte als Spruch des Tages gestanden: Deine Wiege und dein Sarg sind aus dem gleichen Holz. Nutze die Zeit! Malek würde aufräumen in seinem Leben und neue Prioritäten setzen, beschloss er, gleich morgen. Dann fiel er in einen traumlosen Schlaf. Maleks Frau hatte ihm geantwortet: Toller Text, doch ich glaube dir  nicht mehr. Du hast zu viele Chancen vertan. Ich muss noch nachdenken. Melde mich wieder. Besser als gar nichts, dachte Malek und beschloss frühstücken zu gehen, da er keine Lust hatte, sich selbst ein Frühstück zuzubereiten. Zufall oder Fügung? Kaum hatte Malek sich vom reichen Frühstücksbuffet bedient, hörte er Offermanns Stimme neben sich. "Darf ich mich zu Ihnen setzen, hier verbringe ich immer meine Frühstückspause. Heute mit netter Unterhaltung, hoffe ich." Malek wies mit der Hand auf den Platz gegenüber. "Bitte," sagte er. Dann sprudelte es förmlich aus Malek heraus. Offermann war beeindruckt. "Offensichtlich hat Gott mit Ihnen große Pläne. Gott arbeitet an Ihrem Charakter. Ich lade sie gerne am Sonntag in unsere Gemeinde ein. Dann können wir uns einmal länger unterhalten. Jetzt muss ich leider los. Und noch etwas, ich glaube Ihnen jedes Wort, denn bei Gott ist nichts unmöglich. Bis Sonntag hoffentlich." Offermann war weg. Bis Sonntag blieb Malek von den rätselhaften Besuchen verschont. Er beließ es dabei und sah auch keinen Grund Offermanns Gemeinde aufzusuchen. Halbwegs erholt erschien er am Montagmorgen wieder an seinem Arbeitsplatz.Nachdem er die Post gesichtet hatte, wollte er die während der Woche eingegangenen Mails anschauen.
Ein kurzer Blick auf eine schöne Frau würde ihm den Morgen bestimmt ein wenig  versüßen, dachte Malek und rief eine einschlägige Seite im Internet auf. Sofort erschien auf dem Bildschirm eine barbusige Blondine.
Malek wollte gerade einen ausgiebigen Blick auf die Frau werfen, als seine Sekretärin anklopfte. Schnell versuchte er, das Bild verschwinden zu lassen. Es blieb unerklärlicherweise auf dem Bildschirm, wie eingebrannt. "Moment" rief Malek, doch zu spät. Malek drückte auf den Ausschaltknopf des Computers und bemerkte voller Scham, dass das Bild der Nackten nicht vom Bildschirm verschwand. Rasch riss er den Stecker des PC´s aus der Steckdose und zweifelte an seinem Verstand. Das Bild blieb. Seine Mitarbeiterin kam um den Schreibtisch herum, um ihm Arbeitsunterlagen zu überreichen. Malek war aufgesprungen und versuchte so gut es ging, das Bild auf dem Monitor mit seinem breiten Rücken zu verdecken. "Was ist nur mit Ihnen los," fragte  Frau Henerkes," sie sind in letzter Zeit sehr eigenartig." Malek stierte sie mit schamgeröteten Gesicht an.  

Sie drückte ihm die Unterlagen in die Hand, schaute ihn kurz an, schüttelte den Kopf, drehte sich abrupt auf dem Absatz und rauschte hinaus. "Ja, alles was im Dunkeln versteckt gehalten werden soll, kommt doch irgendwann ans Licht, Malek. Alles was geheim ist, wird öffentlich bekannt werden. Wer Ohren hat zu hören, der soll genau zuhören. Achte genau darauf, womit du dich beschäftigst. Das Maß, mit dem du andere misst, wird auch bei dir angewendet werden und es wird dir noch mehr dazugegeben werden. Denn es ist so: Dem, der etwas hat, wird noch dazugegeben werden. Und dem, der nichts hat, wird auch das noch weggenommen werden, was er hat…" Den Typen, der Malek erschienen war und der sich natürlich schon wieder in Luft aufgelöst hatte, hätte Malek als Idealbesetzung für die Jesus-Rolle in einem Spielfilm eingesetzt. Malek drehte sich um. Der Bildschirm war dunkel. Malek musste raus an die frische Luft. Im Fahrstuhl traf er wieder auf Offermann. "Wollte gerade zum Mittagstisch, kommen Sie doch mit, Herr Malek," begrüßte Offermann ihn.

Malek nahm die Einladung an und begab sich mit Offermann in ein kleines Lokal, welches für faire Preise und gute Qualität bekannt war. Er bestellte sich aber nur einen Milchkaffee, denn nach Essen stand ihm nicht der Sinn.
"Offermann“, begann Malek das Gespräch, "es nimmt keine Ende. Die Typen kommen und gehen wann es ihnen beliebt und erscheinen immer im ungünstigsten Augenblick. Ich bin nicht verrückt und ich glaube, es sind Engel oder Boten von Gott, die mich verfolgen."
"Eindeutig“, antwortete Offermann, "die Worte Ihrer Erscheinungen sind Worte der Bibel und ob es Ihnen gefällt oder nicht, ich werde Ihnen nun eine Nachhilfestunde geben, um Sie zum Nachdenken anzuregen, nicht um Sie zu erschrecken. Auch ich habe lange gebraucht, um das wirklich Wichtige und Wahre im Leben zu erkennen. Seitdem aber bin ich ein neuer Mensch. Schauen Sie, Sie und Ihre Frau, sie werden in hundert Jahren bereits vergangen und vergessen sein. Die Pokale und Urkunden, die Sie gewonnen haben, werden niemanden mehr interessieren. Ihr Name wird in Vergessenheit geraten. Ihr Besitz wird anderen gehören, was Sie gesagt haben wird niemand mehr wichtig sein, selbst, wenn Sie ein Schriftsteller gewesen wären, wird Ihre Bücher kaum noch jemand lesen. Sie haben ihr Leben mit Fernsehen, Sport, Arbeit, Hobbies und der Jagd nach Jugend und Unsterblichkeit zugebracht, wie ein großer Teil unserer Gesellschaft, der nicht alt werden will und das Sterben weit von sich schiebt. Noch ein größeres Haus, noch ein schnelleres Auto, noch ein teurerer Urlaub. Manche lassen sich sogar operieren um jünger zu erscheinen, um im besten Fall auch nur jung aussehend im Sarg zu liegen. Viele betäuben ihre Lebens- und Todesangst mit Süchten aller Art und ahnen nicht, dass sie hinter all diesem Hetzen und Streben nach dem wahren Sinn des Lebens suchen. Soviel unnütz vergeudete Zeit macht Gott traurig. Auf einmal aber gehen die Lichter aus. Und Sie können sicher sein,  dann muss jeder Mensch Rechenschaft über sein Leben vor Gott ablegen. Das will in unserer Spaßgesellschaft natürlich niemand hören aber es ist definitiv so. Sie werden die Frage beantworten müssen, warum sie sich gegen Gott entschieden haben, ob sie ihre  Kinder auf den rettenden Weg gebracht haben, welchen Menschen sie vom einzigen Retter, Jesus, erzählt haben? Die, die darauf keine Antwort geben können, werden in ewiger Dunkelheit verschwinden. Die aber, die ihr Leben Jesus Christus anvertraut haben, werden ins Himmelreich eingehen, denn Gott fordert nicht zweimal die bei ihm gemachten Schulden ein. Jesus hat bezahlt und basta. Gott wird nicht eher ruhen, bis jeder Mensch von Jesus Christus erfahren hat und jeder kann sich für oder gegen ihn entscheiden, doch diese Entscheidung bringt Paradies oder Hölle, es gibt nicht ein wenig oder jein oder vielleicht. Der berühmte christliche Schriftsteller C. S. Lewis hat es auf den Punkt gebracht, er sagt: Am Ende gibt es nur zwei Arten von Menschen: Die, die zu Gott sagen: Dein Wille geschehe, und die, zu denen Gott am Ende sagt: Dein Wille geschehe. Alle, die in der Hölle sind, erwählen sie. Ohne diese Selbstwahl könnten sie nicht in der Hölle sein. Keine Seele, die ernstlich und inständig nach Freude verlangt, wird sie verfehlen. Aber das, was Ihnen jetzt nach meinen Worten vielleicht Angst bereitet, macht sie frei, versprochen. Sie sind nicht mehr abhängig von Moden, von Strömungen, von gesellschaftlichen Zwängen, nein, wenn Sie Jesus folgen, sendet er Ihnen den Helfer, den heiligen Geist, der Rat gibt. Ich habe es selbst anfangs nicht geglaubt und es gibt auch keinen Knall und alles wird gut. Christen erleben weiterhin Leid und Verlust, denn sie leben in dieser Welt. Doch sie sind gewiss, dass Gott sie immer trägt. Selbst die, die irgendwann zweifeln, wissen nie, wie sie einen Schicksalsschlag ohne Gott ausgehalten hätten, denn sie erfahren es ja erst nach dem Tod, wie Gott sie da gehalten hat. Ich weiß, Malek, schwerer Tobak, aber machen Sie den Versuch, warten Sie nicht zu lange, denn jede Stunde kann die letzte sein. Ich war wie Sie, Malek, meine Kinder kannte ich nur schlafend. Arbeit, Erfolg, Reichtum, Ehre und Anerkennung bei den Menschen, das waren meine Ziele. Kinder aber brauchen einen Vater, der ihnen die Liebe des Vaters im Himmel vermittelt, der sie nicht mit Materiellem zudeckt sondern der sie in die Arme nimmt, ihnen Zeit schenkt und vorlebt, was Jesus uns vorgelebt hat. Schau dir nur die vielen verlorenen Kinder in unserem Land an. Jedes Wochenende Party. Komasaufen, Konsum bis zum Abwinken, Handy, Internet, Mode. Jeder träumt davon ein Superstar zu werden. Das sind die Werte, die ein Großteil der Eltern den Kindern heute mit auf den Weg gibt, weil sie selbst nicht anders leben. Der Blick für die Realitäten geht vollkommen verloren. Der schöne Körper ist wichtiger als die heile Seele. Doch beim ersten kleinen Sturm -  keine Antwort, keine Zeit, weder von den Eltern noch von den genauso verblendeten Freunden. Wir tragen die Verantwortung, diese Kleinen zu Jesus zu führen. Jesus sagt: Lasst die Kinder zu mir kommen. Wenn aber jemand einen von diesen Kleinen, die ihr Vertrauen auf mich setzen, dazu bringt, Unrecht zu tun, für den wäre es besser, wenn ein Mühlstein um seinen Hals gehängt und er an der tiefsten Stelle des Meeres versenkt würde. Verleiten wir nicht unsere Kinder durch den Schund, der Tag für Tag, besonders durch die Medien auf sie einwirkt, zu einem Leben wider Gottes Gebote? Wobei immer zu betonen ist, diese Gebote machen den Menschen frei von allen Menschenzwängen. Ist nicht genau das unrecht, dass wir ihnen nicht von Jesus erzählen, dass wir sie sehenden Auges in ihr Verderben laufen lassen. Der Satan hat große Freude an allem,  was heute den Menschen als wichtig und erstrebenswert verkauft wird, denn das treibt ihm die Menschen förmlich in die Arme. Wie bei dir hat sich auch bei mir damals die alle Menschen beschäftigende Frage nach dem Sinn des Lebens gestellt. Esoterische Bücher, Bhuddafiguren in der ganzen Wohnung, Feng-Shui, Reiki, Tarotkarten, irgendwelche Adlerfedern am Autospiegel im Innenraum, um die universelle Kraft anzuzapfen, ich habe allen Blödsinn mitgemacht, um mit den Kräften des Universums in Verbindung zu treten. Auch die Kirche, der ich damals angehörte, hatte für jedes Problem einen Heiligen oder die Mutter Gottes, um bei Gebeten und Bitten an Gott zu vermitteln. Dass das so sein muss, ist nirgendwo in der Bibel zu finden. Jesus ist der einzige Weg und Mittler zu Gott. Niemand geht zum Bauern und bittet ihn, Samen in die Erde zu stecken oder zum Müller, um ihn zu bitten, aus dem Getreide Mehl zu  machen, wenn ich beim Bäcker ein Brot erwerben will. Ich gehe direkt zum Bäcker. So ist es mit Jesus. Nur er ist der Weg zum Paradies. Doch auch ich war damals blind und habe den Worten und Auslegungen meiner Kirche geglaubt.  Nur bei dem einzig wahren Retter, Jesus Christus, hat der Satan es immer geschafft, dass ich auf Distanz zu ihm war." Malek unterbrach Offermann: "Also ist die christlich Botschaft doch eine Drohbotschaft statt einer Frohbotschaft!" "Malek, ich höre schon, Sie haben noch nicht alles verstanden. Diese frohe Botschaft macht Sie frei von allem, was Sie und Ihr Leben bedroht. Leben Sie weiter so wie bisher, dann werden Sie verdursten, trotz aller angeblichen Erfrischungen, die eine heuchlerische Welt Ihnen bietet. Ich möchte Ihnen die Geschichte aus der Predigt vom Sonntag in unserer Gemeinde erzählen, Malek.
Ein Wanderer hatte sich in der Wüste verirrt. Völlig orientierungslos der brütenden Hitze ausgesetzt wanderte er im Kreis. Unbarmherzig brannte die Sonne auf ihn herab. Auf seiner Odyssee im Meer des Todes erblickte er plötzlich zu seinem Erstaunen mit bereits fiebrig glänzenden Augen einen Brunnen. Auf den ersten Blick glaubte er, einer Fata Morgana aufgesessen zu sein, doch als er näher kam, erkannte er die Realität seiner vermeintlichen Rettung. Um zu prüfen, ob der Brunnen Wasser enthielt, griff er in die Tasche und holte eine Münze heraus, die er in den Brunnen warf. Er schien sehr tief zu sein, denn nach einer ihm unendlich erscheinenden Zeit, hörte der Wanderer zu seiner großen Freude ein Plumpsen, welches auf Wasser schließen ließ. Auf dem zerbröckelten Rand des Brunnens befand sich ein Schöpfeimer. Niemand kann sich das Entsetzen vorstellen, als der Verdurstende entdeckte, dass das Seil, mit dem der Eimer in den Brunnen hinab gelassen werden konnte, auf Grund der Witterung an diesem unwirtlichen Ort unwiederbringlich zerstört war.
Das Wasser im Brunnen soll ein Symbol für Gott in dieser austrocknenden Zeit sein, der Eimer beschreibt den heiligen Geist, mit dem wir das lebendige Wasser schöpfen können, welches durch Jesus, dem Seil, dem Mittler, neu in die Welt gebracht wurde. Doch in unserer materialistischen, konsumorientierten Zeit der Immer-Mehr- Mentalität ist kein Platz mehr für Gott, den heiligen Geist und Jesus. Wie der verdurstende Wanderer gehen viele Menschen ziel- und orientierungslos über diese Erde und laufen immer wieder im Kreis von Esoterik, Okkultismus, New Age und vielen anderen Süchten und Irrlehren herum. Sie suchen nach Ersatzbefriedigung und verdursten langsam aber sicher. Täglich stößt man zwar in der Schöpfung auf den Brunnen des wahren Wassers und man lässt auch ab und zu bei festlichen Anlässen und hohen Feiertagen einen Stein in den Brunnen fallen, um zu prüfen ob vielleicht doch lebendiges Wasser in ihm ist. Aber schnell gibt man auf, dieses Wasser zu schöpfen, da es manchmal auch Mühe bereitet und nicht sofort Befriedigung verschafft. Der Mensch vertraut nicht auf das ewig Durstlöschende, sondern lieber auf kurzen Genuss. Er vertraut sein Leben oder das seiner Kinder dem Busfahrer, Taxifahrer, Piloten oder Lokführer an, doch dem, der die Wege unseres Lebens wie kein anderer kennt und bereitet, vertrauen wir nicht.
Irgendwann im Leben sind wir dann, nach langer Durststrecke, Verdurstende, wie Sie im Moment, Malek.
Doch wir haben vergessen oder uns nie dafür interessiert, dass es ein Seil zum Brunnengrund des lebendigen Wassers gibt. Wir haben es vermodern und verwittern lassen. Dann ist die Not groß. In diese Hoffnungslosigkeit sendet uns Gott auch heute noch seinen Sohn Jesus, bis zur letzten Sekunde jedes Menschenlebens. Jesus ist der neue Bund Gottes. Er löscht unseren Durst durch den heiligen Geist. Auch wenn immer wieder versucht wird, das Wasser des Brunnens durch die vielen Zeitgeistgurus und falschen Lehrer, die Jesus angekündigt hat, zu vergiften. Jesus ist das Heil bringende Gegenmittel. Nutzen Sie das Seil, Malek, um Wasser aus dem Brunnen des Lebens zu schöpfen, um nicht wie der Wanderer, das Ziel vor den Augen, zu verdursten. Wow, nun ist mein Mund trocken, aber ich bitte Sie, wachen Sie auf, Malek, geben Sie Jesus Ihr Leben, bevor es zu spät ist. Sie werden kein neues Leben in Saus und Braus haben oder völlig sorgenfrei, doch ich garantiere Ihnen, was ich am eigenen Leib erlebt habe: Auch der schlechteste Tag mit Jesus in meinem Leben war besser als der beste Tag vorher ohne ihn." Malek war beeindruckt.
Offermann schien fertig mit seinem Vortrag zu sei. Er kramte in seiner Aktentasche herum und drückte Malek eine Bibel in die Hand. "Hier, die Bedienungsanleitung für Ihr Leben und den Weg ins Paradies," sagte er, "lesen Sie sie intensiv und oft, denn ein weiser Mensch hat einmal gesagt: Wenn die Bibel eines Menschen auseinander fällt, dann tut das sein Leben nicht!" Malek nahm die Bibel und fragte Offermann, wie er das denn mache mit Jesus und dem neuen Leben.
"Indem sie ihn mit einfachen Worten, aber ernst gemeint, in Ihr Leben bitten. Dann macht er Sie neu."
"Danke, Offermann, ich will es versuchen," sagte Malek und verließ das Lokal. Puh, seufzte Offermann, ein schwerer Fall, Gott. Offermann hatte das Seinige getan. Den Rest erledigte Gott, wie er wusste und selbst erfahren hatte, als er noch täglich im gleichen Hamsterrad lief wie Malek. Sein Chef war aus allen Wolken gefallen, als er nach seiner Bekehrung zu Jesus Christus um die Versetzung in den Innendienst bat und somit seine Ehe und eigentlich seine gesamte Familie rettete. In den nächsten Tagen war Malek viel beschäftigt und über den Alltagstrott ging sein gerade erblühendes Glaubensleben wieder den Bach hinunter. Die Bibel fristete im Bücherregal ein Dasein als Staubfänger. Auch der ungebetene Besuch ließ sich nicht mehr sehen, bis zu dem Tag, als Malek sicher war, sein Leben auch wieder alleine in den Griff zu bekommen. Er, als Selfmademan, würde jede Klippe des Lebens meistern. Gerade bearbeitete er einen Riesenauftrag, den er an Land gezogen hatte. Dieser neu gewonnene Kunde würde Malek in die Championsleague des Unternehmens befördern. Dann würde er einen Neustart hinlegen, wie die Menschen und Gott es noch nicht gesehen hatten. "Malek, Malek, ein letztes Mal will ich dich besuchen, weil ich dich liebe. Höre: Es lebte einmal ein reicher Mann, der sich immer die allerteuersten Kleider und die feinsten Dinge leistete. Dabei ließ er es sich so richtig gut gehen und lebte in Saus und Braus. Gleichzeitig lebte direkt vor seiner Tür ein armer Mann Namens Lazarus. Sein Körper war völlig mit Geschwüren übersät. Er hoffte immer darauf, sich so richtig satt essen zu können an den Essensresten, die vom Tisch des reichen Mannes übrig geblieben waren. Stattdessen kamen auch noch die Hunde und machten sich über ihn her. Schließlich geschah folgendes: Der Arme starb und wurde von den Engeln Gottes in den väterlichen Schoß Abrahams getragen. Dann starb auch der Reiche und wurde beerdigt. Als er in der Unterwelt war, wo er große Qualen erlitt, blickte er nach oben und sah von weitem Abraham, der Lazarus in seine Arme geschlossen hatte. Da rief er: Abraham, Vater, habe Mitleid mit mir und schicke Lazarus. Er soll nur seine Fingerspitze in Wasser tauchen und damit meine Zunge benetzen. Denn ich leide sehr in diesem Feuer. Aber Abraham antwortete: Kind, erinnerst du dich daran, wie du soviel Gutes in deinem Leben erfahren hast und Lazarus genauso viel Schlechtes? Nun wird er hier getröstet, während du leidest. Und außerdem klafft zwischen uns und euch eine gewaltige Kluft. Selbst die, die von hier zu euch hinübergehen wollen, können das nicht, und genauso wenig kann einer von dort hierher zu uns gelangen. Da sagte der reiche Mann: Dann bitte ich dich, Vater, dass du ihn in das Haus meines Vaters zu meiner Familie sendest. Die soll er aufrütteln, damit sie nicht auch noch an diesen Ort der Qual kommen. Doch Abraham erwiderte: Sie haben doch die Bücher von Mose und den Propheten. Die sollen sie ernst nehmen. Da sagte er noch einmal: Nein, Vater Abraham. Sondern, wenn jemand von den Toten wieder zu ihnen zurückkehrt, dann werden sie ihr Leben sicherlich ändern. Doch Abraham antwortete: Wenn sie Mose und die Propheten nicht ernst nehmen, dann werden sie auch nicht überzeugt werden, wenn einer von den Toten wieder aufersteht. Malek, höre, lies und glaube. Rette dich und deine Familie und alle Schwestern und Brüder, denen du begegnest. Ich verlasse dich nun und warte auf dich." Der junge, blendend aussehende Mann war verschwunden. Malek spürte instinktiv, dass er am Wendepunkt seines Lebens angelangt war und sich nun für oder gegen Gott entscheiden musste. Er brauchte noch mehr Wissen. Die Bibel, fiel es ihm ein. Vielleicht konnte sie doch alle seine Fragen beantworten. Zuhause setzte sich Malek in seinen Sessel und begann im Neuen Testament das Matthäusevangelium zu lesen. Er las und las und vergaß darüber die Zeit. Warum hatte ihm vorher niemand gesagt, wie aktuell und weise die Worte Jesu waren? Warum hatte weder in der Schule noch in seiner Kirche jemand ihm die Worte Jesu nahe gebracht? Warum war die Meinung in der Bevölkerung verbreitet, sie wäre ein zweitausend Jahre altes Märchenbuch, welches mit dem heutigen Leben nichts mehr zu tun habe? Warum war sie das meistverbreitete Buch der Erde, doch kaum jemand hielt sich an ihre Worte?
Malek war beeindruckt davon, dass Wort für Wort in der heutigen Zeit topaktuell war. Es musste hinter all der Ordnung der Schöpfung ein Macher stecken, das war Malek schon lange klar geworden. Auch, dass sein Besitz nie ihm gehören würde und eigentlich unwichtig war, begriff Malek langsam. Denn bereits morgen konnte sein Leben zu Ende sein und alles was er besaß, gehörte auf einmal anderen Menschen, die ebenfalls irgendwann alles zurücklassen mussten. Alle Dinge und alle Menschen wurden wieder zu Staub. Was hinterließ also der Mensch? War das der ganze Sinn des Lebens?
Unsinnige Dinge anzuschaffen, zu horten, immer gieriger zu werden, um letztendlich zu gehen, wie er gekommen war, ohne alles? Nein, es musste etwas geben, nach dem alle Menschen suchten. Geborgenheit, Liebe, Annahme, Vertrauen.
Er las das Matthäusevangelium komplett durch und fand alles, was der Mensch braucht, dort in Jesus vereinigt. Es fiel ihm wie Schuppen von den Augen. Im Anschluss daran kniete er sich nieder und sprach. "Jesus, hier lege ich mein verkorkstes Leben vor dich hin. Du bist am Kreuz für meine Schuld gestorben. Komm nun in mein Leben, mache mich frei von aller Sünde und erneuere mich von Grund auf, Amen."
Kein Blitz, kein Donner, Malek ging zu Bett. In dieser Nacht träumte er. Er hatte einen großen Rucksack auf dem Rücken und wanderte eine endlose Straße entlang. Seine Geliebte stand wortlos am Straßenrand und legte einen mächtigen Stein in den Rucksack. Kunden, die er betrogen hatte, standen am Weg und legten viele kleine Steine in den Rucksack. Der Finanzbeamte, der seine Steuererklärung entgegennahm, legte ebenfalls einen mittelgroßen Stein in den Rucksack. Sein Versicherungsvertreter, dem er einen fingierten Versicherungsfall untergeschoben hatte, legte einen Stein hinein.
Zusätzlich ging es nun auch noch bergauf. Malek ächzte und stöhnte und der schwere Rucksack bereitete ihm große Mühe. Seine Kinder, die er um soviel Zeit und Rat betrogen hatte, legten weitere drei Steine in den Rucksack hinein, das ungeborene einen besonders schweren. Irgendwann brach Malek erschöpft zusammen. Eine hell leuchtende Gestalt, von der unendliche, unbeschreibliche Liebe ausging, half ihm auf die Beine, leerte mit einer Berührung den Rucksack und nahm Malek auf die Schultern. Achtundneunzig Kilo Lebendgewicht mal eben so auf die Schultern genommen, nötigten Malek selbst im Traum Respekt ab. Malek wusste sofort, wer das war, denn an den Händen waren wieder deutliche Narben zu erkennen. "Komm," sprach Jesus zu ihm, „trink und ruhe dich aus. Wer von dem Wasser trinkt, welches ich ihm gebe, den wird nie wieder dürsten."  Dann wanderte Jesus mit ihm auf den Schultern in die Richtung einer goldenen, glänzenden Stadt, die Malek am Horizont sehen konnte. Tiefer Frieden erfüllte Malek. Dieser Frieden war auch noch da, als Malek am Morgen erwachte. Umgehend begann er sein Leben in Ordnung zu bringen. Offermann hatte ihm eine Grußkarte über das Internet mit einer erneuten Einladung zum Gottesdienst am Sonntag gesandt, die Malek diesmal wahrnehmen wollte.

 

 

 

Darauf befand sich ein Gedicht:

 

 

 

Jesus rettet

 

 

 

Das Vakuum in Menschenseelen,

 

wird oft mit Sucht gefüllt,

 

doch Alkohol und Sex und Drogen,

 

sind nichts, was Sehnsucht stillt.

 

Der Mensch weiß tief in seinem Herzen,

 

es gibt im Leben mehr,

 

als trinken, essen, konsumieren

 

und Seelen, kalt und leer.

 

Stark spürt er eine große Sehnsucht,

 

nach dem, was Sinn ergibt,

 

sucht lebenslang nach einem Wesen,

 

das ihn unendlich liebt.

 

Verirrt sich in der Welten Lehren,

 

rennt falschen Göttern nach,

 

wird von der Wahrheit ferngehalten,

 

die Jesus Christus sprach.

 

Wo Hass ist, predigt er die Liebe,

 

wo Trauer ist, verheißt er Trost,

 

heilt jede noch so schwarze Seele,

 

in der das Böse tost.

 

Die letzten setzt er an die Spitze,

 

befreit von Sünde, Schuld und Leid,

 

hält dem, der um das Kleid ihn bittet,

 

den Mantel gerne auch bereit.

 

Er geht mit Menschen alle Wege,

 

wer klopft, dem öffnet er die Tür,

 

den neuen Bund hat er geschaffen,

 

den Kreuzestod starb er dafür.

 

"Komm in mein Leben, Jesus Christus,

 

nimm alle Schuld von mir,"

 

sprich diese Worte ehrlich bittend,

 

schon öffnet sich die Tür.

 

Hinein ins Leben tritt der Heiland,

 

er macht es völlig neu,

 

nimmt weg die Ketten von der Seele

 

und bleibt dir ewig treu.

 

Er leitet dich auf gerade Pfade,

 

zeigt dir den Weg ins Licht

 

und sei gewiss, du bist gerettet,

 

wenn einst dein Auge bricht.

 

 

 

Malek richtete die Grußkarte auf seinem PC als Hintergrundbild ein und versah sie mit dem Datum des gestrigen Tages, um seine Umkehr zu manifestieren. Seine Versicherungsgesellschaft erstattete keine Anzeige, als Malek den Versicherungsbetrug beichtete und die Summe zurückerstattete, bei der Steuer machte er durch eine Selbstanzeige von der zeitlich befristeten Möglichkeit eines Straferlasses Gebrauch. Er führte ein tränenreiches ehrliches, ungeschminktes Beichtgespräch mit seiner Frau, die ihm verzieh. Sein Leben änderte sich in wenigen Monaten von Grund auf. Seine ganze Familie erfuhr die Heilung, die nur Jesus schenken kann. Malek lebte fortan in dieser Welt, doch nicht mehr von dieser Welt. Offermann und Malek wurden in ihrem Betrieb fortan die "heiligen Zwei" genannt. Malek wurde ein völlig neuer Mensch, wie Jesus es ihm versprochen hatte. Malek ging bei der Fahrt zu einem Kunden sein turbulentes Leben der letzten Monate durch den Kopf. Er konnte den Frieden nicht beschreiben, der ihn endlich zur Ruhe kommen ließ. Übernatürlich war wohl die beste Bezeichnung. Krumme Dinge wurden gerade. Gebete wurden erhört. Nicht immer wie Malek es wollte, sondern oft wie Gott es für richtig befand. Je mehr Malek seinen Besitz teilte, desto reicher beschenkte ihn Gott, doch nicht materiell, sondern mit Herzensreichtum. Malek wurde auch erfolgreich wie nie, weil er seine Arbeit nun so verrichtete, als wenn er sie für Gott täte. Seinen Kindern schenkte er das wichtigste, was ein Vater ihnen schenken konnte, Zeit. Zu seinen eigenen drei Kindern kamen noch zwei Patenkinder vom christlichen Kinderhilfswerk Compassion hinzu. Auch seine Ehe wurde völlig auf den Kopf gestellt. Heilung, Vergebung, Neuanfang mit Jesus als Mittelpunkt ihrer Beziehung, ließ die Liebe neu aufleuchten. Die falsche Meinung unter den Menschen, dass es unter Christen keinen Spaß und nur Regeln gab, wurde ad absurdum geführt. Nie war mehr Spaß und Zufriedenheit im Leben Maleks als jetzt. Jesus hatte ihn freigemacht. Freiheit, die Prioritäten erkennen ließ. Leid war in Maleks Leben nicht ausgeklammert, doch endete es nicht in Ausweglosigkeit, sondern im Wissen um die Ewigkeit in Gottes verheißener neuer Stadt. Im Gegensatz zu Offermann blieb Malek seinem Berufszweig treu, doch die Reihenfolge der Lebensprioritätsliste hatte sich geändert.
Erst Jesus, dann die Familie, dann die Arbeit, obwohl es heute ausnahmsweise einmal so spät geworden war, dass es dunkelte. Malek überholte einen LKW. Plötzlich kamen ihm zwei hell strahlende Lichter entgegen. Ein Geisterfahrer!! Blitzschnell riss er das Lenkrad herum. Trotz seiner schnellen Reaktion streiften sich die beiden Autos und gerieten ins Schleudern. Das war noch einmal glimpflich ausgegangen. Der Polizist, der den Unfall aufnahm, beglückwünschte Malek zu seiner Reaktion und dem großen Glück. "Sie hätten tot sein können" sagte er. "Ich wäre bereit gewesen", antwortete Malek, "ich habe sechstausend Punkte." "In Flensburg?" fragte der Polizist ungläubig. "Bei Jesus", antwortete Malek und drückte dem verdutzten Polizisten die DVD "Sechstausend Punkte für den Himmel" in die Hand, von der sich immer ein Vorrat im Handschuhfach befand. Hier endet Maleks wundersame Geschichte, die natürlich reine Fiktion ist, doch viele Menschen haben Gott zu allen Zeiten in vielen Gestalten und Begegnungen und durch wahre Wunder erlebt, Wunder, die weitaus größer als die hier geschilderten, erdachten waren. Malek und seine Familie werden durch die Höhen und Tiefen jedes menschlichen Lebens gehen. Aber immer in der Gewissheit, nur Gäste auf dieser Erde zu sein und dass Jesus ihnen bereits eine Wohnung im Paradies bereitet hat. Was fürchten die Menschen, dass so viele die befreiende Botschaft von Jesus Christus ablehnen?

 

 

 

„Da hörte ich eine gewaltige Stimme, die vom Thron her kam. Sie sagte: Sieh her. Das ist das Zelt Gottes, das bei den Menschen steht. Und er wird mitten unter ihnen wohnen und sie werden sein Volk sein und er selbst, Gott, wird mitten unter ihnen sein. Und er wird jede Träne in ihren Augen trocknen. Der Tod wird nicht mehr da sein, keine Trauer, kein Schreien und kein Schmerz wird mehr existieren. Denn das, was zur ersten Schöpfung gehörte, ist vergangen.“