Vorwort und Zeugnis

 

 

 

Nie hätte ich mir träumen lassen, dass es letztendlich ein großer Segen sein kann, wenn man zwar in einer christlichen Kultur aufwächst, diese mehr oder weniger verkrusteten Traditionen aber nicht dazu führen, Jesus Christus, Gott und Mensch, als seinen Erlöser kennen zu lernen, sondern den Glauben an Jesus sozusagen als Seiteneinsteiger zu finden. Das ermöglichte mir, völlig unvoreingenommen die Bibel zu lesen und ihr Wort als Wort Gottes zu erkennen, welches alle Fragen nach woher, wohin und warum beantwortet. Es ist nicht in Worte zu fassen, wie sich ein Leben mit Jesus zu einem wahrhaft neuen Leben entwickelt, man muss es selbst herausfinden. Im krassen Gegensatz zur Meinung der neuen Atheisten in ihren erfolgreichen Bestsellern steht die Erfahrung, die der macht, der sein Leben in die Hände von Jesus legt. Jesus macht wirklich frei. Er gibt dem Leben Sinn. Er ist die Hand, die in Trauer, Leid und Tod auffängt. Er schenkt Vergebung durch seinen Tod am Kreuz. Tag für Tag dürfen wir neu beginnen und der Heilige Geist wird erfahrbar und weist uns den Weg aus jeder Bredouille. Nicht immer, wie wir Menschen uns das in unserem kleinen, begrenzten Menschendenken vorstellen, sondern viel besser, nach Gottes Plan. Für mich persönlich gibt es nur zu bereuen, dass ich die ersten Lebensjahrzehnte ohne Jesus Christus ziel- und planlos durch das Dasein ging. Jeder Mensch sucht nach dem Sinn des Lebens. Wer die Worte von Jesus Christus im neuen Testament liest und diese auch in sein Leben einfließen lässt, der wird den Sinn des Lebens finden. Leider verbinden die Menschen heute den Begriff Christ sofort mit Kirche jeglicher Art. Kirche ist von Menschen gemacht und wird nie fehlerfrei oder perfekt sein. Kirche reduziert sich in der allgemeinen Wahrnehmung auf Verbote und Gebote. Menschen deuten die Worte Jesu. Doch die Gemeinschaft mit anderen Christen ist immens wichtig. Menschen lassen natürlich auch ihre eigenen Gedanken, manchmal hilfreich, manchmal weniger hilfreich, mit in diese Deutungen einfließen. Unter dem Strich sind es aber Menschen. Nicht mehr und nicht weniger. Das gilt im Übrigen auch für das von mir Geschriebene. Ein christlicher Schriftsteller drückte es einmal treffend aus. Menschen sagen: „Befolge dies.“ Jesus sagt: „Folge mir.“ Wer einfach nur die Worte Jesu im neuen Testament liest und diese annimmt wie ein Kind, der bemerkt, dass sie den Spielraum für viele Interpretationen oftmals gar nicht hergeben, sondern unmissverständlich sind. Die Botschaft von Jesus macht frei von allen Zwängen der Welt, entlarvt die neuen Götzen unserer Zeit und macht unabhängig vom Urteil der Menschen und der Furcht nicht dazu zu gehören, wenn man nicht mit der Herde läuft. Er macht die Seele reich, man muss nichts bezahlen, man muss sich den Weg ins das paradiesische Leben nach dem Leben nicht mühsam erarbeiten oder verdienen. Aus Erfahrung kann ich sagen: Das macht wirklich frei. Wer natürlich noch nie einen Blick in das neue Testament geworfen hat und den neuen Zeitgeistblendern unserer Epoche kritiklos folgt, wird ihren Argumenten erliegen. Klug wäre es, einfach mal in der Bibel zu lesen (z. B. das Buch Prediger, welches aktuell ist, wie nie zuvor). Dort beschreibt Salomo, der reichste Mensch der damaligen Zeit, dass alles nur ein "Haschen nach Wind" ist. Die Frage dahinter lautet: Was bleibt und gibt dem Leben Sinn? Die noch größere Luxusvilla? Noch mehr Ruhm? Noch mehr Erfolg? Der Weltmeistertitel? Die Goldmedaille? Das noch schnellere Auto? Noch mehr Karriere? Noch mehr Party? Damit will ich nicht sagen, dass es nicht Spaß bereiten darf, beim Sport ein Sieger, in der Kunst kreativ, auf einer Feier fröhlich oder im Beruf erfolgreich zu sein. Immer wenn Derartiges das Leben beherrscht und zum größeren Gott neben dem wahren Gott wird, gerät die Seele in Schieflage. Auch die Hoffnung, die viele Menschen äußern, in ihren Kindern weiter zu leben ist nur ein Trugschluss. Jedes Kind ist einmalig, von Gott voller Liebe geschaffen, uns zu treuen Händen anvertraut, aber jedes für sich eine völlig neue Schöpfung, die ihren eigenen Weg geht. Welche Antwort geben wir unseren Kindern, wenn sie nach dem Sinn und dem Wegweiser dieses kurzen Lebens fragen? Besitz anhäufen? Superstar für einen Tag sein? Schönheit  vergöttern? Selbst so mancher Star unserer schönen neuen Medienwelt, dem Millionen von Fans den erhobenen Daumen bei Facebook schenken, fragt sich am Abend vielleicht in der nächsten Stadt im nächsten Hotelzimmer, was kommt danach? Letztendlich ist die Anerkennung für all jenes doch nur ein Versuch von allen geliebt zu werden. Die Sehnsucht danach kann weder von Menschen noch von Dingen befriedigt werden. Jesus aber redet in seiner Botschaft von dem wahren Reichtum, der nicht vom Rost zerfressen wird oder zu Staub verfällt. Es ist die Liebe, die Zeit opfert, die Reichtum teilt, die den Schwachen eine Stimme gibt, die Frieden unterstützt, die vergibt, wie auch uns vergeben wurde. Die nicht fragt: Was bekomme ich dafür? Der Mensch braucht Sicherheiten in seinem Leben. Aber ist das Wichtigste im Leben wirklich, gegen alle Eventualitäten versichert zu sein oder die Frage, ob die Rente später auch reicht, oder ob unsere staatliche Rundumversorgung in diesem reichen Land auch unseren Ansprüchen noch Genüge tut? Eine Stunde auf einer Intensivstation kann der Sinnlosigkeit dieser Jagd nach materiellen Werten eine völlig neue Ausrichtung geben und mehr Lebensweisheit vermitteln als alle Selbstfindungsratgeber in den esoterischen Regalen der Buchhandlungen, welche Tankstellen für die Seele ohne Nachhaltigkeit sind. Der Konsum soll an dieser Stelle nicht verteufelt werden, da ich selber Konsument bin, doch wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund (Mt. 12,34). Das letzte Hemd hat keine Taschen und Geben ist seliger denn Nehmen. Davon redet Jesus. Besitz zu haben ist nichts Schlechtes, aber der richtige Umgang mit dem Besitz ist christliche Weisheit. Die vermittelt uns Jesus mit seiner Botschaft. Was fürchten also die, die Jesus ablehnen? Wer an Jesus glaubt, bleibt nicht von Leid verschont, fällt aber nie tiefer als in Gottes Hand, wenn die Welt sich verdunkelt. Jesus ist keine Wunschmaschine, doch kein Gebet bleibt unbeantwortet. Die Antwort fällt nur nicht immer so aus, wie wir sie in unseren Gedanken bereits vorformuliert haben. Alle Revolutionäre der Weltgeschichte, alle geistlichen Führer aller Zeiten mit ihren Ideologien oder Auslegungen waren Menschen mit ihren Stärken und Schwächen. Nur Jesus, der Sohn Gottes, mit seinem göttlichen Auftrag war ohne Sünde und ohne Fehler. Wo gibt es eine Botschaft voller Liebe wie seine? Welche Religion ruft zu uneingeschränkter Liebe auf, ohne jemanden auszuschließen? Welche Religion misst wirklich jedem Menschen denselben Wert bei? Würden die Erdenbürger doch nur nach den Worten Jesu handeln. Milliarden von Menschen kamen, Milliarden gingen. Jesus bleibt.

Einige perfide Zeitgenossen missbrauchen seine gute Nachricht, um ihren hasserfüllten Thesen das Mäntelchen des Christentums umzuhängen und tragen gar schwarz-rot-goldene Kreuze auf Demos durch die Gegend. Doch die Erde gehört allen und ist uns nur von Gott geliehen. Kampf um die Pfründe, nationale Egoismen, Ausbeutung der Rohstoffvorkommen und immer mehr ich, meiner, mir führt zu Kriegen, Hass und Ungerechtigkeit. Das alles hat aber rein gar nichts mit Nächstenliebe zu tun, wie Jesus sie lebte und predigte. Christen sind auch keine Looser, die sich eine schöne Scheinwelt erschaffen, um den Härten des Lebens etwas entgegenzusetzen. Immer wieder hat Jesus mit diametralen Ansichten und Taten genau das Gegenteil von dem praktiziert, was von ihm von seinen Zeitgenossen erwartet wurde. Alles nachzulesen im Neuen Testament. Deshalb der Rat: Keine Berührungsängste mit Jesus, dem ich dafür danke, dass er mir viele weise Menschen über den Weg sandte, die wahrhaft christlich leben, die mir in Gesprächen, Gebeten, Büchern und vielem mehr die Botschaft des Herrn erklärten. Das waren ersichtlich echte Männer und Frauen, die in der Welt von Facebook, Twitter und sonstigen Selbstdarstellungsmedien kaum vorkommen,  die der Welt wirklich noch etwas zu vermitteln und auf der Grundlage der heiligen Schrift zu sagen haben. Keine Frömmler oder Sektierer, sondern Menschen, die verstanden haben, was die Welt braucht und das auch authentisch im Alltag leben. Selber Bibel lesen und selber denken ist deshalb eine Empfehlung, die ich jedem gebe, der abseits des Mainstream nach der Liebe, der Freude, dem Frieden, der Geduld, der Freundlichkeit, der Güte, der Langmut, der Sanftmut, der Treue, der Bescheidenheit, der Enthaltsamkeit und der Selbstbeherrschung sucht, kurz nach dem wahren erfüllten Leben strebt, denn das bekommt der, der an Jesus glaubt ohne eigenes Zutun durch den Heiligen Geist geschenkt (Galater 5,22). Meine Gedichte, Kurzgeschichten und Gedanken sollen nicht als Lebensberatung dienen,  sondern Denkanstoß für Suchende und Bestätigung für Glaubende sein. Jesus ist die Lösung. Er ist nicht einer unter vielen. Er ist der Eine. Auf ihm basiert sogar unsere Zeitrechnung. Jesus liebt die Kinder. Deshalb drehen sich viele Gedichte auch um das Leben mit Kindern. Da Christen nicht so aussehen, leben und wirken sollten, als seien sie mit Zitronensaft getauft, trifft man ab und an sogar auf Humor. Wenn nach dem Lesen dieses Buches nur ein Mensch sagt: „Ja, ich will nun auch mit Jesus gehen“, ist mein Ziel erreicht. Für den, der es wagt, ist er nur ein Gebet entfernt, jetzt sofort und an jedem Ort, gratis! Jesus liebt ausnahmslos jeden Menschen und seine Botschaft möchte ich mit dem Geschriebenen aus vielen Perspektiven betrachten, um auf das Buch hinzuweisen, in dem Gott uns seinen Plan mit den Menschen offenbart: Die Bibel

 

 

 

Plädoyer für die Menschlichkeit

 

Wenn ein Arzt für ein zur Welt gekommenes behindertes Kind Schadenersatz bezahlen muss, weil er die Behinderung nicht erkannte und zur Abtreibung riet, hat die Menschlichkeit wieder ein Stück verloren. Wenn der Präsident einer Weltmacht von sich behauptet ein Christ zu sein und einen Angriffskrieg gegen jedes Völkerrecht beginnt, hat die Menschlichkeit wieder ein Stück verloren. Wenn für Kriegsgeräte zum Töten zehntausend Mal mehr Geld ausgegeben wird als für Impfschutz für alle Kinder der Erde, hat die Menschlichkeit wieder ein Stück verloren. Wenn sich keine Hand regt, um den Gestürzten aufzuhelfen, hat die Menschlichkeit wieder ein Stück verloren. Wenn Kinder unbemerkt von der Nachbarschaft verhungern, wenn sie misshandelt und missbraucht werden und viele wegschauen, dann hat die Menschlichkeit wieder ein Stück verloren. Wenn die Hemmschwellen in den Medien immer niedriger werden, hat die Menschlichkeit wieder ein Stück verloren. Wenn Menschen ihre Partner wie Dinge austauschen und Treue altmodisch wird, hat die Menschlichkeit wieder ein Stück verloren. Wenn Kinder nicht mehr gewollt werden, der Reichtum der Erde nicht gerechter aufgeteilt wird, alte Menschen entsorgt werden, hat die Menschlichkeit wieder ein Stück verloren. Wenn alle schweigen, wenn alle ihre Herzen und das Portemonnaie schließen, hat die Menschlichkeit wieder ein Stück verloren. Wenn der Traurige nicht umarmt, der Arme nicht beschenkt, der Einsame nicht besucht und der Sterbende nicht begleitet wird, hat die Menschlichkeit wieder ein Stück verloren.   

 

 

 

Januargedanken

 

Das neue, unberührte Jahr liegt vor uns. Erste behutsame Schritte werden gewagt. Wohin führen uns unsere Wege? In welche Richtung? In die Richtige, in die Falsche?   Gehen wir kleine Schritte, große Schritte? Neues Spiel, neues Glück? Chance alles besser zu machen? Oder nur wieder der Beginn einer neuen Tretmühle des Alltagstrotts? Für Neugeborene ist es der erste Schritt auf ihrem Lebensweg. Für viele, die es noch nicht ahnen, das Jahr der letzten Schritte ihres Lebens. Für Christen sollte gelten: Genieße jeden Tag. Erkenne den Sinn in jedem Tag. Freue dich, jeden Tag auf dieser Erde leben zu dürfen. Dies ist der Tag, den der Herr macht, freue dich und sei fröhlich an ihm (Psalm 118,24). 

Lebe, als wäre jeder Tag dein letzter in Verantwortung vor Gott! Lebe als guter Bruder, als gute Schwester, lebe in Liebe zu deinen Mitmenschen, den Kreaturen und zu der gesamten Schöpfung. Geh deine Schritte gemeinsam mit deinen Brüdern und Schwestern und nicht allein im Kreis, gehe deine Schritte gemeinsam aber nicht im Gleichschritt mit dem Zeitgeist, gehe deine Schritte gemeinsam, aber achte auf die Richtung, gehe deine Schritte gemeinsam und teile deine reiche Wegzehrung. Achte an den Kreuzungen darauf, deinen Schritt in die richtige Richtung zu lenken. Bedenke: Kreuzung bezieht sich auf Kreuz. Lass das Kreuz an der Kreuzung Wegweiser werden. Beobachte kritisch, wer die Schrittmacher dieser Tage sind, ob sie nicht vielleicht einen Pferdefuß haben! Gehe kleine Schritte mit den kleinen Menschen, denn sie sind nicht kleine Erwachsene. Lehre sie das Leben, aber nicht nur in Form von Computeranimation. Spiele mit ihnen, denn du bist ihr liebstes Spielzeug und so viel Zeit bleibt euch nicht. Gehe geduldige Schritte mit deinen Gebrechen, denn dem Geduldigen ist Gott die Gehhilfe. Gehe langsame Schritte mit den Alten, auch du bist einst alt. Gehe ein Stück in den Schuhen des Nächsten um herauszufinden wo ihn diese Schuhe drücken. Geht einen Schritt aufeinander zu, macht den ersten Schritt um zu versöhnen. Lass keinen Tag ungenutzt und ohne Liebe vorübergehen, dann ist er verschenkt, nie kommt er zurück. Ein neues Jahr liegt unberührt vor uns. Voller Hoffnung sollten wir Schritt für Schritt voranschreiten auf dem Weg zu einer gerechten Welt. Wir wollen unsere Schritte in diesem Jahr dazu nutzen, Licht in die Welt zu bringen, in der so viel Dunkel herrscht. Vorbild sei uns der Mensch, der Schritte über Schritte machte, um die Botschaft der Liebe unter die Menschen zu bringen. Der Mensch, der auch den letzten Schritt in den Tod nicht scheute, aus Liebe zu uns Menschen. 

Er kennt alle unsere Schritte und wer ihn aufnimmt, den führt er Schritt für Schritt in das verheißene Paradies.

 

 

 

Gegenfrage

 

Als Gott die Ungerechtigkeit, das Elend, die Kriege, die Morde, die Katastrophen, all das Böse sah, fragte er sich einmal mehr:

„Wo waren nur die Menschen, die es in der Hand hatten, jenes alles zu verhindern?“

 

Zufall?

 

Es geschah in der Vorweihnachtszeit und für Menschen, die mit dem Glauben an den, dessen Geburt in dieser Zeit entgegenfiebert wird, nichts am Hut haben, wird das nun Erzählte unter Zufall verbucht werden. An diesem Morgen waren die Straßen das erste Mal richtig glatt und die Fahrt zur Arbeit war zu einem Geduld- und Konzentrationstest geworden.

Die zähflüssige Autofahrt nutzte ich zum ausgiebigen Gebet, da ich überzeugt bin, dass Gott jeder noch so kleinen Bitte Gehör schenkt, nicht eine verloren gehen lässt und sie auf seine Art beantwortet. Den Beweis erhielt ich im Laufe des Tages. Abschließend bat ich den Herrn mir heute viele Menschen begegnen zu lassen, denen ich meinen Glauben in Worten und Taten bezeugen konnte. Nun saß ich bereits seit zwei Stunden in meinem Büro und arbeitete die anfallenden Aufgaben ab. Entlang des Gebäudekomplexes zog sich ein viel benutzter Rad- und Fußgängerweg hin. Da sich das Büro im Parterre befand und große Fenster sein Eigen nannte, war man den Blicken der vorbeifahrenden oder gehenden ausgesetzt. Die Mitarbeiter des Bauhofes hatten in der Nacht der Sorgfaltspflicht der Stadt Genüge getan und den Weg vor meinem Fenster durch Aufbringen von einem Salz und Split Gemisch eisfrei gemacht. Unser Firmensitz befand sich in der Nähe einer karitativen Organisation, die Wohnraum für Obdachlose, psychisch erkrankte und Alkoholiker einschließlich therapeutischer Begleitung zur Verfügung stellte. Deshalb war es normal, dass ab und zu eine Bewohnerin oder ein Bewohner an meine Scheibe klopfte und um ein wenig Geld bettelte. Je mehr es der kalten Jahreszeit entgegenging, desto so höher wurde die Quote der Gestrauchelten, die mich per Fenster klopfen kontaktierte. Mittlerweile war ich dazu übergegangen, dem einen oder anderen mit deutlicher Alkoholfahne eine Spende, mit dem Hinweis auf die Vielzahl der Bitten und dem Hilfsangebot bezüglich menschlicher Grundbedürfnisse der karitativen Organisation eine Straße weiter, zu verweigern.

Gerade hatte ich das Fenster geöffnet, um ein wenig Frischluft die Morgenmüdigkeit vertreiben zu lassen, da hörte ich ein schlurfendes, langsam näher kommendes Geräusch auf dem Weg vor dem Fenster. Vor meinem PC sitzend konnte ich aus den Augenwinkeln einen Mann in meinem Alter erblicken, der in diesem Moment auf seinem Rollator Platz nahm.

Sie kennen sicher dieses Gefühl, wenn man bemerkt, dass man gemustert wird. Ich blickte hoch. „Guten Morgen“, rief der Mann fröhlich und winkte zusätzlich noch mit hoch erhobenem Arm in meine Richtung. Ich antwortete genauso nett.

Der Mann stand auf und bewegte sich schwerfällig, ein Bein nachziehend, auf das geöffnete Fenster zu. „Sie scheinen ja ein richtig sympathischer Mensch zu sein. Ich heiße Michael, kannst Du zu mir sagen“, sagte er und reichte mir seine Hand durch das Fenster. Es war eine sehr verkrüppelte Hand, an der mehrere Finger fehlten. Ich gab ihm die Hand und nannte ihm meinen Vornamen und bat ihn ebenfalls mich zu duzen.

„Ja, so sieht das aus, wenn man Jahre lang dem Alkohol verfallen war. Der war auch Schuld an meinem Unfall, welcher mich so zugerichtet hat, aber seit langem schon trinke ich keinen Tropfen mehr“. Das glaubte ich ihm auch auf Grund der fehlenden Alkoholfahne aufs Wort. „Trotzdem“, fuhr er fort, „traue ich mich sie zu fragen, ob sie vielleicht fünfzig Cent für mich hätten, ich bin völlig abgebrannt diesen Monat und habe einfach ein wenig über meine Verhältnisse gelebt“. Was bedeutete wohl für diesen Menschen über die Verhältnisse gelebt schoss es mir, bereits sicher ihm ein wenig Geld zu geben, durch den Kopf. Wie weit unten musste man angekommen sein, um sich zu trauen andere Menschen anzubetteln? „Hör mal, Michael“, hörte ich mich sagen, „wenn ich jedem, der hier an mein Fenster kommt, Geld geben würde, dann ginge ein großer Teil meines Lohnes nur dafür drauf“. Sofort wies mich eine innere  Stimme auf meine Übertreibung hin. Hör auf, dich in deinem Gutmenschentum zu suhlen, schien sie mir zuzuflüstern.

Michael antwortete: „Das verstehe ich, das sind bestimmt die noch süchtigen Leute aus dem Wohnheim hier um die Ecke, wo ich derzeit auch lebe. Aber versprochen, wenn du mir fünfzig Cent gibst, lass ich dich in Zukunft in Ruhe, ich habe ja nichts von Wert, was ich dir dafür geben könnte.“ Ich holte mein Portemonnaie heraus und gab ihm zwei Euro. „Alter, zwei Euro, ich danke dir, du bist ein netter Mensch“. Er winkte noch einmal und drehte sich mit seinem Rollator, auf Grund seiner schweren Behinderung, sehr schwerfällig wieder in Richtung des Fahrrad- und Gehweges. Plötzlich hielt er inne. „Halt“, sagte er und drehte sich noch einmal in meine Richtung, „ich habe ja doch etwas was ich dir geben könnte. In der Therapie malen wir Aquarelle. In den nächsten Tagen komme ich vorbei und dann bringe ich dir eines als Dank. Ist ein Bild von Jesus Christus, welches ich gemalt habe, vielleicht gefällt es dir, bis dann“, sprach er und verschwand langsam in der Ferne. Da rein gar nichts Äußeres auf meinen christlichen Glauben hinwies, war ich völlig verdutzt und sprachlos und mir fiel sofort mein morgendliches Abschlussgebet ein. Das nannte ich mal eine spontane Antwort.

Ohne dass ich es ahnte, war ich Jesus begegnet, ohne dass ich es wirklich erwartete, hatte Gott mein Gebet um Begegnungen erhört.

 

Zufall?

 

 

 

Brot des Lebens

 

Der Mensch gewordene Gott brach das Brot, dankte und reichte es uns, seinen Kindern, damit wir es weiterreichen:

An alte, des Lebens satte Menschen, um ihnen zu sagen: Kommt, ruht euch aus.

An alle Einsamen, um ihnen zu sagen: Kommt und habt Gemeinschaft mit mir.

An alle Trauernden, um ihnen zu sagen: Kommt und seht, der Tod ist tot.

An alle Schuldigen, um ihnen zu sagen: Kehrt um, ich habe eure Schuld getragen.

An alle Zweifelnden, um ihnen zu sagen: Vertraut und glaubt, ihr könnt nur gewinnen.

An alle Missbrauchten, Unterdrückten, um ihnen zu sagen: Nehmt Platz auf dem goldenen Thron.

An alle Gerechten, um ihnen zu sagen: Gut gemacht, ihr treuen Schwestern und Brüder.

An alle Kleinen, um ihnen zu sagen: Kommt zu mir, meine Kinder, euch gehört das Himmelreich.

An alle Kranken, um ihnen zu sagen: Kommt alle her zu mir, die ihr müde seid und schwere Lasten tragt, ich will euch Ruhe geben.

An alle Feinde, um ihnen zu sagen: Ich liebe und vergebe euch immer wieder auf das Neue.

An alle Betenden, um ihnen zu sagen: Wo zwei oder drei zusammenkommen, die zu mir gehören, bin ich mitten unter euch.

An alle Atheisten, um ihnen zu sagen: Die Schöpfung zeugt ohne Ende von mir. Kommt und seht!

An alle Verfolgten, um ihnen zu sagen: Gott segnet euch, die ihr gehasst, ausgeschlossen, verspottet und verflucht werdet, weil ihr zu mir gehört.

An alle Egoisten, um ihnen zu sagen: Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst.

An alle Obdachlosen und Heimatlosen, um ihnen zu sagen: Kommt, ich habe genug Wohnungen für euch in meinem Haus.

An alle Verirrten, um ihnen zu sagen: Ich bin der Weg und die Wahrheit.

An alle Letzten, um ihnen zu sagen: Ich gebe euch den Siegerkranz.

An alle Vergessenen, um ihnen zu sagen: Ihr steht im Buch des Lebens.

An seine weltweite Gemeinde, um ihr zu sagen: Ich bin immer bei euch, bis ans Ende der Zeit.

 

 

 

 

Februargedanken 

 

Grimmige Winterkälte. Karneval. Überschäumende Lebensfreude, Maskerade. Endlich einmal dem Alltag entrinnen und in andere Rollen schlüpfen. Bunte Kostüme, lachende, tanzende, schunkelnde Menschen Arm in Arm. Letzter Höhepunkt vor einer kurzen selbst verordneten kargen Zeit, um auf etwas Liebgewonnenes zu verzichten, Fastenzeit. Aber auch unkontrollierter Alkoholgenuss, überschäumende Freizügigkeit. Alles ist erlaubt. Ist alles erlaubt? Viele Scherben nach närrischen Tagen, sogar viele Scherbenhaufen. Versuche von der Karnevalsfreude für jeden Tag ein Stück mit ins Leben zu nehmen, dann bringt es mehr Segen als drei Tage im Rausch. Sonst bleibt nur ein fürchterlicher Kater, des Körpers aber auch der Seele, ein tiefes Loch, in das du fällst. Denke nicht, dass dir das Feiern vermiest werden soll. Auch Jesus feierte gerne. Eine schöne Feier kleidet die Seele in Purpur! Maß zu halten ist das Wichtige, damit aus Freude nicht Frust, aus Tanzen nicht Stolpern, aus Gesang nicht Misston und aus Lust nicht Last wird. Februar. Valentinstag, Tag der Liebe. Von findigen Managern der Werbebranche konsumorientiert zweckentfremdet. Wo ist die Liebe an allen anderen Tagen des Jahres? Blumen und Pralinen gibt es jeden Tag zu kaufen. Tag für Tag zu einem kleinen Valentinstag machen, das ist wichtig! Das setzt kein dickes Portemonnaie voraus, sondern ein Herz, das sich verschenkt, das vergibt, das immer wieder neu beginnt. Zärtlichkeit, Herzlichkeit, kurze Augenblicke des Miteinanders über alle Barrieren des Alltagstrotts hinweg. Verschenke ruhig am 14. Februar etwas Besonderes, aber lasse es nicht das einzige Besondere dieses Jahres sein.  Zeige, dass du dich jeden Tag an dem einzigartigen  Menschen erfreust, der dein Leben begleitet, an guten wie an schlechten Tagen, denn 365 Valentinstage hat das Jahr.

 

 

 

Komm und sieh 

 

Die ersten Schneeflocken des Winters taumelten dem Boden entgegen. Umher fliegenden Federn eines geplatzten Kissens gleich, setzten sie sich auf Lebewesen und Dinge und kehrten rasch in ihren Urzustand zurück. Es war noch zu warm, um den Bahnsteig dauerhaft mit einer weißen Schicht zu überziehen. Magnus saß auf einer Bank am Gleis und wunderte sich, dass ein Eiskristall genau auf seiner von vielen Jahren Alkoholmissbrauch blauen Nase landete. Keines dieser filigranen Gebilde glich dem anderen und wurde von den vorbeihastenden Menschen achtlos zertreten, genau wie die Gescheiterten der Gesellschaft, dachte Magnus angesichts seiner trostlosen Situation. Sollte er den schnell zu einem Wassertropfen mutierenden Himmelsboten als ein Glückszeichen oder einen unerwünschten Störenfried betrachten? Glück, was war das schon? Für einen Moment tauchte eine Erinnerung aus seinem früheren Leben auf. Magnus mit seiner Frau und den Kindern beim Versuch, Schneeflocken mit der Zunge zu fangen. Desillusioniert kehrte er in die Gegenwart zurück und wischte sich den mittlerweile unter seiner Nase hängenden Wassertropfen, welcher sich mit einer Träne vermischt hatte, missmutig ab. Auf dem durchlöcherten Handschuh war ein dunkler Fleck zu sehen. Er starrte auf den Fleck. Ein weiterer dunkler Fleck seines verkorksten Lebens. Morgen, nahm er sich mit Blick auf den zerfetzten Handschuh vor, würde er der Kleiderkammer der Bahnhofsmission einen Besuch abstatten, um sich neu einzukleiden. Ein spärlicher Rest von Selbstwertgefühl ließ selbst ihn noch registrieren, dass die ihm begegnenden Menschen auf Grund seines abgerissenen Aussehens die Straßenseite wechselten. Durch den Bahnhof fegte ein ICE. Magnus fröstelte, als der Fahrtwind des Zuges in seine fadenscheinige Kleidung fuhr. Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein unbeachteter, unwichtiger für die Menschheit wäre es gewesen, hätte er den Schritt ins Gleis gewagt. Woher kannte er dieses Zitat? Armstrong, natürlich, der Astronaut, der als erster den Mond betrat. Nur der Wortlaut war ein wenig anders gewesen. Magnus wunderte sich, dass ab und zu Bruchstücke der Welt, zu der er nicht mehr zu gehören schien, wie springende Delphine aus dem Alkoholnebel seines Gehirns auftauchten. Er griff unter die Bank nach der halbleeren Wodkaflasche. Halbleer oder halbvoll fragte er sich. Halbleer natürlich, schrie der Promilledämon und lachte hämisch. Es wurde immer schwerer, die Sucht zu finanzieren. Bettelte man die Mitmenschen um etwas Geld an, so rieten die meisten dazu, sich an städtische Einrichtungen oder die Bahnhofsmission zu richten, denn dort bekäme man zu essen, zu trinken und einen Platz für die Nacht vermittelt. Einmal hatte Magnus in seiner Verzweiflung geantwortet, dass er aber Geld für Alkohol brauche. Keine gute Idee. Aus der Ferne hörte er die grelle Stimme von Jule, die im Drogenrausch wieder einmal mit den Geistern der Vergangenheit stritt. Jule war ein medizinisches Wunder. Seit Jahren auf der Straße. Viele abgebrochene Therapien. Ab und zu verschwand sie einige Zeit. Dann war sie unvermutet, an Leib und Seele notdürftig zusammen geflickt, wieder da. Bis zum nächsten Absturz, jeder tiefer, jeder Aufprall härter. Doch im Land der Gestrauchelten gab es nur Einzelkämpfer. Eng umschlungen schlenderte ein Liebespaar den Bahnsteig entlang.

Die Frau blieb plötzlich stehen und streichelte mit dem Zeigefinger der rechten Hand zärtlich über die Wange des Mannes. Ich auch, hätte Magnus am liebsten geschrien. Soviel ungestreichelte Haut hatte er anzubieten. Er bekam mit, wie ein kleiner Junge, der mit seiner Mutter an der Bank vorüberging, sie daran erinnerte, dass sie für die Weihnachtsfeier noch ein Wichtelgeschenk besorgen mussten. Schlagartig fiel Magnus eine Begebenheit aus der Grundschule ein, die seine kindliche Seele tief verletzt hatte. Damals war er zum Gespött der Klassengemeinschaft geworden. Für das bevorstehende Weihnachtsfest sollte jeder ein kleines Geschenk für ein zu gelostes anderes Kind mitbringen. Magnus bat seine Mutter ein Präsent zu besorgen oder ihm Geld dafür zu geben. Doch sie lag wieder einmal dem Alkohol geschuldet apathisch auf der Couch, nicht in der Lage irgendetwas zu organisieren.

Auch sein kaum anwesender, gefühlskalter Vater war mit seinen zwielichtigen Kumpels schon mittags auf Kneipentour. Magnus kannte nichts anderes als Alkohol und die daraus resultierende Spirale der Gewalt. Vertrauen, Annahme, Zärtlichkeit, Geborgenheit und Liebe waren für ihn Fremdworte. Niemand nahm ihn je tröstend in den Arm. Er empfand sich als ein Nichts.  Am Tag des vorweihnachtlichen Austausches der kleinen Gaben machte er sich mit einem leeren Schuhkarton aus dem Keller auf den Weg zur Schule. Von einigen Mitschülern, die Mitleid besaßen, erbettelt er ein paar Kleinigkeiten, welche er in dem Karton deponierte. Die ihm zu geloste Mitschülerin, der er mit schamrotem Kopf den Schuhkarton überreichte, brach vor Enttäuschung fast in Tränen aus, denn außer einem Schokoriegel und einigen krümeligen Keksen hatte Magnus Bettelei kaum vorzeigenswerte Ergebnisse erzielt. Am liebsten wäre er in den Boden versunken, als das Mädchen in der Pause entrüstet ihre Geschenke den Freundinnen zeigte. Wieder war der Riss in seiner Seele etwas länger geworden und er wuchs mit jedem Tag der Demütigungen.  Als er die Schule verließ, war Magnus in die Netze der braunen Rattenfänger geraten. Da er emotionslos zuschlagen konnte, erfuhr er das erste Mal im Leben Wertschätzung und Anerkennung, doch nur im Kreis dieser selbsternannten armseligen Herrenmenschen. Irgendwann schlug Magnus zu oft und zu hart zu. Er wurde straffällig. Zum Glück gelang ihm der Ausstieg aus dem braunen Sumpf. Sein Bewährungshelfer machte ihm in langen Gesprächen klar, dass diese braunen Seelenkrüppel andere klein machen mussten um selber leidlich groß zu erscheinen und hielt Magnus so den Spiegel vor. Wie ein Sonnenstrahl in tiefster Finsternis war eine Frau in sein Leben getreten. Er schien Fuß gefasst zu haben. Doch das Seil, auf dem er in ungewohnter Höhe balancierte, hatte kein Netz. Als er seinen Job verlor und mit Frau und zwei Kindern vom Arbeitslosengeld leben musste, brachen die Muster seiner Kindheit sich Bahn. Die alten Dämonen holten ihn ein. Der Alkohol ließ die Sorgen verschwinden, die am nächsten Tag, groß wie Dinosaurier, auferstanden. Zwei Jahre hielt seine Frau es mit ihm aus, bevor sie den Kindern zu Liebe einen Schlussstrich zog. Misston für Misston einer Lebenssymphonie, unterbrochen nur von wenigen harmonischen Klängen, das war das Fazit, welches Magnus an diesem trüben, grauen Tag über sein bisheriges Leben zog. Er nahm den letzten Schluck aus der Wodkaflasche und rappelte sich mühsam auf. Wie ein Denkmal des Scheiterns blieb die leere Flasche bis zum Einsammeln durch die Bahnreinigung unter der Bank stehen. Magnus ahnte noch nicht, dass er niemals mehr an diesen Platz zurückkehren würde. Täglich fragte er sich, warum ihn dieser Umschlagsplatz der Gefühle so magisch anzog. Immer wieder gab er dem selbst zerstörerischen Impuls nach, diesen Ort aufzusuchen, obwohl ihn die ungestillte Sehnsucht wieder dazu zu gehören, nur noch tiefer in die seelische Not stürzte. Eine Regionalbahn, prall gefüllt mit Reisenden, fuhr ein. Der Bahnsteig glich für einen Moment einer aus dem Bau strömenden Ameisenarmada. Magnus durchwühlte unter dem geringschätzigen, teils angeekelten Blick einiger Mitmenschen die Mülleimer nach Pfandgut. Die spärliche Beute verstaute er in seinem schmutzigen Rucksack. Immerhin reichte es für eine weitere Flasche Seelentröster vom Discounter.

Dann machte er sich auf den Weg zu dem abbruchreifen Schuppen, der am Rande eines abgeernteten Feldes dem Verfall preisgegeben war und ihm derzeit als Nachtlager diente. Einige modrig riechende Strohbunde nutzte er als halbwegs bequemen Untergrund für die Nachtruhe. Magnus schlüpfte in seinen stinkenden Schlafsack, lauschte dem Rascheln seiner vierbeinigen Mitbewohner und schaute durch eine Lücke zwischen den Pfannen in den Sternenhimmel. Ich bin klein, mein Herz ist rein, murmelte er, der zweiten halb geleerten Flasche Wodka geschuldet, vor sich hin. Ein Lächeln huschte über sein Gesicht, als er sich des einzigen Lichtblicks des Tages erinnerte, den er sorgsam wie einen Diamanten in seinem Herzen hütete. Eine Mitarbeiterin der Bahnhofsmission, die Magnus ein wenig ihrer Zeit schenkte und sich zu ihm setzte, bot ihm zum Ende der Unterhaltung an, für die Heilung seiner Seele zu beten. Magnus, im tiefen Sinnlosigkeitstal der Welt pilgernd hatte erwidert, dass es für ihn weder Hoffnung noch Perspektiven gab. Es sei einfach zu spät. Daraufhin las ihm die junge Frau ein von Jesus erzähltes Gleichnis vor, in dem die, die nur eine Stunde fleißig gewesen waren, dasselbe an Lohn erhielten, wie andere, die sich den ganzen Tag abschufteten. „So etwas macht doch kein Mensch der Welt“, sagte Magnus. „Kein Mensch, aber Gott, der geduldig ruft und wartet bis zuletzt“, hatte die junge Frau erwidert. „Schau“, erklärte sie weiter, „Gott denkt nicht in den Dimensionen der Menschen. Ein Prediger auf Bibel TV erklärt die Liebe von Jesus so: Zwei Freunde waren von klein auf ein Herz und eine Seele und teilten alles miteinander.

Sie kamen in das Teenageralter und ihre Wege trennten sich. Der eine studierte Jura und tat somit seinem Gerechtigkeitssinn, seiner Wahrheitsliebe und seiner Ehrlichkeit Genüge. Der andere schlug den Weg des Bösen ein. Seine Betrügereien brachten ihn letztendlich vor Gericht. Der Richter war ausgerechnet sein Kamerad aus der Kindheit. Punkt für Punkt arbeitete dieser die Anklage ab und verurteilte seinen Freund zu einer hohen Geldstrafe, die dessen Ruin bedeutet hätte. Nach der Urteilsverkündigung begab sich der Richter zur Anklagebank, umarmte seinen Freund herzlich und sprach: „Ich werde die Geldstrafe für dich bezahlen, damit du ein neues Leben beginnen kannst“. So ist es auch mit Jesus. Wer ihn einmal als seinen Herrn angenommen hat, dessen Schuld wird er ein für alle Mal tragen. Gibt es eine größere Liebe? Hier, lies das und bringe alles vor Jesus, er macht dein Leben neu, egal was du getan hast“.  Die junge Frau drückte ihm ein laminiertes Kärtchen in die Hand, welches Magnus vorerst achtlos in seine Manteltasche steckte, doch etwas machte Klick in seiner Seele. Um die musste er sich wohl langsam ernsthaft Gedanken machen, denn sonst hatte er nichts zu verlieren. Die liebevolle Ärztin, die ab und zu mit dem Bus einer Christengemeinde auf dem Parkplatz vor dem Rathaus den Obdachlosen der Stadt kostenlosen Rat und Hilfe anbot, warnte Magnus jedes Mal davor, weiterhin sein Leben auf der Straße zu verbringen. Sein katastrophaler Gesundheitszustand genüge nicht mehr der Härte eines Landstreicherlebens, warnte sie ihn beim letzten Besuch. Hass, Gewalt, Einsamkeit, Verzweiflung, Missachtung und in lichten Momenten die Scham, das waren die bisherigen Begleiter seines Lebens gewesen. Was war der Sinn eines solchen Lebens? Manchmal hätte Magnus gerne mit einem Tier getauscht, denn der Mensch hörte, egal in welcher Situation er sich befand, diese leise, bohrende Stimme, die Konsequenzen anmahnte und ehrliche Antworten erwartete. Deswegen ertränkte Magnus diese Stimme Tag für Tag.  Für ihn hielten die Götter der Gegenwart keinen Nektar mehr bereit. Des Kämpfens müde, verzichtete er lieber auf seine Würde und hielt seinen freien Geist in den Mauern der Abgestumpftheit des Alkohols gefangen. Das Kärtchen in seiner Manteltasche fiel ihm ein. Er holte es heraus und las es voller Inbrunst:

Gott, ich bin ein Sünder. Damit ich überhaupt zu dir kommen kann, musste dein Sohn Jesus Christus am Kreuz sterben – an meiner Stelle. Danke dafür!

Ich beuge mich vor dir, Herr Jesus. In deinem Namen bitte ich von ganzem Herzen um Vergebung für alle meine Sünden und all meine Schuld.

Hass gegen dich und andere, Neid, Lügen, meine Selbstsucht, Lieblosigkeit, Unmoral, Ungerechtigkeit, Jähzorn und vieles andere. Ich weiß viele Sünden nicht mehr, aber du kennst sie. Wasch mich bitte jetzt rein von allem Bösen durch dein kostbares Blut. Wasch mich bitte weiß wie Schnee.

Danke, dass du auf Golgatha den Preis bezahlt hast und mich so annimmst, wie ich bin. Danke, dass du mich lieb hast. Du hast alle meine Sünden nun ausgelöscht. Und so, wie du mir vergeben hast, so vergebe ich auch denen, die gegen mich gesündigt haben. Ich vergebe allen alles – egal, was sie mir angetan haben oder was sie unterlassen haben. Auch mir selbst vergebe ich. Danke, Vater im Himmel, dass ich nun dein Kind geworden bin und das ewige Leben habe. Lass mich nie mehr los und erfülle mich mit deiner Liebe und deiner Freude. Erfülle mich mit deinem Heiligen Geist als meinen Tröster und Helfer. Mein ganzes Leben soll dir gehören, Herr Jesus. Sei du mein Herr und mein Freund. Tiefer Frieden überkam Magnus, der wundersamer weise mit jedem Wort nüchterner geworden war. Dann schlief er ein. Im Traum sah er sich selbst dort auf dem Heulager liegen. Grauhaarig, ungepflegt, betrunken, zahnlos, in Lumpen gehüllt, durch das Leben auf der Straße vorzeitig gealtert. Plötzlich erstrahlte ein überirdisches Licht voller Wärme. Eine Liebe umhüllte ihn, die zu beschreiben es in der menschlichen Sprache keine Worte gab. Zwei Hände, an denen sich Wundmale befanden, streckten sich ihm entgegen. „Komm“, sprach eine Stimme. Magnus ergriff die Hände…

 

 

 

Märzgedanken

 

Zeit für eine erste Zwischenbilanz des Jahres. Welche Vorsätze tragen Früchte, welche sind schnell verdorrt?

März, Zeit der Aussaat. Rund um uns die erwachende, knospende Welt, die jedem logisch denkenden Menschen die Existenz Gottes beweist.

Gott, erkennbar in der Ordnung der Natur, in dem Wunder der Schöpfung. Alles fügt sich, konstruiert von einer höheren Intelligenz, in den Kreislauf der Erde, ein. Geschaffen für uns Menschen, sie zu nutzen und zu bewahren. Auch die großen Geister und Gelehrten unserer Zeit glauben immer weniger an das Entstehen durch Zufall und stehen oft am Ende ihres Lebens ehrfurchtsvoll vor den unscheinbaren, winzigen Sandkörnern ihrer Lebensleistung im Angesicht der nicht mit Worten zu beschreibenden Größe Gottes.

Gott, ein Liebender, der das Beste für seine Kinder schuf. Geht die Saat auf, die er bei der Zeugung in unsere Herzen legte? Setzen wir gottgefällige Prioritäten oder huldigen auch wir dem Zeitgeist in einer Epoche unzähliger Versuchungen?

Hinterfragen wir ab und an unser „Christ sein“ kritisch? Wir haben es in der Hand das Gute auszusäen. Welche Saat legen wir in die Kinder, unsere Zukunft? Nehmen wir uns für sie die ihnen zustehende Zeit und führen sie auf rechte, gottgefällige Wege oder flüchten wir uns in Arbeit, Verein, Politik, Ehrenamt, Fitnessclub etc.? Legen wir die Saat der Nächstenliebe durch gelebtes Vorbild in unsere Mitmenschen oder befriedigen wir zuallererst unsere Bedürfnisse, Süchte, Wünsche? Jeder Mensch ist sein Leben lang auf der Suche nach dem Sinn des Daseins. Anerkennung im Beruf, Erfolg im Sport, Spitzenleistungen sind letztendlich Versuche des Menschen in seiner Unvollkommenheit perfekt zu erscheinen. Erfolglose Versuche von allen respektiert und geliebt zu werden, vor allem geliebt. Es bleibt die Leere nach dem Kick, die nur einer ausfüllen kann, Jesus Christus.

Jeder Mensch sucht und braucht Liebe. Jesus ist die Mensch gewordene Liebe, ewig. Er ist nur ein Gebet entfernt!

 

 

 

 

 

So bin ich

 

Im Anfang war das Wort. Und das Wort war Gott. Und Gott schuf "So bin ich".
Er schaute auf ihn und er gefiel ihm sehr gut, denn er war ein besonderes Blümlein Gottes.
Die Menschen hefteten ihm das Etikett Down-Syndrom an. In der Gemeinde, die "So bin ich" besuchte, beschäftigten sich die Mitglieder mit den gleichen Problemen wie viele christliche Gemeinschaften. Woher sollte das Geld für die Restaurierung des Daches kommen? Warum kamen immer weniger Menschen zu den Gottesdiensten? Wie konnte die Jugend wieder empfänglich für die Botschaft von Jesus werden? Aus welchen Gründen kehrten viele der Kirche ganz den Rücken? Wo waren die Gläubigen, die Bereitschaft zeigten, Verantwortung zu übernehmen und zu dienen?
"So bin ich" hingegen war einer jener, die glaubten wie ein Kind. Manchmal ergriff er zur Überraschung aller kurz vor Ende der Messe das Wort und ließ seine Schwestern und Brüder ohne Falsch an seinem Leben teilnehmen. Er erzählte von seiner Liebe zu Jesus. Er weinte, wenn er traurig war. Er lachte, wenn er etwas Lustiges erzählte und pries Gott, wenn ihn das Glück übermannte. Im Alltag verstand er manches nicht so schnell. Manches verstand er gar nicht. Sehr vieles aber verstand er besser - mit dem Herz. Frohgemut stellte er sich den Aufgaben, die ihn nicht überforderten. Lobte ihn jemand, erwiderte er mit breitem Grinsen und ungeheuchelter Freude: „So bin ich“. Er war langsamer in seinen Aktionen, denn seine Zeit war immer da und passte nicht in Messgeräte. "So bin ich" merkte, wenn die Menschen, die unsicher gegenüber seinem fremden Aussehen waren, ihn anstarrten.
Schenkte man ihm Mitleid, verweigerte er die Annahme, denn der Sinn des Geschenks erschloss sich ihm nicht. "So bin ich" erschütterte mit seiner Ehrlichkeit und seiner Authentizität die Wertvorstellungen der Masken tragenden Gesellschaft, doch er besaß alles, was Gott den in Wahrheit Lebenden mitgibt. Nicht erstrebenswert fand "So bin ich" Karriere, Macht, Ruhm und Reichtum. Deshalb fanden es viele Menschen unmöglich, dass Geschwister wie er "in der heutigen Zeit mit ihren Möglichkeiten" das Licht der Welt einer Leistungsgesellschaft erblickten. Doch in ihm war das Leben. Das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst (Johannes 1, 4-5). "So bin ich" entsprach nicht der langweiligen Norm. Er war anders begabt. Vor Gerichten versuchte man gelegentlich, seinesgleichen als Schadensfall zu definieren, da der das Wachsen im Mutterleib begleitende Arzt die Besonderheit nicht erkannte und ungewollt ein Leben rettete. Oft aber fand "So bin ich" Verständnis bei "So wurde ich". Lag das Ausgrenzen von "So bin ich" daran, dass die großen "So sind sie" den kleinen "So werden sie" immer weniger das wahre Menschsein nach Gottes Plan und seiner Schrift lehren? "So bin ich" fühlte sich wertvoll, von Gott geliebt. Ohne Wenn und Aber. Eines Tages wird eine kälter werdende Welt den Namen von "So bin ich" vergessen haben.

Nur in Gottes Buch des Lebens, da steht er: Unauslöschlich.
Fettgedruckt.

 

Über 90 % der Eltern, die die vorgeburtliche Diagnose Down-Syndrom für ihr ungeborenes Kind  mitgeteilt bekommen, entscheiden sich für eine Abtreibung.

 

 

Post aus Niemandsland

 

 

Junger Mensch, jetzt, da der Rest meines Lebens wohl kürzer sein wird als die hinter mir liegende Zeit, möchte ich dir in diesem Brief über ein Land berichten, in dem ich lange lebte. Ich wünschte, mir hätte damals jemand in Liebe warnend davon erzählt. Das Land heißt Niemandsland. Dort bin ich groß geworden und geboren. Ich erzähle dir davon, da ich befürchte, dass du auch auf dem Weg dorthin bist. Dieses Land schien das Schlaraffenland zu sein. Dort lebte ich als renitentes Menschenkind, welches hinter den Masken der Welt nicht die Gottlosigkeit erkannte und selbst eine solche Maske trug. Doch irgendwann stellte ich fest, es war das Land des Verlassen seins, der Lieblosigkeit, der Ersatzbefriedigung, der Verzweiflung, der leeren Versprechungen, des Lügens, der Verlockungen und der Sinnentleerung. Niemand fängt dich dort auf, wenn du strauchelst. Niemand sagt dir, dass mit deinem ersten Atemzug deine Lebenszeit abläuft. Niemand zeigt dir die Sinnlosigkeitstäler hinter den Konsumbergen. Niemand erzählt dir von den Mühen und den Leiden des Alters. Niemand zeigt dir, wohin der Lebensweg dich letztendlich führt. Damit möchte ich die Bewohner nicht verurteilen oder beurteilen, denn niemand zeigt ihnen den Weg zu Jesus Christus, der in der Gesellschaft als asketische Spaßbremse dargestellt wird. Doch er ist genau das Gegenteil.  Im Niemandsland bist du wer, wenn es dir gelingt, dich selbst bestmöglich darzustellen. Du musst zu allem eine den Bewohnern genehme Meinung haben und diese über die modernen Kommunikationsmittel äußern. Alt werden spielt dort keine  Rolle. Du musst jung und dynamisch sein. Kalte Technik berät dich darüber, wie du deinen Körper dementsprechend trainierst und fordert dich zu Leistungssteigerungen heraus. Durch kleine Computer gewinnst du vermeintlich viel Zeit, doch der Gewinn ist kein Gewinn, denn dir bleibt keine Zeit, um über den Sinn des Lebens nachzudenken. Irgendwann kreisen die meisten Bewohner des Niemandslandes nur noch um sich selbst und um die Erfüllung ihrer eigenen Wünsche. Das Leben verliert seinen Sinn und der Mensch macht Nichtigkeiten zum Lebensziel. Der von Gott bei der Geburt in die Seele gelegte Reichtum ist aufgezehrt. Am letzten Tag ist das Seelenkonto leer. Der Verblender hat sein Ziel erreicht: Ablenkung vom wahren Menschsein nach Gottes Plan. Die Liebe zu Gott und den Nächsten wird verschüttet unter dem Schutt der Ellbogengesellschaft. Doch jeder, der dann die Gottesferne spürt, muss auch schon einmal seine Nähe erfahren haben, denn Gott geht ein Leben lang jedem Menschenkind nach, bis zum letzten Atemzug. Es geht aber auch immer ein bleicher Geselle mit einer Sanduhr neben dir. Er bietet dir im schlimmsten Fall enthemmende Dinge an, die dich noch schneller in sein Reich bringen und im Niemandsland als erstrebenswert und frei machend angeboten werden. Viele trinken jedes Wochenende aus der berauschenden Alkoholquelle des Niemandslandes, flüchten vor der Realität durch bunte Pillen, Spritzen und weißes Pulver, um das Loch in der Seele zu füllen und erwachen morgens im Jammertal. Im Niemandsland verbringen die Menschen ihre Zeit damit, sich ein Leben lang gegen alles abzusichern, außer dem Seelenheil. Die Götter dieses Landes treten gegen Bälle, kreisen in schnellen Autos in der Runde und stehen singend auf Bühnen. Trägst du nicht die richtige Kleidung, unterstellt man dir Gotteslästerung und setzt dich ins Abseits. Hast du nicht das hippe Kommunikationsgerät, das beste Fortbewegungsmittel oder eine prunkvolle Wohnstätte zweifelt man an deinem menschlichen Wert. Dort wird der Ehrliche dumm genannt, der Hilfsbereite beschimpft, der Schwache verdrängt. Die Zeit verrinnt ins Bodenlose. Von morgens bis abends hörst du: Kauf mich, konsumiere mich, du brauchst mich, sei schneller, sei Erster, sei reicher, sei schöner, sei besser, sei erfolgreicher, sei perfekt, sei ein Star. Irgendwann, junger Mensch, werden die ahnungslosen Menschen dort voller Verzweiflung den Verfall ihres Körpers registrieren und den Hunger der Seele bemerken. Sie haben alles und doch nichts, sie sind satt und doch leer, sie haben genug, doch es genügt nicht, sie suchen und finden nicht. Sie haben geglaubt, was die Medien, mächtige Organisationen, Firmen und tyrannische Machthaber ihnen in Worten, Bildern, Filmen und Buchstaben als Leben vorgegaukelt haben. Kindheit vergeht, Jugend vergeht, Besitz vergeht, der Körper vergeht. Im der letzten Stunde des Lebens bist du im Niemandsland ein verzweifelter Sinnsucher und der, der die ganze Zeit wartend neben dir ging, reibt sich die knochigen Hände.  Als ich das Niemandsland verließ, schenkte mir Jesus Zufriedenheit statt Jagd nach dem nächsten Kick, Besinnung statt endlos aneinander gereihte Events und echte Liebe statt twitternder Community und Fake-News.  Verstaubt in den Kellerregalen, unbeachtet auf den Dachböden der Häuser findest du dort nämlich ein Buch, dass die Mauern von Niemandsland sprengt, die Ketten zerreißt, die Seele nährt, die Augen für die Wahrheit öffnet, das Leben mit Sinn erfüllt. Ein Buch, welches auf den hinweist, der aus dem Niemandsland befreit.  Junger Mensch, dieses Buch, die Bibel, zeigt dir den Weg aus diesem Land oder besser noch, lässt dich erst gar nicht dorthin kommen. Dieses Buch weist auf jenen hin, der über den Sensenmann lacht und ihm ewiges Leben entgegensetzt. Jesus Christus nimmt dem Tod seinen Stachel. Er hält dich, er trägt dich, er befreit dich, er bleibt bei dir, wenn alle gegangen sind, er empfängt dich in der letzten Stunde mit offenen Armen in dem Haus, in der er für die, die an ihn glauben schon eine Wohnung vorbereitet hat. Er starb für dich am Kreuz und nahm alle Schuld und allen Schmutz auf sich. Weder der geliebte Partner noch gute Freunde können den letzten Weg mit dir gehen. Doch Jesus bleibt an deiner Seite. Wer ihm folgt, freut  sich über jeden Tag und erkennt im Nächsten Gottes Ebenbild. Du wirst beschenkt ohne Gegenleistung. Du erfährst Vergebung und lernst, das Vergeben frei macht. Er öffnet dir die Augen für die Not und das Elend der Ärmsten. Er macht kalte Herzen warm durch seinen uns hinterlassenen Heiligen Geist. Jesus gibt Antwort auf die Frage: Was bin ich? Er sagt mir ohne Einschränkung: Ich bin was! Er nimmt die winzigen Sandkörner des menschlichen Wissens um Gott und formt sie zu der Erkenntnis, die der glaubende Mensch, der nun einmal im Gegensatz zu Gott dem Unvorstellbarem, in menschlichen Dimensionen denkt, fassen kann. Junger Mensch, wenn du in Niemandsland bist oder glaubst, dich dorthin auf den Weg machen zu müssen, dann komm zurück oder kehre um. Verstehe mich bitte nicht falsch. Ich bin nicht gegen technischen Fortschritt, doch Sinn ergibt er nur, wenn er  das Gute in der Welt fördert. Ich bin nicht gegen Genuss. Doch Maß zu halten ist echter Genuss nach Gottes Willen. Besuche die Länder dieser Erde, pflege Freundschaften, genieße Kunst und Musik, praktiziere Hobbys, feiere Feste mit Menschen, die wie du, Jesus lieben. Knüpfe Kontakte, damit du viele Niemandslandbewohner erreichst, um ihnen die frohe Botschaft zu bringen. Alle Errungenschaften der Menschheit sind das, was Gott uns Menschen gebietet: Macht euch die Erde untertan. Doch immer unter dem Aspekt, welchem Ziel der Mensch das unterordnet und ob es im Sinne Gottes ist. Sei ein Licht in dieser Welt. Was tu tust führe aus, als tätest du es für Gott, in der Freizeit und bei der Arbeitsstätte, in der Schule und wo auch immer. Ich, der auf dem besten Weg war, eine führende Position in Niemandsland einzunehmen, kann bezeugen, Jesus macht frei, bringt Frieden in dein Leben, schenkt dir Geborgenheit, gibt dir eine Antwort auf Leid und Trauer. Du wirst an Grenzen kommen, doch Jesus winkt dich durch. Schenke ihm dein Leben. Suche Gleichgesinnte und werdet eine Oase in der Gesellschaft. Schwärmt aus um zu erretten. Dein Weg mit Jesus führt nicht in die Ungewissheit, sondern, wie er verspricht, in die ewige Herrlichkeit, die für seine Nachfolger bereits jetzt und hier angebrochen ist. Wenn dieser Weg auch steinig und manchmal steil sein wird und du oftmals von ihm abkommst, zeigt dir das Kreuz immer die Richtung. Verliere es nie aus den Augen. Hole das verstaubte heilige Buch aus dem Regal, lasse dich nicht davon abhalten es zu lesen und das Gelesene zu befolgen, wenn auch der Herrscher dieser Welt dann dein größter Feind sein wird und immer wieder sein trügerisches, Glück verheißendes Gift in dein Lebenswasser tröpfeln lässt. Jesus ist das lebendige, reine, klare Wasser. Trinke es täglich 24/7.  Genieße die Schönheiten dieser Erde. Genieße den Frieden und die Liebe, die dir  Jesus schenkt und widerstehe den Zeiträubern. Alles ist einmalig, nicht wieder zurückzubringen. Sei gottesfürchtig und nicht voller Menschenfurcht. Jage nicht nach Ruhm, Anerkennung, Besitz und Geld.  Jesus genügt. Er ist der lebendige Gott. Der „ICH BIN“. Ich kann bezeugen, wer Jesus in sein Leben bittet, bekommt: Freiheit, der Mensch zu sein, der er ist. Die Last der Schuld von der Seele genommen und Vergebung ohne Gegenleistung. Frieden in der Seele, der mit Worten nicht zu beschreiben ist. Trost zur rechten Zeit und Hilfe von unerwarteter Seite. Liebe, die Menschen nicht geben können. Leben, das Sinn ergibt. Licht, wo Dunkelheit war und Gewissheit des ewigen Lebens. Ich kann verstehen, dass du diesen Zeilen vielleicht misstraust, da sie dir zu euphorisch vorkommen. Doch da ich selbst Leid in meinem Leben kennen lernte und Menschen schilderten, wie sie trotz kaum auszuhaltender Schicksalsschläge, wie den Unfalltod ihres eigenen Kindes, durch Gottes stille Gegenwart Trost in der Trauer erfuhren, so kann man ihnen im Angesicht dieser Tragödie keine Heuchelei oder Lebensflucht unterstellen.  Das menschliche Leben ist kein Wettbewerb um die größten Fleischtöpfe und kein wetteifern um Ruhm und Anerkennung, sondern in allen seinen Nuancen zwischen Himmel hoch jauchzend und zu Tode betrübt ein Hin wachsen zu Jesus für den, der ihm voller Vertrauen bedingungslos sein Leben in die Hände legt. Ich fand in meinem Leben nichts Besseres auf der Erde.

 

In diesem Sinne grüßt dich herzlich, verbunden mit Gottes reichem Segen, ein Erretteter

 

 

Aprilgedanken 

 

Der in Bethlehem geborene Mensch und Gott Jesus Christus bringt der Menschheit die Botschaft des Friedens, der Liebe und Erlösung.

So einfach. So genial einfach. Egal, was nachher kam oder vorher war. Gottes Wirken lässt diese Botschaft, im Gegensatz zu vielen anderen der vergangenen Zeiten, nicht verstummen. Licht kommt in die Welt. Hoffnung für die Suchenden. Gewissheit für die Glaubenden. Jesus Botschaft ist aber auch so unverschämt anders, so völlig dem menschlichen Selbstverständnis entgegen. Er sagt nicht: Poche auf dein Recht in jeder Kleinigkeit und gib niemals nach, sondern, nicht sieben Mal sollst du vergeben, sondern siebenmal Siebzig Mal (immer wieder).

Er sagt nicht: Häufe so viel materiellen Reichtum an wie du nur kannst, sondern wahre Schätze kann man nur im Herzen sammeln.

Er sagt nicht: Wo ich bin, ist immer vorne, sondern die Ersten werden die Letzten sein. Er sagt nicht: Verzichtet mal ein wenig auf lieb gewonnenes Überflüssiges zwischen Aschermittwoch und Ostern, sondern sorgt täglich für euer Seelenheil statt für den vergänglichen Körper.

Er sagt nicht: Benutze rücksichtslos deine Ellenbogen oder töte jene, die nicht deinen Glauben teilen wollen, sondern liebe den Nächsten wie dich selbst, ausnahmslos. Er sagt nicht: Mache sterbliche Menschen auf der Bühne, in den Medien oder in Sportstadien oder auf Rennstrecken zu deinen Göttern, sondern du sollst nur den einen lebendigen Gott lieben. Er sagt nicht: Verdrängt den Tod, sondern nimmt ihm den Stachel. Der Tod kommt unbestellt, unwiderruflich, und zwar für jeden, todsicher. Jesus nimmt bewusst in der Blüte seines Lebens diesen Tod am Kreuz auf sich. Doch er besiegt ihn stellvertretend für die sündige Menschheit und lässt uns so teilhaben an der Auferstehung, an Ostern.

Diese Gnade verschenkt er an die Menschen, die an ihn glauben und macht sie randvoll mit jenem, was niemand benennen kann, aber jeder sucht. Jesus lässt uns mit ihm auferstehen und weist uns den Weg aus der Dunkelheit und den Süchten des Lebens. Er verändert das Leben. Er ist Halt in leidensvoller Zeit, denn er hat für uns gelitten. Alle Osterhasen dieser Welt können mit ihren kuscheligen Fellen oder mit ihrem Schokoladengeschmack nicht die Wärme und Süße geben, die ein Leben mit Jesus beinhaltet. Der Stein ist fort, das Grab ist leer! Wir wollen seine Zeugen sein, denn wir dürfen durch den Heiligen Geist der Welt zurufen: Beendet die Suche! Greift zu! Was fürchtet ihr?

Mit Augustinus wollen wir gemeinsam jubeln: Was für ein Tod, der dem Tod den Todesstoß gab!

 

 

 

Neulich in Trisomien

 

Es geschah vor einigen Jahren in Trisomien und ist an Unmenschlichkeit kaum zu überbieten. Doch der Reihe nach. Von Anfang an soll hier erzählt werden, wie Menschen auf Grund ihres Andersseins schnell in den Fokus perverser Denkansätze geraten. Matusch war ein begnadeter Fußballspieler. Großes Talent, gepaart mit hervorragendem taktischen Sachverstand, sowie das Glück von Verletzungen verschont geblieben zu sein, hatten ihn bereits als Teenager dem sportlichen Olymp ganz nahe gebracht. Mit 17 Jahren war er der jüngste trisomische Nationalspieler aller Zeiten. Von Kindesbeinen an hatte er die Auswahlteams aller Altersstufen der Nationalelf durchlaufen und war nach kürzester Zeit deren überragender Spieler gewesen.

Nun stellte man ihn schon auf eine Stufe mit Pele, Maradona und Messi. Der König von Trisomien war stolz, dass sein Volk einen derartigen Ausnahmesportler hervorgebracht hatte. Das Besondere an Matusch war seine nicht zu erklärende Schusstechnik. Aus unmöglichen Winkeln sprachen seine Torschüsse den Naturgesetzen Hohn und fanden den Weg ins Tor. Das gut gehütete Geheimnis dieser Technik kannten nur Matusch und seine Eltern. Matuschs kleine Zehen waren dick wie junge Karotten und bogenförmig geformt. Des Weiteren waren diese kleinen Zehen auf Grund eines genetischen Defekts ganz leicht in sich gedreht. Das war des Rätsels Lösung seiner phänomenalen Schusstechnik, welche aber nur ein Aspekt unter vielen seines Könnens war. Nun war Matusch in den Kader der A-Nationalelf aufgerückt. An jenem verhängnisvollen Sonntag, an dem Trisomien ein Europameisterschaftsqualifikationsspiel bestreiten sollte, erfuhr Matusch, dass er von Beginn an im Kader stand. Der König von Trisomien war ein enthusiastischer Fußballfan und nahm sich auf Grund seiner Stellung das Vorrecht heraus, während Länderspielen mit auf der Trainerbank zu sitzen. Neben ihm saß dort sein heiß geliebter vierbeiniger ständiger Begleiter, Max der Mops. In der 6. Minute des Spieles setzte Matusch gerade einmal wieder zu einem seiner unwiderstehlichen Flankenläufe an, um dann aus spitzem Winkel diesen rätselhaften Schuss abzugeben, der das Blut der Torhüter aller Gegner gefrieren ließ. Nun ist aber niemand perfekt und eine kleine Bodenunebenheit sorgte dafür, dass der Schuss eine völlig andere Richtung nahm und den mit heraushängender Zunge neben dem König auf der Trainerbank sitzenden Mops Max mit unglaublicher Wucht traf. Anhand der Fernsehaufzeichnung stellte man später fest, dass die Geschwindigkeit des Schusses, der den Mops tötete, 119 km/h betrug.

Der untröstliche Matusch wurde auf Anordnung des Monarchen vom Trainer Trisomiens, der nur eine Marionette des Herrscherhauses war, sofort ausgewechselt, noch in der Umkleidekabine von den Schergen des trisomischen Geheimdienstes festgenommen und an einen unbekannten Ort gebracht. Dort verhörte man ihn 24 Stunden, um herauszufinden, wie das geschehen konnte. Matusch verschwand völlig aus der Öffentlichkeit. Selbst die großen Menschenrechtsgesellschaften wie Amnesty International kamen an keinerlei Informationen. Der König setzte alle Hebel in Bewegung um herauszufinden, warum Matusch diesen unseligen Schuss abgegeben hatte. So blieb es nicht aus, dass irgendwann das Geheimnis seiner genetischen Besonderheit gelüftet wurde. Dann verschwand Matusch und ward bis heute nicht mehr gesehen. Die Medien von Trisomien berichteten auf Anordnung des Monarchen nicht über diesen Skandal und das Ausland ging schnell wieder zum Tagesgeschäft über. Wen interessiert das Schicksal eines Einzelnen in einer kälter werdenden Welt? Der König in seinem blinden Zorn gab den Auftrag, die Füße aller Kinder seines Landes überprüfen zu lassen. 1,3 % der Kinder litten seit der Geburt an der außergewöhnlichen Verformung der kleinen Zehen. Diese Kinder durften ab sofort nicht mehr Fußball spielen. Zudem bekam jedes der Unglücklichen eine Zwangstätowierung in Form eines verdrehten kleinen Zehs auf die Stirn, damit jeder Menschen mit dem Maschisyndrom, wie man es im Volksmund mittlerweile nannte, erkennen konnte. Landesweit wurden pseudowissenschaftliche Symposien durchgeführt, deren Besuch für die Bürger Pflicht war. Dort wurde auf den großen volkswirtschaftlichen Schaden und die hohen Kosten hingewiesen, den dieser genetische Fehler bewirke. Es dauerte nicht lange, bis auch die Medien die Klaviatur der Stimmungsmache bedienten. In diversen Talkshows wurden Horrorszenarios heraufbeschworen, wenn auch die letzten Aufrechten nachfragten, inwiefern Gefahr für die Gesellschaft von derartigen Behinderungen ausging. „Stellen sie sich vor“, antwortete der Gesundheitsminister von Trisomien, „ein Busfahrer fährt im Sommer mit offenem Fenster. Sein Bus ist mit siebzig Menschen besetzt. Ein Maschi spaziert über den Bürgersteig und tritt hinter eine zufällig dort liegende Coladose. Ihm passiert, was Matusch passierte. Er trifft nicht richtig, die Dose fliegt durch das geöffnete Busfenster, trifft den Busfahrer an der Schläfe, dieser wird ohnmächtig und da der Bus sich gerade auf einer Brücke befindet, durchbricht das Brückengeländer und stürzt in einen Fluss. Wer aus dieser Runde will diese Gefahr einfach ignorieren“? Betretenes Schweigen. Der Gesundheitsminister schaut triumphierend in die Runde. Maschis abtreiben? Pro und Contra, so lautete der Untertitel der Talkshow. Die Umfrage vorher ergab 80 % nein, 15 % ja, 5 % weiß nicht. Nach der Sendung stimmen die Befragten mit 90 % ja, 8 % nein, 2 % weiß nicht. Irgendwann wirkte die tägliche Gehirnwäsche und die Bürger waren, bis auf wenige Ausnahmen, überzeugt, dass die Maschis, wie sie mittlerweile abwertend genannt wurden, eine untragbare wirtschaftliche Belastung und Gefahr für das Land waren. Ärzte, die nicht auf die Möglichkeit der Abtreibung hinwiesen und somit einem Maschi das Leben ermöglichten, wurden verurteilt, ihr Leben lang Unterhalt für dieses Kind zu zahlen. Urlauber in Hotels klagten auf Wertminderung und weigerten sich im selben Raum wie die Maschis zu essen, da sie annahmen, die Behinderung sei ansteckend. Die meisten Menschen von Trisomien, die sich für ein Kind entschieden, ließen daher durch eine Fruchtwasseruntersuchung feststellen, ob ihr Kind auch an dieser Behinderung litt. Bei positivem Befund entschieden sich 90 % zu einer Abtreibung. Um aber die Risiken einer Fruchtwasseruntersuchung zu umgehen, entwickelte die Pharmaindustrie von Trisomien einen Bluttest, mit dem man völlig einwandfrei feststellen konnte, ob das Kind am Matuschzeh, wie die Behinderung mittlerweile unter der Hand genannt wurde, litt. Die Abtreibungsquote stieg von 90 auf 100 %. Eine ganze Menschengruppe wurde ausgemerzt. Widersetzte sich ein Elternpaar dem Druck der Gesellschaft und kam trotzdem einmal ein Kind mit dieser Behinderung auf die Welt, mussten sich die Eltern den vorwurfsvollen Fragen der Mitmenschen stellen und waren ihr Lebtag geächtet. Trisomien gibt es natürlich nicht und auch die Geschichte ist nur erfunden. Sie soll zeigen, wohin eine entmenschlichte Gesellschaft driftet, die sich anmaßt über lebenswertes und lebensunwertes Leben zu urteilen. Wir können von Glück reden, dass in unserem Land mit dem christlich geprägten Menschenbild, jedem derselbe Wert beigemessen wird und Vorgänge wie die in dieser Fabel beschriebenen undenkbar sind. In der Tagesschau wäre das Thema über Tage der Aufmacher. Die Boulevardzeitungen träten endlich einmal wirklich für das Gute ein. Die Christen, egal welcher Glaubensrichtung würden im Namen von Jesus Christus ihre Stimme erheben und Unterschriftenlisten mit Millionen von Unterstützern an die Politiker senden (war nur Sarkasmus ;).

Wer die Früchte der Konsumgesellschaft mehr schätzt, als die Früchte des Leibes, wird ernten, was er sät.

 

 

 

 

 

 

Maigedanken

 

Wonnemonat. Besinnen wir uns auf alles, für das wir dankbar sein sollten. Kein Monat bläst wie dieser zum Aufbruch zu neuen Ufern. Huldigen wir der Wonne des täglichen Lebens. Ärgern wir uns nicht über belanglose Dinge. In den meisten Fällen müssen wir ihretwegen nicht einen Happen weniger essen oder Durst leiden. Welch ein Wunder und welch eine Freude ist dieses Leben, für den, der mit offenen Augen durch die Welt geht. Freue dich am Erwachen der Natur. Zehn Minuten den Vögeln beim Sonnenaufgang zu lauschen, erzählt dir mehr vom Leben und von Gott, als alle Talkshows oder abstumpfenden Unterhaltungssendungen unserer schönen neuen Medienwelt. Der große Lottogewinn, der berufliche Erfolg, der erste Platz schenkt dir nicht eine Minute mehr an Lebenszeit. Denn wir können unauslöschliche tiefe Spuren der Liebe hinterlassen in den Herzen der Menschen. Spuren der Rücksicht, der Zärtlichkeit, der Vergebung, der Nähe, der Hilfe, bringen mehr Leben in dein Dasein als toten Dingen nachzujagen. Das Wunder der Schöpfung möge dir mehr und mehr bewusst werden, vielleicht jedes Jahr im Mai auf das Neue, denn er bietet sich bestens  dafür an. Dann lernst du das Leben zu begreifen und zu akzeptieren. Auch der Tod verliert seinen Schrecken und behindert dein Leben nicht durch seine Angst einflößende Gegenwart. Genieße den Augenblick. Vielleicht gehst du heute das letzte Mal mit deinem Kind schwimmen, ohne es zu ahnen, weil es erwachsen wird und du es nicht festhalten kannst. Vielleicht hilfst du das letzte Mal deinem Nächsten, weil er alt ist und sein Leben sich dem Ende schneller nähert, als du denkst. Alles ist nicht nur das erste Mal, sondern auch irgendwann unwiderruflich das letzte Mal. Wie viel Freude und Liebe kannst du in diese Welt bringen! Wenn du also heute erwachst, dann freue dich, dass du ein Teil dieser wunderbaren Schöpfung sein darfst. Betrachte den vor dir reich gedeckten Tisch, die Speisen und Getränke und werde dir einmal bewusst, welches Privileg es ist, in diesem, unserem reichen Land, geboren zu sein. Wenn du auf dem Weg zur Arbeit bist, betrachte mit offenen Augen des Staunens die Farben und Formen der dich umgebenden, förmlich explodierenden, neu erwachenden Natur. Phil Bosmans erzählt, wie die Menschen versuchten einen Grashalm nachzumachen. Das Ergebnis war ein totes Stück grüner Kunststoff. Die echten Grashalme hingegen sind ein Wunderwerk Gottes, das jedem Menschen Gottes Existenz beweist. Sei an dem Platz, an den Gott dich gestellt hat, ein Mensch, der Freude, Frieden, Sanftmut, Güte und Liebe verströmt. Stimme nicht mit ein in den Chor der Miesepeter, die aus jeder Mücke einen Elefanten machen. Sei gelassen, wenn du auf Fehler triffst und sei dir bewusst, auch du bist nicht perfekt. Kritisiere nicht am Nächsten herum, sondern sei nachsichtig, wie andere mit dir nachsichtig sind. Jesus sagt: „Sieh auf die Balken in deinen Augen, bevor du die Splitter in den Augen der anderen bemängelst“. Schenke den dir heute Begegnenden ein Lächeln oder gar eine Umarmung. Auch denen, bei denen es dir schwer fällt. Vielleicht brauchen gerade sie es besonders. Erwarte keine Gegenleistung und durchbreche den Kreis der emotionalen Kosten-Nutzen Rechnung. Jesus sagt: „Wenn jemand deinen Mantel will, dann biete ihm auch das Hemd, wer dich bittet, dem gib, was du hast. Erweise deinen Feinden Gutes“. Wer das beherzigt wird Barrieren überwinden und Mauern zum Einstürzen bringen. Vergeude die Zeit nicht mit der ununterbrochenen Berieselung durch die Medien. 90 % der Informationen sind unwichtig und dienen nur dazu, dich zu fesseln, dich zu unterhalten,  dir deine besser zu nutzende Zeit zu stehlen und dir den Konsum von Dingen zu empfehlen, die man eigentlich nicht braucht. Nutze die Zeit, um Einsame zu besuchen, Armen zu helfen, Fremde zu unterstützen, junge Menschen zu formen, alten Menschen Wertschätzung zu geben. Dann bringst du Wärme in eine kälter werdende Zeit. Übe dich in Dankbarkeit, sei demütig und gib dem Größeren, der uns beschenkt, die Ehre, die ihm gebührt. Er beschenkt jeden, der ihn bittet mit innerem Frieden, Hoffnung, Trost, Gelassenheit und Lebensfreude. Ein Leben mit Gott hat eine Tiefe, die keine Menschen und keine Dinge geben können. Der Mensch denkt, was nichts kostet, kann nichts sein. Jesus ist umsonst und der einzige Reichtum, der die Welt überdauert. In manchen Momenten des Lebens erhaschen wir einen winzigen Blick ins Paradies. In manchen Momenten des Lebens zwingt es uns, einen Blick in die Hölle zu werfen. Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt und alles dazwischen ist dieses unser Leben. Ist der Sinn dieser kurzen Zeitspanne Besitz zu sammeln, Anerkennung von Menschen zu ernten, sein Recht durchzusetzen? Du sollst den Herrn deinen Gott lieben. Du sollst den Nächsten lieben, wie dich selbst. Beides wären Gebote, die, so sie denn ernsthaft angewendet würden, die Welt friedvoller und schöner gestalteten. Versuche in jedem Menschen, der dir begegnet, ob griesgrämig, ob aggressiv, ob böse oder misstrauisch die reine unberührte Seele des Tages der Geburt zu sehen und hinterfrage, wie es dazu kam, dass die Gesellschaft aus ihm machte, was er heute ist. Jeder hat sein Kreuz zu tragen. Gib deines an Jesus ab, wenn es zu schwer wird und empfehle das auch den Mitmenschen. Sei gütig und vergib immer wieder, so wie Jesus es predigte. Der Mensch ist ein winziges Sandkorn in Raum und Zeit und trotzdem kennt der Schöpfer jeden und geht ihm ein Leben lang nach. Halte inne und versuche ein göttliches Salzkorn unter ungewürzten Speisen zu sein.  

Tanze also voller Lebensfreude in den Mai, denn Licht im Dunkel sollen wir Christen sein.

 

 

Neulich

 

Las ich, dass unser Universum vor 13,7 Milliarden Jahren durch einen Urknall entstand. Stephen Hawking, für viele die wissenschaftliche Koryphäe unserer Zeit schlechthin, behauptet, dass alles durch eine "spontane Schöpfung" entstand und er dieses auch belegen könne. Wir benötigten deshalb keinen Schöpfer. Ich stelle mir vor, das große Eingangstor einer Autofabrik öffnet sich und es gibt einen Knall. Alle Tausende Einzelteile eines Autos schöpfen sich plötzlich und fliegen, aus dem Nichts kommend, in die Fabrik. Am Ausgangstor der Fabrik steht ohne jedwedes Zutun eines intelligenten Ingenieurs oder der Facharbeiter, die das Auto zusammenschrauben, ein fertiges Auto, welches perfekt funktioniert und allen Gesetzmäßigkeiten der sinnvollen Benutzung Genüge tut. Da bin ich ehrlich froh, dass ich in meinem naiven Kinderglauben an einen Schöpfer glaube, auch wenn ich immer wieder ein hämisches Lächeln dafür ernte, dass es mir nicht einleuchtet, dass unsere Erde mit allen ihren Wundern und den ineinander greifenden, zwingend erforderlichen Gesetzmäßigkeiten für das Überleben, dass jeder einzelne wunderbare Mensch, jedes Lebewesen, jede Pflanze aus dem Nichts entstand und wir einfach nur ein Zufall sind. Sei es drum, ich glaube an den großen Gott, unseren Schöpfer

 

 

 

 

EXODUS ADVERSUS                                                                                     Jeremia 5, 5-7

 

 

 

Meier strahlte voller Vorfreude. Die Arbeit ging ihm leicht von der Hand. Heute zeigte er sich allen  Kollegen von seiner freundlichsten Seite. Nur noch wenige Stunden, dann war der wohlverdiente Urlaub erreicht.  Morgen früh um neun Uhr startete der Flieger nach Casablanca.  Acht unbeschwerte Tage in einer herrlichen Ferienanlage in Marokko erwarteten ihn, seine Frau und seine beiden Kinder. Endlich konnten sie einmal ohne Pflichten die Seele baumeln lassen. Endlich einmal aus dem Hamsterrad des Alltags aussteigen. Noch ahnte er nicht, von welcher zarten Zerbrechlichkeit die  Gedankenspiele der Menschen manchmal sein konnten. Noch glaubte er voller Vertrauen in die Intelligenz der Spezies Mensch, derselbe habe die Natur im Griff, trotzdem die Katastrophenmeldungen aus aller Welt ihn eigentlich eines Besseren hätten belehren müssen. Vielleicht waren die Menschen aber mittlerweile so abgestumpft, dass das Gehirn Derartiges nur noch in den dunklen Aktenregalen der Mitleidslosigkeit und der Abgestumpftheit ablegte. Auf dem Heimweg wollte Meier sich eigentlich mit sommerlicher Popmusik einen weiteren Endorphinschub verpassen. Doch auf allen Sendern liefen Eilmeldungen desselben Themas. Der Bardabunga, seines Zeichens der größte Vulkan Islands, hatte in der Nacht begonnen, Feuer zu spucken und Experten hielten einen gigantischen Ausbruch für kurz bevorstehend. Meier registrierte das nebenbei, ohne sich seine gute Laune verderben zu lassen. Wen interessierte schon ein Vulkan in Island, wenn acht herrliche Tage Strand und Sonne in seinem Kopfkino liefen? In den Tagen zuvor hatte er gemeinsam mit den Kindern bereits an Hand einer akribisch aufgestellten Liste das Gepäck zusammengestellt, bevor es die Gewichtsendkontrolle durchlief. Die Waage war zum meistgenutzten  Gebrauchsgegenstand des Haushalts mutiert, erinnerte er sich schmunzelnd. Nach einem letzten Kontrollgang über ihr großzügig bemessenes Grundstück ließ sich Meier gegen 20.00 Uhr seufzend in seinen Fernsehsessel fallen, um sich von der Tagesschau mit den Neuigkeiten des Tages versorgen zu lassen, bevor er diesem Ritual für einen kurzen Zeitraum untreu wurde. Wie für Millionen andere Mitmenschen brach innerhalb der nächsten zehn Minuten seine kleine, heile Welt zusammen. Mit Grabesstimme verkündigte ein sichtlich mitgenommener Nachrichtensprecher, dass der größte isländische Vulkan, der Bardabunga um 15.37 Uhr ausgebrochen sei. Jeder Vorhersage zum Trotz habe es eine Eruption gegeben, wie es selbst die Experten nicht für möglich gehalten hätten. Im Umkreis von 600 km bestehe keine Hoffnung auf Überlebende. Eine riesige Aschewolke, von der Konsistenz so dick wie Schnee, bewege sich im Zeitlupentempo Richtung Europa. Diese werde in den nächsten 24 Stunden Deutschland erreichen. Die Folgen wären, dass der Himmel sich verdunkele und zwar derart, dass es über Tage oder sogar Wochen selbst mittags dämmrig bliebe. Asche würde Abwasserrohre blockieren, Mobiltelefone lahm legen und Generatoren verkleben. Auch viele Flüsse wären verstopft.  Die Asche läge knietief und Häuser liefen Gefahr beim nächsten Regen unter dem Gewicht des Wasser-Asche-Gemisches zusammenzubrechen. Der Vulkanauswurf würde die Felder der Landwirte bedecken. Alle frei laufenden Tiere wären  dem Tod ausgeliefert und ohne Atemschutz auch viele Menschen. Der vulkanische Winter würde Jahre andauern und voraussichtlich selbst noch bis Italien die Ernten ruinieren. Hungersnöte wären die unausweichlichen Folgen. Direkt und indirekt könnten mehr als eine Milliarde Menschen durch diese Supereruption sterben. „Und nun wendet sich unsere Bundeskanzlerin an sie“, beendete der Ansager die Hiobsbotschaft. Meier wartete darauf, dass jeden Moment dieser „Verstehen sie Spaß“ Clip, welcher sich offensichtlich an die Radioreportage „Krieg der Welten“ anlehnte, die 1938 in den USA in seiner Hörspielversion durch Orson Wells uraufgeführt wurde und  für eine Massenpanik gesorgt hatte, als ein solcher erkennbar gemacht und beendet würde. Doch er wurde eines Besseren belehrt. Die Bundeskanzlerin erschien mit besorgter Miene  und gramgebeugtem Oberkörper auf dem Bildschirm. Meier fiel sofort auf, dass ihre Hände, die wie immer ihre typische Raute bildeten, ein wenig zitterten. „Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger“, begann sie ihre Rede, „als Politikerin und stolze Bundeskanzlerin dieses wunderbaren Landes ist es heute meine traurige Pflicht, ohne etwas zu beschönigen, die Bevölkerung dieses Landes darüber zu informieren, dass eine Katastrophe, die in dieser Form nicht vorhersehbar war, auf unsere Bundesrepublik zurollt. Innerhalb der nächsten 24 Stunden erreicht uns eine Aschewolke, die unser Land förmlich unter sich begräbt. Ich bitte alle Bürgerinnen und Bürger der Bundesrepublik den öffentlichen Katastrophenschutzorganisationen Folge zu leisten und vorerst Ruhe zu bewahren. Die Disziplin, der Ideenreichtum, der unser Land zu dem machte, was es heute ist, wird die Menschen dieser Republik erneut Wege finden lassen, mit dieser Katastrophe umzugehen sowie individuell die Flucht zu planen und durchzuführen, um seine Lieben und sich zu retten, davon bin ich fest überzeugt. Ganz besonders bitte ich sie darum, nicht die Alten, Behinderten und Hilflosen im Stich zulassen. Ich bin in Gedanken bei Ihnen und werde alles mir Mögliche tun, um zu retten was zu retten ist. Ich danke ihnen für ihre Aufmerksamkeit“! Die Deutschlandflagge erschien, die Deutschlandhymne erklang. Dann wurde der Bildschirm dunkel. Meier saß ungläubig und vor Entsetzen wie gelähmt vor dem Fernseher. Nach dem ersten Schock raste er zum Wohnzimmerschrank und riss den Dokumentenkoffer an sich, der die wichtigsten Dokumente seines bisherigen Lebens enthielt.  Innerhalb einer halben Stunde saß er mitsamt seiner Familie, die er bestimmt, aber ohne Panik zu verbreiten über den Sachverhalt und seinen improvisierten Notfallplan informierte, im fix beladenen PKW und machte sich auf den Weg zum Flughafen. Als pragmatisch denkender Familienvater, der wusste wie man sich und seine Schäfchen ins Trockene brachte, erschien ihm die nächstmögliche Rettungsaktion vorerst der Flug in den Urlaub nach Marokko zu sein.  Marokko lag nicht in dem Korridor den die Aschewolke überquerte, wie auf einer Computeranimation in der Tageschau zu sehen gewesen war.  Als Meier aus der Grundstückseinfahrt bog, warf er im Rückspiegel wehmütig einen letzten Blick auf die Deutschlandflagge die den Fahnenmast vor seinem Haus zierte und die schlaff herunterhing als hätte auch sie jede Zuversicht verloren. Dann erreichte er die Bundesstraße zum Flughafen. Er registrierte mit Entsetzen, dass Massen von Menschen Deutschland auf dem gleichen Weg wie sie verlassen wollten. Eine lange Autoschlange kroch Richtung Flughafen. Wohin man schaute bleiche, ratlose Gesichter. Die Ordnungskräfte hatten aufgegeben und ließen den Dingen ihren Lauf. Stunde um Stunde stand Meier mit seiner Familie im Stau. Der Abflugtermin des gebuchten Fluges nach Marokko rückt unerbittlich näher. Im Sekundentakt erschienen neue Horrornachrichten auf dem Smartphone. Endzeitstimmung machte sich im Land breit. Das Display vermeldete erste  Plünderungen in den Großstädten. Der Nahverkehr war völlig zusammengebrochen. An der ungarischen Grenze rissen die Menschen die gerade errichteten Zäune wutentbrannt mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Geräten wieder nieder, damit sie aus ihrem Land vor der Katastrophe flüchten konnten, las Meier. Je näher sie mit ihrem PKW dem Flughafen kamen, umso größer wurde das Chaos. Drei Stunden blieben noch  bis zum gebuchten Flug. Noch ca. 1 Kilometer hieß es bis zum Parkhaus zu bewältigen, doch nicht einmal mehr im Schritttempo ging es voran. Meier stellte den Motor ab, ließ sein Auto einfach stehen und macht sich mit seiner Familie und den Rollkoffern im Schlepptau zu Fuß auf die letzten tausend Meter. Die wütenden Rufe und das Hupen der anderen Autofahrer die nun hinter dem verwaisten PKW ganz stehen bleiben mussten kratzten ihn nicht. Letztendlich war sich doch jeder selbst der Nächste. Er trieb seine Familie zur Eile an. Schon bald erreichten sie den Flughafen und begaben sich zum  Check-in Schalter. In der Abflughalle wimmelte es von herumirrenden, hilfesuchenden und angstvollen Menschen wie in einem Ameisenhaufen. Meier blickte zum Timetable um die Check-in Schalternummer ihres Flugs zu ermitteln. Zum Glück befanden sie sich in dessen unmittelbarer Nähe. Schnell gab er dort die Personalausweise und die Flugtickets ab. Dann stellte er die Koffer auf das Band  und begab sich dann mit den Bordkarten zur Sicherheitskontrolle. Seine Familie, welche den Ernst der Situation immer noch nicht ganz begriffen zu haben schien, folgte ihm wie einst die Kinder dem Rattenfänger von Hameln. Immer wieder trieb er sie zur Eile an. Ein Mitarbeiter des Flughafens gab über die Lautsprecheranlage durch, dass erst die Passagiere mit gültigen Flugtickets in die gebuchten Länder ausgeflogen würden und im Anschluss die Reisenden ohne Ticket sich an den Schaltern anstellen sollten. Soweit es die Kapazitäten erlaubten,  würde Flieger auf Flieger die vor der Katastrophe flüchtenden ausfliegen. Wie in Trance erreichte Meier mit seinen Familienmitgliedern das Flugzeug. Aus den Augenwinkeln sah er noch, dass bereits die ersten Verzweifelten versuchten über die Zäune zu klettern um das Rollfeld zu erreichen, jedoch von den aufmerksamen Sicherheitskräften, teils gewaltsam, daran gehindert wurden. Dann hatten sie endlich wohlbehalten ihre Sitze erreicht und sanken erschöpft und trotz ihrer Perspektivlosigkeit auf widersprüchliche Weise erleichtert in die Polster. Als das Flugzeug abhob verbreitete sich eine gespenstische Aura der Hilflosigkeit und eine unheimliche Stille im Flieger. Verzweiflung, Trauer und Fassungslosigkeit wurden förmlich mit den Händen greifbar. Erst jetzt wurde wohl den Meisten das gebuchte Glück klar, welches sie in dieser Maschine sitzen ließ und das sie vorerst vor dem Tod und der Vernichtung rettete. Meier aber wurde blitzartig die ganze Tragweite der Tragödie  bewusst. Was war denn nach den acht Tagen Urlaub, schoss es ihm plötzlich durch den Kopf. Woher bekamen sie Geld zum Leben? Gab es überhaupt noch so etwas wie Banken? Wie war die Weltgemeinschaft auf solche Katastrophen vorbereitet? Wie groß war die Solidarität der restlichen Erdenbewohner mit den Schwestern und Brüdern, die wirklich alles verloren hatten? Welche Versicherungen existierten noch? An wen musste man sich wenden? Alles, wirklich alles schien verloren. Sein lebenslanges Streben war umsonst gewesen und vergangen wie eine Schneeflocke im Hochsommer. Was nutzte ihm nun seine ganze Vorsorge. Rente, Lebensversicherung, Fonds, Geldanlagen, Güter, Immobilien, alles nur noch Schall und Rauch. Es erschien ihm surreal, dass das alles umsonst gewesen sein sollte und von jetzt auf gleich verloren. Wenn auch die Erleichterung überwog erst einmal in Sicherheit zu sein. Sein ganzes Leben war er seines Glückes Schmied gewesen und davon blieb im wahrsten Sinne des Wortes jetzt nur noch Asche. Er konnte  nicht glauben, dass Tiere, Pflanzen, Gebäude, Plätze, geliebte Orte, ein blühendes Land, einfach alles, in wenigen Stunden unter einer todbringenden Ascheschicht verschwunden sein sollte. Wie ging es nun in Marokko weiter? Sollte dieses Leben, das man als selbstverständlich betrachtet hatte, wirklich vorbei sein. War es nicht mehr gewesen als Monopoly, wo auch am Ende alles wieder in die Kiste kam? Meier fiel nach einiger Zeit in einen unruhigen, der Erschöpfung geschuldeten Dämmerzustand. Als er kurz vor Casablanca hoch schreckte, gewann ein vorsichtiger Optimismus die Oberhand. Er betrachtete von der Seite das tränenverschmierte Gesicht seiner schlafenden Frau und die besorgten, auf ihn vertrauenden Gesichter seiner Kinder. Er durfte jetzt nicht auch noch Schwäche zeigen, wenn gleich ihn seine Ohnmacht tief beschämte. In einem wenig strukturierten Land wie Marokko mussten doch einer gebildeten Familie wie der Seinen alle Türen offen stehen und hatte Deutschland nicht vor drei Jahren die Flüchtlinge aus Nordafrika mit einer viel gelobten Willkommenskultur empfangen? Vielleicht warteten sie in Marokko förmlich auf Eliteflüchtlinge, wie sie es waren? Nach der Landung in Casablanca hielt das Militär sie in der Abflughalle gefangen und verwehrte  ihnen diese zu verlassen um per Bus in die Urlaubsdomizile gebracht zu werden. Die Abflughalle war von europäischen  Flüchtlingen aller Herren Länder überflutet. Ein leidlich englisch sprechender Soldat versuchte ihnen über ein Megaphon den Grund für ihre unfreiwillige Einkesselung klar zu machen. Vor der Halle hatten sich tausende  Demonstranten der Nanogedmo (Nationale Nordafrikaner gegen Europäisierung des Morgenlandes) versammelt, welche mit Knüppeln, Macheten und anderen schlagkräftigen Gegenständen des alltäglichen Gebrauchs bewaffnet waren. Wenn Meier die Sprache beherrscht und die Schrift auf den Plakaten und Schildern hätte lesen können, dann wäre er mit Parolen, wie  „Wir sind Afrikaner und ihr nicht“, und „Raus mit den Schweinefleischfressern“ konfrontiert worden. Verängstigt drückten sich seine Frau und seine Kinder an Meier. Seinem Sohn liefen Tränen der Angst über die Wangen und seine Tochter schaute mit schreckensgeweiteten Augen auf den Mob. Meier ballte hilflos und ohnmächtig ob der Welle der Ablehnung und des Hasses die Fäuste. Er starrte auf die unwirkliche Szenerie und hoffte immer noch, aus diesem Alptraum zu erwachen, als sein Smartphone klingelte. Eine What´s App Nachricht, welche am Vortag um 16.00 Uhr geschrieben worden war, hatte sein Gerät auf geheimnisvolle Weise erreicht.

 

Er las: Sei gegrüßt Kamerad. Bei Twitter macht ein Gerücht von einem katastrophalen Vulkanausbruch die Runde. Unsere heutige PEGIDA Demonstration fällt vorsorglich aus!

 

 

 

 

 

 

Junigedanken

 

Zaghaft macht sich die Sonne einen Namen durch Wärme, die den Körper und die Seele verwöhnt. Vögel, die in aller Frühe ihr Lied zum Lob des Schöpfers erklingen lassen. Gutgelaunte Menschen, die sich auf einen langen Sommer der milden Abende freuen und die Seele neu einstimmen und ausrichten auf den Nächsten. Goldene Strahlen der Sonne sollen tief ins Herz dringen und uns empfindsamer machen für jene, die im Dunkel sind. Wieder einen Monat Zeit das Gute im Menschen zu sehen. Nie aufgeben das Positive hervorzuheben und das Negative zu verstehen und zu akzeptieren. Welchen Sinn ergibt es, sich die wunderbare Welt durch kleine Nichtigkeiten vermiesen zu lassen? Jeder neue Tag kann vergiftet oder gelebt werden, aber nur einmal. Versuchen wir in sonniger Zeit Gegenwind zu werden in einer Gesellschaft, die immer das Negative, die Fehler hervorhebt. Beginnen wir bei unseren Nächsten damit, in der Familie, im Beruf, in der Schule. Hören wir auf zu verurteilen, denn Jesus sagt, mit dem Maß mit dem wir urteilen, werden wir selbst beurteilt werden. Wie können wir uns dann anmaßen ganze Völker und Kulturen zu beurteilen oder gar zu verurteilen, um uns selbst zu erhöhen? Wie schnell geschieht das schon, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, in unserem kleinen begrenzten Umfeld. Wie scharf ist das Schwert unserer Zunge. Fehler bei anderen zu suchen ist eine genauso mühselige Arbeit, wie Goldkörner aus dem Fluss zu waschen.Man siebt und siebt, tagein, tagaus und wenn man Erfolg hat findet man ein winziges Körnchen, über das es kaum zu reden lohnt. Dann hält man sich für den König und macht aus dem Körnchen einen Goldklumpen. So ist es auch mit der Fehlersuche. Viel Aufwand für die den Nächsten verletzende Selbstbeweihräucherung und Rechthaberei. Ist es das wirklich wert? Wer seine Mitmenschen tagtäglich in ihre Einzelteile zerlegt, wird nie das Ebenbild Gottes im Gegenüber erkennen.

Man hat im Ehepartner, im Kind, im Freund, in jedem Menschen, egal welcher Herkunft, ein Goldstück Gottes vor sich. Unendlich wertvoll, wenn man mit liebenden Augen sieht.

Lass deshalb die Sonne deines Herzens noch heller strahlen als die Sonne des Junis und die Seele deines Nächsten mit Wärme berühren.

 

Der Vagabund

 

Ein ostwestfälischer Landregen war an jenem Tag mein Begleiter, als ich morgens aus der Tür trat, um mich auf den Weg zu meinem Arbeitsplatz zu machen. Die ersten Kunden warteten bereits vor der Tür des Reisezentrums, als ich auf diese zusteuerte, um aufzuschließen. Wie das Wetter, so war an diesem Morgen die Laune der Kunden. Ein Übriges hatte eine Dokumentation am Vorabend über die „böse Bahn“ getan, die im öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramm gelaufen war. Echte und konstruierte Pannen und Fake-News hatte man so geschickt miteinander  verschachtelt, dass die Bahn am Ende wieder einmal nur schlecht aussehen konnte. Die Früchte ernteten wir kleinen Lichter an der Basis. Doch wie immer blieben die Mitarbeiter des gesamten Teams nett und bewahrten die Contenance. Jeder Einzelne hatte sich über die Jahre zum Seelsorger, Hobbypsychologen, Ersthelfer und Beschwerdeempfänger weiterentwickelt. Um es überspitzt zu sagen, man machte uns an manchen Tagen für tausenderlei große und kleine Katastrophen und Missgeschicke auf der Erde verantwortlich. Allein dreimal war meine Lieblingsfrage schon in dieser Schicht gestellt worden: „Könne sie mir auch garantieren, dass dieser Zug an jenem Tag pünktlich fährt“? Da ich nicht meinen besten Tag hatte, antwortete ich dem Ersten, dass ich heute Morgen zu meinem Entsetzen die Kristallkugel, mit der ich normalerweise in die Zukunft schaute, zu Haus auf dem Frühstückstisch stehen gelassen hatte. Dem zweiten entgegnete ich: „Aha, sie haben also meine Flügel entdeckt und somit herausgefunden, dass ich ein vom Himmel gefallener Engel bin, der sämtliches Wissen über die Vergangenheit, Gegenwart und die Zukunft sein Eigen nennt“! Der Dritte, kurz vor Feierabend, hatte Pech. Diesem antwortete ich auf die Frage nach der zukünftigen Pünktlichkeitsgarantie: „Nur, wenn sie mir garantieren, dass sie dann noch leben." Zugegeben, die erste schwere Niederlage eines vermeintlichen Christen an diesem Tag, aber nicht die letzte. Dem setzte ich fünf Minuten vor Feierabend noch die Krone auf, als ein Kunde von mir erwartete, dass ich mich zum zwanzigsten Mal in dieser Schicht rechtfertigte, für die, laut gestriger TV-Dokumentation, eklatanten Pannen und massenhaften Verspätungen der Bahn. Da ging der Gaul mit mir durch und ich erklärte ihm mit todernster Miene, dass es daran lag, dass jedes Jahr im September neue Lokführer eingestellt würden und diese sich des Anfangs schon einmal verfuhren. Der Kunde nickte zufrieden, murmelte: „Ach so“, und verließ unter meinem verblüfften Blick den Schalter. Ich begab mich auf den Heimweg und erfreute mich an unserem neuen PKW, der mit allem Zipp und Zapp modernster Technik ausgerüstet war. Klimaanlage, Musikcenter, Navi, Einparkhilfe, Funkverriegelung, Tempoautomatik etc. Wie groß und unverdient war doch das Privileg, in diesem reichen Land geboren zu sein. Hinter einer sehr unübersichtlichen Kurve sah ich ihn. Ein alter Mann im Dauerregen, einen Koffer in der Hand, den Daumen erhoben. Diesen seltenen Anblick eines Anhalters hatte ich seit den 70er Jahren nicht mehr gesehen und da waren es eher  junge Menschen, die diese Art des Fortkommens nutzten. Ich bremste und kam in Höhe des Anhalters zum Stehen. Er öffnete die Beifahrertür und fragte, ob ich ihn bei dem Sauwetter ein Stück weit mitnähme. „Immer herein“, antwortete ich jovial. Eine leichte Alkoholfahne schlug mir entgegen, als sich der Straßenrandreisende mit einem Seufzen in den Sitz fallen ließ. Dem kleinen Koffer, den er vorher auf den Rücksitz deponierte, aber auch der abgewetzten Kleidung, die der Fremde trug, sah man an, dass sie schon bessere Zeiten erlebt hatten. Wir kamen ins Gespräch. Bereitwillig breitete mein neuer Mitfahrer sein verkorkstes Leben vor mir aus. Aus gut bürgerlichen Verhältnissen stammend hatte er kurz nach seinem 50. Geburtstag seinen Arbeitsplatz verloren, dann immer mehr dem trügerischen Tröster Alkohol zugesprochen. Seine Frau reichte die Scheidung ein, da sie seine Lethargie nicht mehr ertrug. Er verlor Haus und Hof und landete in der Obdachlosigkeit. So bediente er jedes Klischee des sozialen und menschlichen Abstiegs, über das er sich in jungen Jahren noch spöttisch ausgelassen hatte, wie er voller Selbsterkenntnis und Reue anmerkte. Mit seinem Schwerbehindertenausweis, den er nach einem selbst verschuldeten Unfall als Fußgänger unter Alkoholeinfluss besaß, durfte er den Nahverkehr in Deutschland frei nutzen, was er reichlich tat. Ein ruheloser Mensch sei er und stets unterwegs, um nicht in irgendeiner dunklen Ecke einer fremden Stadt elendig zu vegetieren. Zu seinem Glück träfe er immer wieder auf nette Menschen, die ihm halfen. „Sie sind Christ?“, fragte er dann und deutete auf das am Rückspiegel baumelnde Kreuz. Ohne eine Antwort abzuwarten, fuhr er fort. „Mit Christen habe ich nur die besten Erfahrungen gemacht. Die haben immer eine Mahlzeit für mich, eine Duschmöglichkeit und ein Bett zum Übernachten. Nie wurde ich abgewiesen“. Ein Stich fuhr in meinen Magen, da ich mir ausmalte, was nun kommen würde. Wie sollte ich das Mitbringen dieses Vagabunden meiner Familie erklären? Für irgendetwas in der Ferne spenden, Unterschriftenlisten unterschreiben, Sonntag in die Messe gehen. Das war doch bisher eher mein Christenleben gewesen. Wann waren mir schon einmal so hautnah Armut, Hilflosigkeit und Schmutz begegnet? Händeringend suchte ich nach Ausreden. Mir fiel keine ein. Okay Gott, dachte ich, erwischt. Irgendwie wird das schon klargehen. In diese, meine wenig den Nächsten liebenden Gedanken, sprach mein Gast hinein:  „Würden sie wohl bitte einen kleinen Umweg machen? Wenn sie dort vorne rechts abbiegen kommen sie zum Pfarrhaus der Gemeinde. Die dort lebenden Menschen der Pfarrersfamilie sind Christen voller Nächstenliebe und geben mir immer wieder für ein paar Tage Quartier. Es wäre nett, wenn sie mich dort absetzten“. Ein mittleres Gebirge stürzte von meinem Herzen. Freudig bog ich ab und ließ meinen Reisebegleiter, der sich überschwänglich bedankte, am Gartentor der Pfarrersfamilie aussteigen. Abends las ich beschämt in der Bibel, dass wir jenes was wir den Kleinsten an Gutem tun, an Jesus tun. Sind wir nicht erstarrt in Traditionen und Riten? Wie christlich leben wir den Rest der Woche, nachdem sich die Tür der Kirchengemeinde am Sonntag beim Hinausgehen hinter uns schließt? Was setzen wir, die wir uns Christen nennen, im täglichen Leben von dem, was Jesus uns aufträgt zu tun, um? Einmal mehr wurde mir bewusst, welches große Privileg es ist, dass wir die Bedienungsanleitung für unser Leben, die Bibel, von Gott geschenkt bekamen und dass Jesus unsere Schuld und unser Versagen an das Kreuz getragen  und gesühnt hat. Jeden Tag haben wir somit die Chance, neu zu beginnen und ernsthaft am Reich Gottes bereits jetzt hier auf Erden mitzubauen.    

 

Verkündige das Evangelium.

 

Wenn nötig, nimm Worte zur Hilfe.

 

 

 

(Franz von Assisi)

 

 

Morgenlob

 

Jesus, wieder einmal hat das von dir geschaffene Wunderwerk des menschlichen Körpers seinen stillen Dienst im Hintergrund verrichtet und mich heil durch die Nacht gebracht. Wieder einmal darf ich das Erwachen der Natur, den majestätischen Sonnenaufgang und das beginnende Leben ringsum bewundern. Voller Demut wende ich mein Gebet an dich, Alpha und Omega, denn aus mir selbst geschieht nichts Gutes ohne deinen Heiligen Geist, den Tröster, den Ratgeber, den du uns als Begleiter schenktest. Danke Jesus, für die Speisen, die ich heute zu mir nehmen darf. Danke für die Menschen, die an meiner Seite stehen und es jeden Tag mit mir aushalten. Danke für alle Schwestern und Brüder, die ich heute treffe. Den Mürrischen und Garstigen möchte ich verständnisvoll begegnen. Den Abweisenden und Aggressiven möchte ich barmherzig begegnen. Den Verzweifelten und Trauernden möchte ich tröstend begegnen. Den Jungen und Alten möchte ich weise begegnen. Den Glücklichen möchte ich mich mit freuend begegnen. Den Fremden und Einsamen möchte ich beistehend begegnen. Doch ich weiß, am Ende des Tages wird mir nicht ein Bruchteil dessen gelungen sein ohne dich, da alles Wollen in der Geschäftigkeit des Alltags zum Wunschdenken verkümmert. Auch heute werde ich wieder nach Anerkennung heischen. Auch heute werde ich wieder in das Hamsterrad der Leistungsgesellschaft steigen. Wie wohltuend ist es, dass du uns nicht zusätzlich in das religiöse Hamsterrad zwingst, dass du frei machst, das du keine Perfektion einforderst und meine Fehlerquote immer wieder auf null stellst, um zu sagen: Du genügst. Ich weiß, ich werde scheitern. Ich weiß, ich werde meinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden. Du lässt meinen christlichen Wassertropfen genug sein und füllst das Vakuum mit deinem Meer der Liebe. Ich weiß aber auch, keine Begegnung mit unseren Nächsten ist zufällig.Ich weiß, am Ende des Tages stehst du Jesus, trotzdem mit ausgebreiteten Armen um mich zu empfangen und zu sagen: Gut gemacht, mein Diener, das Schlechte trug ich für dich an das Kreuz. Morgen fängst du ohne Schuld neu an, denn ich liebe dich bedingungslos.In dieser Gewissheit liegt der neue Tag vor mir. Lehre mich, im Glauben, in der Liebe und der Hoffnung auszuharren. Lehre mich, die unendliche Freiheit die du schenkst zu nutzen, das Gute in der Welt zu mehren. Lasse die Früchte des Heiligen Geistes, Liebe, Freude, Güte, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung in mir wachsen, denn nur das verändert die Welt. Einmal neugeboren in dir schenkst du Tag für Tag Neubeginn durch Gnade. König der Könige, du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Nur bei dir ist bedingungslose Annahme und ewige Treue zu finden. Alles ist von dir und zu dir hin geschaffen. Forme mich auch heute wieder zum Nachfolger, denn ohne dich ist mein Leben ein Haschen nach Wind, mit dir aber Liebe und Leben in Ewigkeit. Wie schön ist die Gewissheit, du gehst mit mir den ganzen Tag. Wie schön ist die Gewissheit, wenn alle gegangen sind, bist du da. Wie schön ist die Gewissheit dir zu folgen beantwortet die Frage nach dem Sinn des Lebens. Und sollte es heute mein letzter Tag auf Erden sein, so ängstigt mich das nicht, denn du hast uns zugesagt, wer mich auf Erden bezeugt, den werde ich im Himmel bezeugen!

 

 

 

 

 

Juligedanken

 

Ein Wanderer hatte sich in der Wüste verirrt. Völlig orientierungslos der brütenden Hitze ausgesetzt wanderte er im Kreis. Unbarmherzig brannte die Sonne auf ihn herab. Auf seiner Odyssee im Meer des Todes erblickte er plötzlich zu seinem Erstaunen mit bereits fiebrig glänzenden Augen einen Brunnen. Auf den ersten Blick glaubte er einer Fata Morgana aufgesessen zu sein, doch als er näher kam erkannte er die Realität seiner vermeintlichen Rettung. Um zu prüfen, ob der Brunnen Wasser enthielt, griff er in die Tasche seines Gewandes und holte eine Münze heraus, die er in den Brunnen warf. Er schien sehr tief zu sein, denn erst nach einer ihm endlos erscheinenden Zeit hörte der durstige Wanderer zu seiner großen Freude ein Plumpsen, welches auf Wasser schließen ließ. Auf dem zerbröckelnden Rand des Brunnens befand sich ein Schöpfeimer. Niemand kann sich das Entsetzen vorstellen, als der Verdurstende entdeckte, dass das Seil, mit dem der Eimer in den Brunnen hinab gelassen werden konnte, auf Grund der Witterung an diesem unwirtlichen Ort, unwiederbringlich zerstört war. Das Wasser im Brunnen soll  ein Symbol für Gott in unserer austrocknenden Zeit sein, der Eimer beschreibt den Heiligen Geist, mit dem wir das lebendige Wasser schöpfen können, das durch Jesus, dem Seil, dem Mittler neu in die Welt gebracht  wurde. Doch in unserer materialistischen, konsumorientierten Welt der „Immer mehr“ Mentalität  scheint kein Platz mehr für Gott, den Heiligen Geist und Jesus zu sein. Wie der verdurstende Wanderer gehen viele Menschen ziel- und orientierungslos über diese Erde und verlaufen sich immer wieder im  Kreis von Esoterik, Okkultismus, New Age und vieler anderer Irrlehren und Heilsbringer. Zwischen Himmel hoch jauchzend und tief betrübt pendeln sie suchend durch die Sinnangebote dieser Welt und landen immer wieder unsanft auf dem Boden der Realität des Lebens. Sie suchen nach Ersatzbefriedigung und verdursten langsam aber sicher. Tagtäglich stößt man zwar in der Schöpfung auf den Brunnen des wahren Wassers und man lässt auch ab und an zu festlichen Anlässen und hohen Feiertagen einen Stein hinunterfallen um zu prüfen, ob nicht doch eventuell Wasser des Lebens vorhanden ist. Aber schnell gibt man auf, dieses Wasser zu schöpfen, da es auch Mühe macht und nicht „Befriedigung sofort“ verspricht. So vertraut man nicht auf das ewig Durst löschende, sondern auf kurzen Genuss. Man vertraut sein eigenes Leben und das seiner Kinder dem Busfahrer, dem Taxifahrer, dem Lokführer, dem Piloten an, doch dem, der die Wege unseres Lebens wie kein anderer kennt und bereitet, vertrauen wir nicht. Irgendwann sind wir dann, nach langer Durststrecke, Verdurstende. Dann hat man vergessen, dass es ein Seil zum Brunnengrund des lebendigen Wassers gibt, man hat es vermodern und verwittern lassen. Jetzt würde man zur Not ein Seil aus seiner eigenen Kleidung knüpfen, doch schnell merkt man, es gerät zu kurz oder die Hitze der Welt verbrennt unsere nun entblößte Haut. In diese Hoffnungslosigkeit sendet uns Gott auch heute noch Jesus, den Mittler, das „Seil“ zum Brunnengrund, welches uns köstliches Wasser erreichen lässt. Er steht traurig neben uns, wenn wir an Orte gehen, an die wir nicht gehen sollten und spricht: „Ich warte“. Er steht traurig neben uns, wenn wir Dinge tun, die wir nicht tun sollten und spricht: „Ich warte“. Er steht traurig neben uns, wenn wir voller Leid sind und spricht: „Ich warte“. Seine Vergebung, sein Mitleid, seine Güte, sein Erbarmen kennt kein Limit. Er löscht unseren Durst durch den Heiligen Geist. Er ist der neue, von Gott gegebene Bund, unauslöschlich. Auch, wenn das Wasser des Brunnens immer wieder vergiftet wird. Jesus ist immer das Heil bringende Gegenmittel. Nutzen wir dieses „Seil“, um das Wasser aus dem Brunnen des Lebens zu schöpfen, um nicht wie der Wanderer, das Ziel vor Augen, zu verdursten.

 

 

Gedankenspiel

 

Schon seit Jahren kämpfen Turbine Adventista, FC Katholia, Eintracht Baptistien, SC Evangelico, Dynamo Orthodoxie und viele andere große und kleine Teams gegen den Abstieg aus der Sinnsucherliga. Dann und wann gelang einzelnen Teams ein nicht erwarteter Sieg, der aber letztendlich nur von den hinter den Kulissen brodelnden Problemen, vor allem der Nachwuchsgewinnung, ablenkte.In einem Verein hatten nur die Funktionäre das Sagen. Im nächsten verfiel man der Beliebigkeit. Wieder andere drehten sich beharrlich im Kreis und schmorten in ihrem eigenen Saft. Unangreifbare Hierarchien herrschten in größeren Vereinen, begleitet von öden traditionellen Riten. Kurz, der Mitgliederschwund wurde immer größer. Die junge Generation folgte lieber den angesagten Vereinen der Neuzeit: FC Zeitgeist, SSV Esoterika, Sparta Selbstliebe. Dort wurden den jungen Menschen unbegrenzter Spaß, vorgegaukelte Sinnerfüllung, oberflächlicher Lebensrat, die Jagd nach den silbernen Götzenpokalen und der Tanz um das goldene Konsumkalb angeboten.

Erst als sich die Vereinspräsidenten der Christenteams zu einem Kongress trafen und ihnen auffiel, dass man eigentlich den besten Trainer der Welt hatte und im Besitz des einzigartigen göttlichen Trainingsprogramms, der Bibel, war, welches die Rückkehr des Messi(as) erwartete und man diese Fakten in den Mittelpunkt stellte, fand man die Lösung. Es wurde ein einziges Team gebildet: Vorwärts Bibelfolger. Die lange aus dem Mittelpunkt verschwundenen überirdischen Schriften weckten die vorher einzeln vor sich hin werkelnden, sich in Nebensächlichkeiten aufreibenden Christengemeinschaften aus ihrer eigenbrötlerischen Lethargie und Vorwärts Bibelfolger wurde weltweit das unangefochtene Spitzenteam der Sinnsucherliga.

 

 

Gott seufzte

 

Sie hatten es wieder getan. Machtgierige Tyrannen rekrutierten in seinem Namen junge Menschen, denen nie jemand Liebe, Anerkennung und Wertschätzung zukommen ließ und die für die Rattenfänger aller Zeiten eine leichte Beute waren. Gott sah mit traurigen Augen über die Erde, denn er saß nicht, wie die Erdenbewohner fälschlicherweise glaubten, mit einem langen weißen Bart auf einer Wolke und schaute sich teilnahmslos das Treiben der Menschen aus sicherer Entfernung von oben an, sondern er begegnete jedem täglich im Nächsten, besonders in den Leidenden, den Obdachlosen, den gesellschaftlich Abgehängten, den Gehandicapten, den Außenseitern, den Unterdrückten, jedem seiner Geschöpfe, denn er war bei jedem und in allem. Wie unglaublich schön war die Erde einst gewesen, als er sie nach der Schöpfung den Menschen überließ. Nicht wie heute, eingeteilt in Parzellen, denen man Namen gab, um die man schnell Zäune oder Mauern zog, um egoistisch Besitz zu horten und ihn notfalls mit Waffen zu verteidigen. Eine Erde für alle war sein Geschenk gewesen und nicht Reservate für Reiche und Müllhalden für Arme. Damals waren die Menschen noch nicht neidisch auf das, was andere besaßen, nicht habgierig und nicht nur den eigenen Interessen dienend. Je zivilisierter sie aber wurden, desto mehr nutzten sie ihr Wissen, um Böses zu tun und der Ungerechtigkeit Nahrung zu geben. Aus Atomen entstanden Atombomben, die die Erde tausendmal zerstören konnten. Aus natürlichen Ressourcen wurden Dinge hergestellt, die der Erde den Atem nahmen und sie zu großen Teilen zerstörte. Die für alle gedachten Bodenschätze mutierten zum Grund vieler grauenhafter Kriege. Die Wälder wurden vergiftet, die Meere mit Müll verseucht, den Kindern die Option auf eine lebenswerte Zukunft rücksichtslos genommen. Immer wieder standen machtgierige Führer auf, die ihren Völkern suggerierten, ausgewählte Herrenmenschenrassen zu sein. Herrscher bereicherten sich an den Reichtümern ihrer Länder und ließen ihre eigenen Schwestern und Brüder im Elend darben, verhungern, verwahrlosen. Alte verblendete Männer interpretierten Schriften nach ihrem Gusto und behaupteten, wer ihre Interpretation nicht teile, müsse getötet werden. Gott konnte gar nicht glauben, dass diese Tyrannen ernsthaft in Erwägung zogen, durch Gewalt den Weg in das Paradies gefunden zu haben. In seinem Namen wurde unterdrückt, missbraucht, vergewaltigt, gefoltert und gemordet. Das nannte man dann Religion und erdreistete sich, dieses mit ihm, dem liebenden Gott, in Verbindung zu bringen. Menschen schmückten sich mit dem Namen seines Sohnes und führten wegen unterschiedlicher Ansichten ob der Ausrichtungen blutige Kriege gegeneinander. Wieder andere verbreiteten Hassparolen und trugen gar im Namen seines Sohnes Kreuze in den Farben ihres Landes vor sich her. In der Anonymität der Netzwerke verbreiteten sie feige Hass und Hetze im Internet, machten andere klein um selber leidlich groß zu sein. Es reichte ihnen nicht mehr ihre Mitmenschen körperlich zu quälen, sondern sie bemächtigten sich nun auch den Gedanken. Gott sah traurig diesen Perversitäten und Entwürdigungen zu und ertrug stoisch die anklagenden Worte der ihn Verurteilenden, wenn sie sprachen: „Wo ist denn Gott in diesem Leid und Unrecht?“ Er hatte damals allen Menschen einen freien Willen gegeben, um sie nicht wie Marionetten an Fäden zu führen.

War des Anfangs nicht alles vorbereitet für Nächstenliebe und Teilen? War nicht auch heute eigentlich noch genug für alle Menschen der Erde da? Brauchte nicht jeder der in reichen Ländern geborenen nur einen winzigen Teil seines Reichtums abzugeben, damit alle ein Mindestmaß an Lebensqualität besaßen? Die Menschen saßen abgestumpft vor Monitoren und begeisterten sich daran virtuelle, detailgetreue Nachbildungen ihrer Schwestern und Brüder auf grausamste Weise zu eliminieren und zu behaupten, es sei alles nur ein Spiel. Verzweifelt schüttelte er den Kopf. Die Kommunikationsmedien wurden dazu genutzt mit Worten zu töten, Lügen und Bosheit zu verbreiten,  getötet wurde mit einem Mausklick. Unwahrheiten und Fälschungen wurden zu alternativen Fakten. Angeblich weise Menschen maßten sich an, zu wissen wie er sei. Dabei erreichte die Größe der Erkenntnis, die die Menschheit über ihn zu besitzen glaubte, nicht mal das Volumen eines Sandkorns.Es gab in den Sprachen der Menschen kein Wort, um zu beschreiben, wie er war. Jedem Menschen hatte er bei der Geburt den Keim in die Seele gelegt, die Erde zu einem für alle wunderbaren Ort zu machen. Eigentlich widerstrebte es Gott, wie damals bei Noah, in die Geschichte der Menschheit einzugreifen. Noch hoffte er, dass sich die Völker der Erde besannen und sich an das Gebot erinnerten, den Nächsten zu lieben, wie sich selbst. Doch letztendlich waren seine Gebote, wie nicht zu töten, nicht zu lügen, nicht zu stehlen und viele weitere dem friedvollen Zusammenleben dienende, von den Menschen als nicht mehr in die moderne Zeit passend, kalt lächelnd in der Mülltonne der Neuzeit entsorgt worden. Ich, meiner, mir und mich hießen Gottes größte Rivalen. Die Zeit, die er den Menschen geschenkt hatte, wurde zum messbaren Sklaventreiber gemacht. Die Worte, die er ihnen schenkte, wurden zu Schwertern geschmiedet. Seine Treue und Güte wurde in kleine Portionen verpackt, mit vielen Zusatzstoffen versehen und zweckbestimmt um etikettiert. Die Kinder, die er seinen Geschöpfen schenkte, wurden vermessen, untersucht, begutachtet, beurteilt, sortiert oder aussortiert. Die Botschaft seines Sohnes, der den Menschen vergebende Liebe und die Wahrheit brachte, missbrauchte, verfälschte und deutete man je nach Denomination. Gott gebot jedem seiner Ebenbilder, ihn zu lieben, doch wer liebte ihn noch? Er gebot ihnen: Liebe den Nächsten so, wie dich selbst. Sie machten daraus: Liebe dich selbst, wieso deinen Nächsten? So gebar das Böse Gotteskrieger und Herrenmenschen. Hatte er seinem Team nicht das beste Trainingsprogramm der Welt an die Hand gegeben, die Bibel? Doch SV Esoterika und Dynamo Zeitgeist belegten die Spitzenplätze der Sinnsucherliga. Gott  war der „Ich bin“ und registrierte traurig, wie entartet sein uneingeschränktes „Ihr dürft“ interpretiert wurde. Er war in den Meeren, Seen, Flüssen, Bächen. Er war im Regen und in der Sonne. Er war die Freude im Glück. Er war die Gelassenheit im Pech. Er war der Trost im Leid. Er war der Trost in der Trauer. Er war in den Pflanzen und in den Tieren.

Er war in jedem Menschen.

Er war am Anfang.

Er war jetzt.

Er wird sein.

Gott seufzte und schenkte wieder das, was die Menschen unzureichend mit dem Wort Liebe beschreiben.

Erneut ließ er einen Regenbogen die Erde umspannen. 

 

 

 

 

 

Augustgedanken

 

Ferienzeit, Urlaubszeit, Sommerzeit. Endlich einmal zur Ruhe kommen. Lange Abende in milder Luft, Gespräche mit Freunden bei einem Glas Wein. Aussteigen aus der Tretmühle des Alltags für eine kurze Zeit. Freude, Spaß, miteinander etwas unternehmen, Familienleben.

Zeit aber auch für die Dankbarkeit in einem so reichen Land geboren  zu sein und einzuüben tagtäglich für die zu beten, die wegen ihres Glaubens verfolgt, unterdrückt und misshandelt werden. Wir sind bestens versorgt, hungern nicht, leiden keinen Durst, haben ein Dach über dem Kopf und die meisten auch ein geregeltes Einkommen. Wir können uns ein Auto leisten, mindestens einmal im Jahr in Urlaub fahren, sind verkabelt, vernetzt, haben unser Ohr am Puls der Medien. Alles selbstverständlich. Doch selten gelingt es uns einmal zur Ruhe zu kommen.

Immer auf der Suche nach dem nächsten Kick, der bei vielen eine große Leere hinterlässt. Und der folgende Alltag lässt uns in ein Loch fallen.

Gerade die Urlaubszeit sollte uns doch eigentlich positive Impulse für den täglichen Trott bieten. Woher kommt also dieses Gefühl der Leere.

Warum sind wir außen braungebrannt, dynamisch, fit, innen aber leer, bleich und rastlos? Kraft und Dynamik aus der Ruhe in der Gegenwart des Schöpfers bietet jeder Tag dem Menschen, der es lernt, eine regelmäßige kurze Zeit im Kontakt mit Gott zu verbringen, kurz, zu beten.

Wann passt es besser dies einzuüben als im Urlaub? Unter den lauten Geräuschen des Tages liegt eine Melodie unglaublicher Schönheit verborgen, die nur der hört, der alles andere einmal ausschaltet. Jedes Gebet ist eine Option auf Zufriedenheit und wird die Wirkung zeigen, die Gott ihm beimisst. Vergesse die Seele nicht. Einer jeden ist die Sehnsucht nach wahrem Frieden und Liebe inne. 

 

 

 

Nein 

 

Nein, ich glaube jenen nicht, die mir erzählen, die Bibel sei ein Märchenbuch, da ich täglich erfahre, wie Jesus Menschen aus der Dunkelheit ans Licht führt. Nein, ich glaube jenen nicht, die mir erzählen, den personifizierten Satan gäbe es nicht, wenn ich die Menschen sehe, die der Kamera stolz und freudestrahlend die abgeschlagenen Köpfe von Mitmenschen präsentieren. Nein, ich glaube jenen nicht, die mir erzählen, dass Spenden sowieso nicht ankommen und letztendlich nichts bewegen, weil sie nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sind. Nein, ich glaube jenen nicht, die mir erzählen, dass das tägliche stundenlange Abtauchen in virtuelle Welten um Menschen und Dinge spielerisch zu töten oder zu vernichten, die Psyche nicht negativ beeinflusst.

Nein, ich glaube jenen nicht, die sich mit ihren Hassparolen als Verteidiger des "christlichen Abendlandes" darstellen, denn christlich sind die, die die Botschaft der Liebe unseres Herrn Jesus Christus weitergeben. Nein, ich glaube jenen nicht, die erzählen, wir sind durch unsere qualitativ hochwertigere Volkszugehörigkeit bessere Menschen, denn wir haben nur das unverschämte Glück, hier geboren zu sein. Nein, ich glaube jenen nicht, die mir erzählen, wie ich auszusehen habe, was ich leisten muss, was ich zu besitzen habe, um in der Gesellschaft anerkannt zu sein. Nein, ich glaube jenen nicht, die mir erzählen, alle Wege führen zu Gott, denn Jesus Aussagen in der heiligen Schrift sagen dazu unmissverständlich etwas anderes. Nein, ich glaube jenen nicht, die mir erzählen, zu viel Emotionalität hätte nichts in Gottesdiensten zu suchen, denn Gott macht keine Fehler und Gefühle sind die äußeren Manifestationen der Seele. Nein, ich glaube jenen nicht, die mir erzählen, das der Mensch mit allen seinen Talenten, mit seinen Sinnen, mit seinen Gaben, mit seiner Ausdrucksform in der Kunst, aus Sternenstaub entstanden ist, denn was wissen wir kleinen Menschen schon trotz aller Forschung von den komplexen Zusammenhängen, die nötig sind, um Leben zu schaffen. Gott ist der Schöpfer des Lebens und aller Materie. Nein, ich glaube jenen nicht, die mir erzählen, gerade entstandenes Leben sei ein Zellklumpen und dass der Mensch das von Gott geschenkte Kind nach entsprechendem Test auf Fehlerlosigkeit töten und einen einzigartigen Mensch der Welt vorenthalten darf. Nein, ich glaube jenen nicht, die mir erzählen, dass es richtig ist, dass die organisierten Nachfolger von Jesus Christus, der keinen Ort hatte, um sein Haupt zu betten und der seine Jünger ohne Nahrung, ohne Tasche und ohne Geld in die Welt sandte, unglaublichen Reichtum anhäufen. Nein, ich glaube jenen nicht, die mir erzählen, dass hunderte Handlanger meine Bitten zu Gott tragen müssen, weil laut der heiligen Schrift der Bibel, Jesus der einzige Weg für Menschen ist, von Gott erhört zu werden. Nein, ich glaube nicht jenen, die Worte aus der heiligen Schrift aus dem Zusammenhang reißen und ihre menschenverachtenden Thesen dem unterschieben, der die reine, wahre Liebe predigte, Jesus Christus. Nein, ich glaube jenen nicht, die mir erzählen, dass alles seien Hirngespinste, denn die alleinige Wahrheit steht in der Bibel.

 

 

Septembergedanken

 

Unaufhörlich dreht sich die Erde einmal mehr dem Ende des Sommers entgegen.

Noch genießen wir die letzten warmen Tage, noch nicht bereit den Kreislauf des Jahres gen Herbst ziehen zu lassen.

Wie winzig ist unsere Erde im Weltraum. Wie ein Sandkorn und doch dem Schöpfer so wichtig, dass er uns alles zum Besten gedeihen ließ.

Der gesamte Kreislauf der Natur greift genial ineinander. Alle Bedingungen sind erfüllt uns Menschen Leben auf der Erde zu ermöglichen.

Immer wieder wird das mit Zufall  erklärt oder mit der Evolutionstheorie. Das wäre, als wenn wir ein Puzzle mit Milliarden von Teilen in die Höhe werfen würden  und wenn diese Stücke den Boden erreichten, ein wunderbares, klar erkennbares Bild ergäben. Nie werden alle Rätsel dieser Welt von Menschen entschlüsselt werden. Nie wird die Frage nach woher, wohin und warum ganz beantwortet werden. Alles von Menschenhand bleibt Stückwerk. Ab und an lässt uns Gott einen kurzen Blick auf die Geheimnisse der Schöpfung erhaschen. Doch schnell unterhöhlen gewiefte Geschäftemacher die an sich gute Sache und treten oftmals dadurch die Menschenwürde mit Füßen. Skrupellos wird Wissen missbraucht um Macht, vor allem aber hohen Gewinn zu erlangen. Mehr und mehr bewahrheitet sich, dass wir den Preis von allem aber nicht den Wert kennen. Schnell wird Segen zum Fluch. Viele von Menschen gemachte Entdeckungen (vom Atom zur Atombombe) wurden sinnvoll eingesetzt aber auch missbraucht. Statt zur Ewigkeit hin schon jetzt und hier in Frieden gemeinsam zu leben, herrscht Krieg an vielen Fronten. An militärischen, wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und selbst an familiären. Verzweifelt versuchen Forscher den Weg zum ewigen Leben zu finden. Die Antwort liegt dabei so nah. Aber es bereitet den Menschen unerklärliche Angst sie anzunehmen. „Wer an mich glaubt, der hat das ewige Leben“, spricht Jesus Christus. Er nimmt die Unzufriedenheit einer von materiellen Werten übersättigten Zeit durch seine Botschaft von uns. Er nimmt die Ohnmacht vor dem Alter und vor dem Tod durch seine Versprechen von uns.Er führt das Ungestüme der Jugend durch seine Anleitungen in die richtigen Bahnen. Er ist durch sein Wort Vater, Sohn, Bruder, Freund und Seelsorger.Er hat immer Zeit, Rat und Hilfe. Welche Macht ist an der Arbeit, dass so viele Menschen sich vor seinen Wahrheiten verschließen?

Lade Jesus in dein Leben ein und er kommt ohne jede Bedingung.


   

 

         Statt den ewigen Gott zu ehren, begeisterten sie sich für vergängliche Idole,

         abgöttisch verehrten sie sterbliche Menschen, ja sogar alle möglichen Tiere.     Römer 1, Vers 23

 

        Deutschland sucht den Superschäler   

  

Mia stieg in ihren knallroten Ferrari. Sie warf noch einen kurzen Blick aus alkoholgeröteten Augen auf ihre schneeweiße, im südländischen Stil erbaute Prachtvilla. Im Rückspiegel sah sie, dass ihr, kaum war sie aus der beidseitig mit Pappeln gesäumten, achthundert Meter langen Ausfahrt ihres Grundstücks gebogen, ein dunkler Kombi folgte, der, wie sie wusste, einem Paparazzi gehörte, welcher besonders aufdringlich und hartnäckig agierte, um seine nach neuen Stars und Sternchen lechzende Leserschaft der Regenbogenpresse mit Storys zu versorgen, die so aufregend waren, als schaute man Farbe beim Trocknen zu. Der Preis von Mias Ruhm war hoch und forderte an diesem Tag seinen Tribut - ihr Leben. Exakt vor vier Jahren begann für Mia eine Traumreise, die sie ihrem Agenten Moses McFinn verdankte. Damals wohnte sie mit Bernie in einem Sechsfamilienhaus im Parterre und hatte bei offenem Fenster Kartoffeln geschält. Moses McFinn, Inhaber einer Künstleragentur, dessen Klientel in letzter Zeit eine bescheidene Erfolgstrefferquote zu verzeichnen hatte, warf einen Blick in das offen stehende Fenster auf jene Frau, die virtuos mit einem sehr scharf aussehenden Schnippelmesser eine Kartoffel bearbeitete. Fasziniert blieb Moses stehen. Die unglaubliche Schnelligkeit, die Präzision und die anmutigen Bewegungen der feingliedrigen Finger von Mia zogen ihn in seinen Bann. Moses ahnte sofort, welches großartige Potential ihm hier auf dem Silbertablett präsentiert wurde. Zwei Stunden später war er Mias neuer Manager. Seine erste Amtshandlung lief auf einen Künstlernamen von Mia hinaus, die leider Gottes Müller hieß, was der Extravaganz einer Künstlerin nicht unbedingt Auftrieb bescherte. So wurde aus Mia Müller Mia Potato. Des Anfangs verlief die Karriere schleppend. Noch lohnte sich die Auflage von Autogrammkarten nicht, obwohl Mia schon das ein oder andere Mal ihren Namenszug in ein mitgebrachtes Kochbuch bei Auftritten in Supermärkten setzte. Dann hatte Moses bei der großen Samstagabendshow des öffentlich- rechtlichen Fernsehens, "Wetten dass", einen Videoclip eingereicht, in dem Mia eine Kartoffel innerhalb von 14,23 Sekunden von Schalen, Keimen und Augen befreite. Sie wetteten, dass es Mia gelänge, zehn Kartoffeln schneller zu schälen als Deutschlands bester Viersternekoch. Überraschend wurden sie zum Casting eingeladen und ihre Wette angenommen. Mia brachte jenem Meisterkoch eine vernichtende Niederlage bei. Danach mutierte sie zum begehrten Medienstar. Ob rund, knubbelig, eckig, weich, zäh, roh oder gekocht, niemand war schneller beim Schälen als Mia. Messerfabrikanten wedelten mit Traumwerbeverträgen. Moses vermarktete jeden Finger. Bei öffentlichen Auftritten wurde der Schriftzug des Sponsors mit wasserdichter Tinte auf den einzelnen Fingern angebracht. Den Daumen sicherte sich Pfanni Kartoffelknödel, der Zeigefinger ging an einen Nagelfeilenhersteller aus England. Der Mittelfinger wurde zur Werbefläche für L´Oreal – Nagellack, der eher unbedeutende vierten Finger wurde aufgewertet durch einen Schriftzug des Juweliers Christ. Mia, die immer noch praktisch dachte, hatte darauf bestanden, dass auch die Fangruppe der eher ungeschickten Hausfrauen zu ihrem Recht kam. Somit schmückte den kleinen Finger eine Werbung für Hansaplast. Bald bekam sie kräftigen Gegenwind von Frauenrechtlerinnen. Sie erweise den Frauen einen Bärendienst. Sie propagiere "zurück zum Heimchen am Herd". Moses gab eine Pressekonferenz in deren Verlauf er mit Bauernschläue darauf hinwies, dass Mia ein Gemüse bearbeite, welches einen Inhaltsstoff beherberge, der förmlich ein Sinnbild für die moderne Frau sei, nämlich Stärke. Danach gab es kein Halten mehr. Kartoffeln mutierten innerhalb eines Jahres zur Lieblingsspeise der Deutschen. Die Verkaufspreise für die von Mia benutzten Schnippelmesser schossen in die Höhe. Den  Kartoffelschälweltmeistertitel nahm sie im Vorbeigehen mit. Es gab mittlerweile ein Mia Potato Modelabel, dessen Erfolg man beim Blick in die Einkaufsstraßen der Großstädte an dem einheitlichen überwiegenden Kartoffel braun der weiblichen, teils aber auch männlichen Oberkleider ablesen konnte. Auch Mias Kindermodemarke „Kid Knolle“ hob ab wie eine Rakete. Wer etwas auf sich hielt und hip sein wollte trank Kartoffelschnaps der Marke Mias Knöllchen. Schönheitschirurgen wurden der Anfrage nach Kartoffelnasen kaum noch Herr. Ein bekannter Fernsehpastor ließ Kartoffelkochwasser von Mia segnen und verkaufte es zu horrenden Preisen. Die zuerst ausgebuchten VHS-Kurse waren deutschlandweit „Laufen auf heißen Kartoffeln“, „Schälen beim Erzählen“ und „Kartoffeln, Herkunft und Zukunft der Erde“. Der von Mia zusammen mit einem Esoterikguru geschrieben Lebensratgeber „Die universelle Kraft der Kartoffel“ führte wochenlang die Bestsellerlisten Sachbuch an. Eine große deutsche Autofirma brachte einen „Kartoffelkäfer Edition Mia“ auf den Markt. Der Kartoffelkanal, auf dem Hellseher an Hand der Augen, Keime und Färbungen der Kartoffeln die Zukunft voraussagten, ging auf Empfang. Mias Autobiografie „Geschälte Jahre“ pulverisierte alle Verkaufszahlen. Bei den beliebtesten Mädchenvornamen des Jahres wurden die Plätze eins bis vier von Hansa, Sieglinde, Linda und Cilena belegt. Der Kartoffelkäfer wurde das Insekt des Jahres. Die Schmuckkollektion „Miamant“ mutierte zur Geschenkidee des Weihnachtsfestes. Mias Schnippelmessersponsor brachte jedes erdenkliche Schnippelmesser, nach Wunsch diamantbesetzt, auf den Markt. Ihr Bild zierte fast jede Schürze rund um den Erdball. Selbst ihre erste Single "Jeder Stoffel isst Kartoffel" blockierte 14 Wochen die Spitzenposition der Charts. Ihre Show "Deutschland sucht den Spitzenschäler" war der Quotenrenner schlechthin. Als sie im Alter von 42 Jahren anArthrose der Fingerknochen erkrankte, wählten viele ihrer Fans, die die ganze Woche dafür lebten Mia am Wochenende im TV oder irgendeiner Halle oder einem Stadion live zu sehen und deren Leben von Sieg oder Niederlage Mias in der mittlerweile gegründeten Kartoffelbundesliga abhing, den Suizid. Sondersendungen berichteten tagelang über das plötzliche Ende ihrer Karriere. Das erste Programm sendete zahlreiche Brennpunkte nach der Tagesschau, in denen das Für und Wider der Fortsetzung von Mias Karriere unter eventuellem Einsatz von Medikamenten diskutiert wurde. Talkshows thematisierten wochenlang Mias Arthrose. Künstliche Fingergelenke entfachten eine neue Debatte um Vorteil oder Nachteil von Prothesen im Leistungssport. Mia erklärte tränenreich ihren Rücktritt und zog sich aus der Öffentlichkeit zurück. Kurz darauf tauchte ihr Name auf einer aus der Schweiz angekauften CD der Steuerfahndung auf. Mia, die bis zum schmerzlichen Ende ihrer unglaublichen Karriere kaum einmal Gegenwind bekommen hatte, wurde danach von den Medien zerrissen und Tag für Tag ein größerer Freund ihres eigenen Kartoffelschnapses.

Am Abend des 05. Mai fand ihr Mann Bernie sie nach der Heimkehr aus dem Golfclub mit durchschnittenen Pulsadern in der Badewanne. Der Notarzt konnte nur noch ihren Tod feststellen. Das Windmühlen-Kartoffelmesser drehte anklagend langsame Kreise auf dem rot gefärbten Wasser und hinterließ eine Spur, in der Bernie einen lachenden Totenkopf zu erkennen meinte...

 

 

Oktobergedanken

 

Herbstsonne vergoldet die sterbende Natur. Lange Schatten am Abend lassen die Haare an den Armen sich himmelwärts recken. Die Tage verlieren den Kampf um die Stunden gegen die Nacht. Abschied von der lärmenden Wärme des Sommers. Abgeerntete Felder verströmen Düfte der Erinnerung an die Kindheit. Die Seele schaut in den Spiegel des vergehenden Jahres. Reicht der Vorrat für lange Winterabende? Ist der Speicher gefüllt für dunkle Tage? Nichts reift auf der Erde solange und kontinuierlich mit dem Wechsel der Jahreszeiten wie der Mensch, bis er irgendwann über den Herbst des Lebens zum Winter ohne irdischen Neubeginn gelangt. Der Oktober bietet uns, wie kein anderer Monat eine Zeit zum Danken an. Dafür, dass wir beschenkt sind. Mit dem Frühling des Neubeginns. Mit dem Sommer der Lebenslust. Mit dem Herbst der Lebensbetrachtung. Mit dem Winter des Ausruhens. Nur er lässt uns ein unglaublich farbenfrohes Schauspiel der Natur miterleben. Unsere Seele reiht sich mit ein in den Zyklus des Jahres. Menschen verlieren keine Blätter und färben sich nicht von selbst bunt, doch eine unerklärliche Melancholie, tief in uns darauf hinweisend, dass auch wir endlich sind, lässt auch uns unbewusst teilhaben am Sterben der Natur.

Nur den, der diese Sinne abschaltet, treffen die Wechselfälle des Lebens völlig unvorbereitet. Der Oktober lädt ein zur Betrachtung der Ernte des vergangenen Jahres, materiell sowie geistlich. Er ist eine Zeit der Dankbarkeit, aber nicht nur für die Früchte der Felder und Bäume, sondern auch für alle Menschen, die wir während unseres kurzen Erdendaseins kennen lernen dürfen. Für alle hilfreichen Engel im Hintergrund, die mit ihren unauffälligen Arbeiten unsere Welt am Laufen halten. Für alle, die den Schwachen tagtäglich ihre Stimme leihen und somit auf Jesus Spuren wandeln. Für alle, die in einer kälter werdenden Zeit durch ein Lächeln oder Umarmen ein wenig Wärme in die Seelen ihrer Nächsten ausgießen. Für alle, die etwas für die Zukunft der Menschheit bewirken, ohne zu fragen, was bekomme ich dafür. Für alle, die daran arbeiten, diese Welt gerechter zu gestalten und ihren Reichtum teilen. Warum lässt Gott das zu? Diese Frage stellen Menschen oft, wenn die Medien z. B. über Hungerkatastrophen berichten. Würde Gott von jedem Bürger, nur unseres Landes, der diesen Betrag entbehren kann, 10 Euro vom Konto abbuchen, wäre das Geschrei groß. Also was soll Gott in diesem Fall tun? Oft, sehr oft, wenn auch nicht immer, haben wir Menschen es in der Hand, diese Erde zu verändern. Die wunderbaren Farben der Natur erinnern uns einmal mehr daran, welches große Wunder uns der Herr in seiner Schöpfung anvertraut hat. Nutzen wir den Erntedank, um unserem Herrn Jesus Christus und unseren Nächsten einmal Danke zu sagen. Kostet nichts und zaubert ein Lächeln in die Gesichter der Mitmenschen.

 

 

 

 

         NSA                                          Offenbarung 13, 16-17

Gestern Abend hatte ich das Gefühl, mir schaue beim E-Mail schreiben jemand über die Schulter, ich hätte aber nie vermutet von vorne. Es sagt sich so leicht dahin, dass die NSA gerne die eigenen E-Mails ausspionieren dürfe, da man ja letztendlich nichts zu verbergen habe. Wenn es dann aber geschieht, bekommt dieser Eingriff in die Privatsphäre einen ganz anderen Stellenwert. Es begann damit, dass ich zu Allerheiligen von einem großen Elektronikhändler zwei Solargrablichter im Internet bestellte. Nach der Lieferung erwies sich eines der beiden Lichter als defekt. Per Mail wandte ich mich an den Kundenservice. Nachdem ich in meinem Postfach den Button "E-Mail schreiben" angeklickt hatte und ich mich nun im dafür vorgesehen Formular befand, geriet ich in die Fänge der bösen Mächte, welche sich in den elektronischen Postverkehr unbescholtener Bürger einklinken. Ohne dass ich die Tastatur überhaupt berührt hatte sprang der Cursor plötzlich von ganz rechts nach ganz links, zuckte ein paar Mal ekstatisch auf und nieder, um in der nächsten Sekunde, Harmlosigkeit heuchelnd, wieder seinen angestammten Ruheplatz am Anfang der Zeile einzunehmen. Geschockt starrte ich auf den Bildschirm. Jetzt also auch ich, durchfuhr es mich siedend heiß. Selbst die Werbung bei GMX sprang wie von Geisterhand in eine andere Richtung, wenn ich auf den Button „löschen“ klicken wollte. Bereits am Montag, als mich meine Frau beim Einkaufen über Handy anrief um das Mitbringen einer 200 Gramm Packung Gouda nachzuordern, meinte ich im Hintergrund ein deutliches männliches Räuspern wahrgenommen zu haben, so, als befände sich noch ein Dritter in der Leitung. Welche meiner Internetaktivitäten konnten die NSA oder den britischen Geheimnisdienst oder gar den Verfassungsschutz unseres Landes auf den Plan gerufen haben? Mutmaßte man, dass ich den bei Amazon bestellten Tischgrill als Folterwerkzeug missbrauchte? Hatte meine Suche bei Yahoo, wie ein Maulwurf aus dem Garten vertrieben werde könne, den Verdacht genährt mich mit Chemikalien zum Bombenbau versorgen zu wollen? Oder war das Bestellen der Greatest Hits of The Ramones, eigentlich nur dem Zwecke dienend, der Erinnerung an eine wilde Jugend mit Punkmusik zu huldigen, in die Nähe geplanter Anarchie gerückt worden? Des Weiteren erinnerte ich mich gegoogelt zu haben, was Bush damit meinte, als er nach den vielen zivilen Opfern des Irakkriegs befragt wurde, es käme schon mal zu Kollateralschäden.  Egal, es  schien sowieso zu spät zu sein, jetzt würde ich erst einmal die Mail an die Elektronikfirma schreiben. Sehr geehrte Damen und Herren, leider erwies sich eines der von Ihnen zugesandten Solargrablichter als defekt. Ich würde mich über eine kurze Mitteilung ob des weiteren Vorgehens ihrerseits freuen. Mit freundlichem Gruß. Ich las die Zeilen. Sehr geehrte Damen und Herren. Nein, viel zu gefährlich. Jetzt, da ich ahnte, dass Big Brother jeden meiner Buchstaben mitlas, hieß es mich eines völlig unverdächtigen Wortschatzes zu bedienen. Das war nicht so einfach, da ich ja nicht wusste, wer sich in meinen E-Mail-Account eingehackt hatte. Geehrte und Herren ging gar nicht. Das waren zwei Begriffe in denen Ehre und Herren vorkam. Auf keinen Fall wollte ich durch den Gebrauch jenes Übermenschenvokabulars in die Nähe dieser braunen ewig gestrigen Dumpfbacken gerückt werden. Auch missfiel mir in Anbetracht der mir nicht bekannten Schultergucker das Wort Damen. Wenn nun zum Beispiel eine militante Frauenrechtsbewegung als heimliche Mitleserin die E-Mails aller Männer im Verdachtsalter kontrollierte, wäre Damen wohl die frauenfeindliche Todsünde schlechthin und dann auch noch chauvinistisch vor den Herren genannt. Ging gar nicht. Ich sah mich schon auf der Titelseite von Emma mit der Schlagzeile: Deutschlands größter Hardlinerpatriarch enttarnt. Im schlimmsten Fall tauchten gar Femenmitglieder vor unserem Haus auf. Na, das würde ein Gerede geben in unserem kleinen Dorf. Also weg mit dem Wort Damen. Implizierte der Satz "leider erwies sich eines der von Ihnen zugesandten Grablichter als defekt" nicht, dass es sich um einen verschlüsselten Hinweis auf einen nicht funktionierenden Bombenzünder handelte? Oder um den Befehl einem von Zweien das Licht auszublasen. Ging also auch nicht. Der letzte Absatz der Mail mit der Bitte um eine Antwort lud die Fremden ob weiterer zu erwartender Korrespondenz in meinem E-Mailkonto ja förmlich ein, mich dauerhaft auszuspionieren. Ich löschte den ganzen Absatz. Dann gab ich im Betreff meine Kundennummer ein und wechselte in das Textfeld. Dort schrieb ich: Hallo, ein Artikel defekt! Was nun? Auch diese Worte waren nicht völlig verdachtsfrei. Aber gar nichts zu schreiben, war letztendlich auch keine Lösung. Bevor ich an diesem Abend einschlief, überschlugen sich meine Gedanken. Wer weiß bis wohin die NSA mit ihrer Schnüffelei schon vorgedrungen war. Was war mit in den USA gefertigten Herzschrittmachern? Konnte man vielleicht schon ausspionieren, ob sich der Träger neu verliebt hatte? Oder Hörgeräte? Vielleicht hörten mit diesen Geräten mehr Menschen besser als man vermutete. Irgendwann kam ich bei Zahnplomben an. Wer wusste schon, worin überall Abhörgeräte untergebracht wurden. Nun war ich vollends verunsichert. Ein ungutes Gefühl beschlich mich. Ich stand auf und schaute vorsichtshalber noch einmal unter mein Bett.